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Niedersachsen : Ermittler: Verhafteter Salafist plante Bombenanschlag auf Polizei

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In der Wohnung wurden unter anderem Chemikalien gefunden. Die Polizei hat vermutlich einen Terroranschlag verhindert.

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2017 | 16:43 Uhr

Northeim | Die Polizei hat vermutlich erneut einen Terroranschlag in Südniedersachsen verhindert. Die Ermittler nahmen in Northeim einen 26-jährigen Deutschen fest, der zugab, einen Sprengstoffanschlag auf Polizisten oder Soldaten geplant zu haben. Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft Celle und die Polizeidirektion Göttingen am Donnerstag mit. Der Mann habe ausgesagt, er habe seine Opfer in eine Falle locken und sie mit einem selbstgebastelten Sprengsatz töten wollen. Erst vor zwei Wochen waren in Göttingen zwei Männer unter Terrorverdacht festgenommen worden.

In der Wohnung des 26-jährigen Northeimers fand die Polizei unter anderem die hochexplosive Chemikalie Acetonperoxid, weitere für den Bau von Sprengsätzen benötigte Chemikalien und elektronische Bauteile zur Herstellung einer Fernzündung für einen Sprengsatz. Die Ermittler nahmen den Mann, der die deutsche Staatsangehörigkeit hat, wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat fest. Das Amtsgericht Northeim erließ Haftbefehl, seit Mittwoch sitzt der Mann in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf in Göttingen in Untersuchungshaft.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte, die Festnahme des terrorverdächtigen Salafisten sei ein weiterer wichtiger Schlag gegen den islamistischen Terrorismus gewesen. Vor rund zwei Wochen hatte die Polizei in Göttingen zwei radikal-islamische Gefährder festgenommen, die ebenfalls einen Terroranschlag geplant haben sollen. „Wir haben es mit extrem dynamischen Entwicklungen im Bereich des islamistischen Terrorismus zu tun“, sagte Pistorius.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD).
Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Foto: dpa

Die beiden Fälle haben nach bisherigen Erkenntnissen allerdings nichts miteinander zu tun, sagte eine Sprecherin des Göttinger Polizeipräsidenten Uwe Lührig. Während die Göttinger Gefährder Kontakte zu Islamisten in vielen Regionen unterhalten haben sollen, richteten sich die Ermittlungen in Northeim nur gegen den 26-Jährigen. In Northeim gibt es nach Einschätzung der Polizei keine radikal-islamische Szene.

Details zur Person des 26-Jährigen wollte die Polizeidirektion Göttingen nicht nennen. Die Sprecherin sagte lediglich, es handele sich um einen gebürtigen Deutschen ohne bekannten Migrationshintergrund.

Nach Angaben von Nachbarn lebte der 26-Jährige in einer Wohnung über einer Einkaufspassage in der Northeimer Innenstadt. Dort sei er bereits am Dienstag von der Polizei festgenommen worden. Sechs Beamte hätten anschließend die Wohnung durchsucht und große Mengen Beweismaterial abtransportiert.

Northeims Bürgermeister Hans-Erich Tannhäuser (parteilos) sagte, er sei „schockiert und sehr betroffen“. Für ihn sei es unfassbar, dass in einer Stadt mit 30.000 Einwohnern jemand eine Bombe bauen wolle, um Menschen zu töten. Göttingens Polizeipräsident Uwe Lührig sagte, die Bekämpfung des Terrorismus und des Islamismus habe oberste Priorität. Die Polizei habe professionell agiert und alle erforderlichen Maßnahmen schnell umgesetzt.

Vor zwei Wochen hatte die Polizei bei der Festnahme der beiden Terrorverdächtigen in Göttingen auch scharf gemachte Waffen, Munition, IS-Flaggen und Datenträger beschlagnahmt. Die Ermittler gehen davon aus, dass auch diese der radikal-islamischen Szene zugerechneten Männer einen Terroranschlag geplant hatten.

Weil sie noch keine konkrete Tat beschlossen haben sollen, leitete die für Terrordelikte zuständige Generalstaatsanwaltschaft Celle allerdings kein Strafverfahren ein. Gegen die beiden erging aber eine Abschiebeanordnung des Landesinnenministeriums.

Nach dem 27 Jahre alten Algerier legte auch der 22 Jahre alte Nigerianer Rechtsmittel gegen eine Abschiebung ein, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Hannover. Bis zu einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig bleiben beide in Abschiebehaft. Innenminister Boris Pistorius verteidigte die Göttinger Großrazzia. Von einer Überreaktion könne überhaupt keine Rede sein, sagte der SPD-Politiker der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Es sei um die Abwehr einer Gefahr für die Bevölkerung gegangen und es habe konkrete Hinweise gegeben.

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