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Ewa Kopacz gegen Beata Szydlo : Es kann nur eine geben: Frauenduell um die Macht in Polen

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Am Sonntag sind Parlamentswahlen in Polen. Eines der wichtigsten Wahlkampfthemen ist ein höherer Mindestlohn – damit nicht zu viele junge Leute abwandern.

Warschau | Außerhalb Polens sorgt die Riege der Spitzenkandidatinnen bei den Parlamentswahlen bereits für Aufmerksamkeit: Das katholisch geprägte Land gilt schließlich als besonders traditionell und konservativ, was die Stellung der Frau angeht. Dennoch steht bereits vor der Wahl am Sonntag fest: Das Land wird auch künftig eine Regierungschefin.

Aktuell sind im Sejm, dem polnischen Unterhaus,  folgende Parteien vertreten:
Partei Sitze
Platforma Obywatelska (PO) Bürgerplattform 206
Prawo i Sprawiedliwość (PiS) Recht und Gerechtigkeit 138
Ruch Palikota (RP) Palikot-Bewegung 41
Polskie Stronnictwo Ludowe (PSL) Polnische Bauernpartei 29
Sojusz Lewicy Demokratycznej (SLD) Bund der Demokratischen Linken 26
Solidarna Polska (SP) Solidarisches Polen 17

 

Die Herausforderin: Beata Szydlo (PiS)

Beata Szydlo. Foto: dpa
Beata Szydlo. Foto: dpa Foto: dpa

Beata Szydlo will Polen verändern. Ein ganzes Paket von Gesetzesinitiativen hat die Vizechefin der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) schon vorbereitet und bei der Wahlkampfdebatte in die Kameras gehalten. „Das ist auch euer Sieg“, jubelte sie der Parteibasis entgegen - ganz so, als sei der Ausgang der Parlamentswahl am Sonntag bereits entschieden. Umfragen sehen die PiS in der Tat deutlich vorne in der Wählergunst.

Budgetfragen sowie wirtschaftliche und soziale Themen stehen im Vordergrund. Auch die Aufnahme von Flüchtlingen spielte eine Rolle - vor allem die PiS und die Parteien am rechten Rand schürten Ängste vor angeblicher „Überfremdung“. Die PiS will Familien mit Kindern mehr Gelder zukommen lassen und den Mindestlohn anheben. Szydlo hat außerdem ein Programm angekündigt, das 1,2 Millionen Arbeitsplätze für junge Polen im Alter von bis zu 35 Jahren schaffen soll.

Die Amtsträgerin:  Ewa Kopacz (PO)

Ewa Kopacz. Foto: dpa
Ewa Kopacz. Foto: dpa

So oder so: An der Spitze der polnischen Regierung wird künftig wieder eine Frau das Sagen haben. Denn Szydlo tritt gegen Regierungschefin Ewa Kopacz von der liberalkonservativen Bürgerplattform (PO) an. A

Auch Kopacz stellt mit ihrer PO eine Anhebung des Mindestlohns in Aussicht, dazu einen einheitlichen Steuersatz von zehn Prozent und „sozial sensible Marktwirtschaft“. In den vergangenen Wochen bestimmte zudem die Frage den Wahlkampf, wie die Auswanderung junger Polen gestoppt werden kann, die im eigenen Land keine Zukunftsperspektiven mehr sehen.

Die Aufmischerin: Barbara Nowacka (Bündnis Vereinte Linke)

Barbara Nowacka. Foto: dpa
Barbara Nowacka. Foto: dpa

Und auch das Bündnis Vereinte Linke hat mit der Feministin Barbara Nowacka eine Frau als Spitzenkandidatin, der Chancen eingeräumt werden, das linke Parteienspektrum des Landes gründlich aufzumischen. Polen hatte zwar schon zweimal eine Regierungschefin, aber soviel Frauenpräsenz in politischen Spitzenpositionen wie nun im Wahlkampf ist dennoch ungewöhnlich.

Und trotzdem: Als PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski im Sommer Szydlo als Spitzenkandidatin der Nationalkonservativen vorstellte, hob er mit Rücksicht auf verunsicherte männliche Gemüter hervor, dass sie es trotz all der politischen Arbeit fertig bringe, ihren Mann und ihre Familie zuhause zu umsorgen.

Das sagen die Wähler

Im ostpolnischen Dorf Kulesze Koscielne erhielt bei den vergangenen Wahlen die PiS mehr als 90 Prozent der Stimmen. Am Zaun um die Dorfkirche hängt ein PiS-Plakat mit Szydlos Porträt und ihrer optimistischen Aussage „damy rady“ - das wäre in etwa die polnische Entsprechung zu „Wir schaffen das“, dem Wahlspruch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingskrise.

„Ich will meine Stimme einer Partei geben, die gute Veränderungen für Polen bringt“, sagt etwa Maria Kulesza, Besitzerin eines kleinen Ladens. Kulesza hofft, dass das kein leeres Versprechen ist. „Wir wollen doch nur ein besseres Leben, dass das Geld bis zum Monatsende reicht und die jungen Leute nicht in den Westen abwandern“, meint die 69-Jährige.

Der Landwirt Bogdan Grodzki weiß noch nicht, wem er seine Stimme geben wird. „Es ist doch immer dasselbe mit den Versprechungen vor den Wahlen“, sagt der Milchbauer skeptisch. „Hinterher will sich keiner daran erinnern. Ich hätte lieber eine Regierung, die aus Fachleuten besteht und nicht aus Politikern.“

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erstellt am 23.Okt.2015 | 15:12 Uhr

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