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Kinderwunsch : Ethikrat empfiehlt gesetzliche Regelung für Embryonenspende

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Kinderlose Paare können durch eine Embryonenspende doch noch das Wunschkind bekommen. Es gibt aber rechtliche Unsicherheiten. Der Ethikrat verlangt, die Lücken zu schließen.

Der Deutsche Ethikrat hat den Gesetzgeber aufgefordert, rechtliche Lücken bei der Spende von Embryonen an kinderlose Paare zu schließen. Die Weitergabe von sogenannten überzähligen Embryonen „zur Austragung durch Dritte“ sei unter bestimmten Umständen zwar nicht verboten, aber auch nicht klar geregelt, erklärte das Gremium am Dienstag in Berlin. Auch zum Wohle des Wunschkindes sollte die Rechtslage präzisiert werden.

Daher sollte klar geregelt werden, dass die elterlichen Rechte und Pflichten vom Spenderehepaar aufgehoben werden und an das Empfängerpaar übergehen, erläuterte die Vorsitzende des Ethikrates, Christiane Woopen. Das heißt, mit dem Zeitpunkt des Embryotransfers sollte dem Empfängerpaar die rechtliche Elternschaft übertragen werden.

Hintergrund: Der Deutsche Ethikrat

Der Deutsche Ethikrat berät Bundesregierung und Bundestag in ethischen, medizinischen, rechtlichen und sozialen Fragen. Er hat 26 Mitglieder - unter ihnen Naturwissenschaftler und Juristen, Philosophen, Theologen oder Mediziner. Die Kölner Medizinethikerin Christiane Woopen ist Vorsitzende des Gremiums.

Die unabhängigen Experten diskutieren zentrale ethische, rechtliche oder medizinische Fragen und ihre möglichen Folgen für Individuum und Gesellschaft. Dabei geht es um Sterbehilfe und Stammzellforschung, Embryonenspenden/-adoptionen, Altenpflege, Migration oder Organspende.

Der Rat berichtet dem Bundestag und der Bundesregierung zum Ablauf jedes Kalenderjahres schriftlich über seine Arbeit und den Stand der gesellschaftlichen Debatte.

 

Angesichts der besonderen Herausforderung für alle Beteiligten sei eine umfassende medizinische, rechtliche und psychosoziale Beratung nötig. Dabei sei auch das Recht des Kindes auf Kenntnis der Abstammung zu berücksichtigen. Die Embryonenspende sollte nach Meinung des Expertengremiums in einer zentralen Einrichtung dokumentiert und die Unterlagen 110 Jahre aufbewahrt werden. Hier soll dann jeder ab dem 16. Lebensjahr Auskunft über seine genetische Abstammung erhalten können.

Für eine solche Fortpflanzung werden in der Regel mehrere Embryonen außerhalb des Körpers der Frau erzeugt, von der die Eizellen stammen. Umstritten ist, wie viele Embryonen auf diesem Wege erzeugt werden dürfen. Jedenfalls dürfen der Frau pro Fruchtbarkeitszyklus nur maximal drei Embryonen eingesetzt werden.

Embryonen können also dann ungeplant überzählig werden, wenn sie für das Paar, für das sie erzeugt wurden, nicht mehr nötig sind. Die Spende dieser Embryonen etwa an ein ungewollt kinderloses Paar könne diesem den Kinderwunsch erfüllen „und zumindest einigen überzähligen Embryonen Lebenschancen eröffnen“, heißt es in der Stellungnahme.

Basis der bisherigen Regelungen ist das Embryonenschutzgesetz von 1990. Danach ist es verboten, einen Embryo einer Leihmutter einzusetzen und das Kind von ihr nur austragen zu lassen. Ebenso verboten ist die gezielte Herstellung von Embryonen mit der Absicht, sie später zu spenden. Der Gesetzgeber will so die geschäftsmäßige Vermittlung von Embryonen unterbinden.

Hintergrund: Das Embryonenschutzgesetz

 In Deutschland ist es verboten, ein Kind von einer Leihmutter austragen zu lassen. Nach dem Embryonenschutzgesetz (Paragraf 1) wird mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldbuße bestraft, „wer es unternimmt, bei einer Frau, welche bereit ist, ihr Kind nach der Geburt Dritten auf Dauer zu überlassen (Ersatzmutter), eine künstliche Befruchtung durchzuführen oder auf sie einen menschlichen Embryo zu übertragen“. Bestraft wird in diesen Fällen der Mediziner, nicht die spendende und nicht die empfangende Frau.

Aber wie in einigen anderen Staaten ist es auch in Deutschland möglich, sogenannte überzählige Embryonen zur Austragung durch eine andere Frau weiterzugeben (Embryospende oder Embryoadoption), etwa, weil diese keine eigenen Kinder bekommen kann. Diese Embryonen werden künstlich, außerhalb der Frau erzeugt, von der die Eizelle dazu stammt (In-vitro-Zeugung).

Nun dürfen innerhalb eines Zyklus maximal drei Embryonen auf die Frau, von der die Eizelle stammt, übertragen werden. Wenn diese Frau aber nicht alle zu ihrer Schwangerschaft angelegten Embryonen benötigt, bleiben einige Embryonen übrig und können eben unter bestimmten Voraussetzungen weitergegeben werden.

Wird die künstliche Befruchtung schon mit der Absicht vorgenommen, den Embryo auf eine andere Frau zu übertragen, verstößt der Arzt ebenfalls gegen das Embryonenschutzgesetz (Paragraf 1). Denn danach wird „bestraft, wer künstlich bewirkt, dass eine menschliche Samenzelle in eine menschliche Eizelle eindringt, oder eine menschliche Samenzelle in eine menschliche Eizelle künstlich verbringt, ohne eine Schwangerschaft der Frau herbeiführen zu wollen, von der die Eizelle stammt“.

Grundsätzlich wollte der Gesetzgeber mit dem Gesetz der Embryospende jeglicher Form von Ersatzmutterschaft einen Riegel vorschieben. Er lässt jedoch Ausnahmen zu.

 

In Deutschland werden seit 2013 Spende und Vermittlung überzähliger Embryonen durch das Netzwerk Embryonenspende, einen Zusammenschluss einiger fortpflanzungsmedizinischer Zentren, aktiv angeboten und durchgeführt. Bis Ende 2015 gab es 57 Spenden und 45 Transfers. Aus 15 erzielten Schwangerschaften kam es den Angaben zufolge zu sieben Geburten, aus denen insgesamt neun Kinder entstanden.

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erstellt am 22.Mär.2016 | 17:02 Uhr

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