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Nach „Panama Papers“ : Ermittler durchsuchen Kanzlei Mossack Fonseca

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Bislang stellte sich die Anwaltsfirma als Opfer dar, jetzt rückt sie selbst in den Fokus der Justiz. Die Ermittler prüfen, ob die Kanzlei in illegale Geschäfte verwickelt war.

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erstellt am 13.Apr.2016 | 08:03 Uhr

Panama-Stadt | Nach den Enthüllungen über Hunderttausende Briefkastenfirmen hat Panamas Justiz die Kanzlei Mossack Fonseca durchsuchen lassen. Es solle geprüft werden, ob das Unternehmen für illegale Aktivitäten genutzt wurde, teilte die neu gegründete Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität am Dienstag mit. An der Durchsuchung nahmen auch Daten- und Finanzexperten der Kriminalpolizei teil.

Die Daten der „Panama Papers“ belegen, wie die globale Offshore-Industrie im Verbund mit großen Banken, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern, in aller Verschwiegenheit die Besitztümer von Prominenten verwaltete. Darunter sind auch zahlreiche Politiker und Prominente. Diese Deutschen stehen auf der Liste. Wolfgang Schäuble will mit einem Zehn-Punkte Plan gegen Steuerbetrug im Ausland vorgehen.

Medienberichten zufolge kooperierte die Kanzlei nicht bei den Ermittlungen. Das Unternehmen verzögere die Untersuchungen, berichtete die Zeitung „La Prensa“ unter Berufung auf Ermittler. Mossack Fonseca hingegen teilte auf Twitter mit: „Wir kooperieren weiterhin mit den Behörden, die in unserer Zentrale Ermittlungen durchführen.“ Zuvor waren bereits mehrere Niederlassungen der Kanzlei im Ausland durchsucht worden.

Vor den Geschäftsräumen in Panama-Stadt bezogen am Dienstag Polizisten Stellung, wie im Fernsehen zu sehen war. Die Angestellten wurden von den Beamten in ein Nebengebäude eskortiert. Die Polizei durchsuchte auch das Datenzentrum der Telefongesellschaft, die den IT-Support für die Kanzlei abwickelt.

Nach einjähriger gemeinsamer Recherche hatten vor kurzem Dutzende Medien weltweit über gut 200.000 Briefkastenfirmen berichtet, in denen Politiker, Prominente und Sportler ihr Vermögen geparkt haben sollen. Die Unternehmen wurden den Berichten zufolge zum Teil von Mossack Fonseca gegründet. Die panamaische Kanzlei bestreitet, in illegale Geschäfte verwickelt zu sein.

Die Berichte über die „Panama Papers“ fußen auf Dokumenten von Mossack Fonseca. Bei der federführend an den Recherchen beteiligten „Süddeutschen Zeitung“ hieß es, die 2,6 Terabyte an Daten seien ihr von einer anonymen Quelle zugespielt worden.

Die Kanzlei geht davon aus, Opfer eines Hackerangriffs geworden zu sein und hat Strafantrag gestellt. Erst am Montag hatte die Staatsanwaltschaft deshalb in den Geschäftsräumen der Firma nach Spuren eines möglichen Datendiebstahls gesucht.

Staatspräsident Juan Carlos Varela rief Frankreich auf, seine Entscheidung, Panama wieder auf die Liste der Steuerparadiese zu setzen, noch einmal zu überdenken. Sollte Paris nicht einlenken, werde seine Regierung zu diplomatischen Maßnahmen greifen, kündigte der Staatschef am Dienstag an.

Die beiden Länder verbindet ein gültiges Doppelbesteuerungsabkommen und ein Vertrag über den Austausch von Finanzdaten. Frankreich setzte Panama nach Veröffentlichung der „Panama Papers“ jedoch wieder auf die Liste der nicht-kooperativen Länder und Territorien. Auch die Industrieländer-Organisation OECD bescheinigte dem mittelamerikanischen Land, internationale Standards für Steuertransparenz entgegen früherer Zusagen zu missachten.

Präsident Varela versuchte zuletzt, den ramponierten Ruf seines Landes wieder zu verbessern. Eine Kommission aus nationalen und internationalen Experten soll nun Vorschläge unterbreiten, wie der Finanzsektor transparenter gemacht werden kann. Am Dienstag holte die Regierung ein Ass aus dem Ärmel: Wirtschaftnobelpreisträger Joseph Stiglitz wird Vizechef der Arbeitsgruppe.

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