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Lageso in Berlin : Erfundener Flüchtlingstod: „Moabit hilft“ räumt Fehler ein

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Ein Mann setzt in Berlin die Nachricht vom Tod eines Flüchtlings in die Welt. Rasch zieht sie Kreise, auch weil ein Hilfsbündnis sie ungeprüft weiterverbreitet. Am Ende stellt sich heraus: Der Man hat gelogen.

shz.de von
erstellt am 28.Jan.2016 | 15:43 Uhr

Berlin | Das Berliner Bündnis „Moabit hilft“ hat nach der von einem Helfer erfundenen Nachricht über den Tod eines Flüchtlings schwere Fehler eingeräumt. „Wir haben da auf Deutsch gesagt echt Mist gebaut“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag vor Journalisten in der Hauptstadt. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilte das Verhalten des Mannes und kritisierte auch „Moabit hilft“ scharf. Eine Straftat beging der Helfer mit seiner Lüge nach Polizei-Angaben wohl nicht.

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin ist zuständig für die Erstversorgung ankommender Flüchtlinge. Doch das Gelände war in den vergangenen Monaten hoffnungslos überfüllt und ist zum Sinnbild des Chaos in der Flüchtlingskrise geworden. Hunderte Flüchtlinge standen tagelang draußen in der Kälte oder in beheizten Zelten an. Der Präsident des Landesamtes, Franz Allert, trat im Dezember zurück.

Das Bündnis hatte am Vortag Angaben des Mannes bestätigt, wonach ein Asylbewerber gestorben sei, der zuvor lange vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) im Berliner Stadtteil Moabit gewartet habe. Der Helfer habe den stark fiebernden Mann zu sich geholt. Wegen seines schlechten Zustandes sei er von einem Krankenwagen abgeholt worden - und auf dem Weg in eine Klinik gestorben. Stunden später gestand der Helfer der Polizei, dies nur erfunden zu haben. Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. „Es war ein Fehler“, sagte die Sprecherin. „Es war tatsächlich aus diesem Vertrauensverhältnis heraus.“ Die Geschichte sei aber „nicht ganz so unwahrscheinlich“, betonte sie. „Das kann sich jeder Helfer, jeder Politiker und jeder Pressevertreter hier mittlerweile vorstellen.“

In den vergangenen Monaten hatten wiederholt dramatisierte Darstellungen der schlimmen Zustände am Lageso durch Helfer für Aufregung gesorgt. So ging etwa Anfang Januar das Gerücht um, Flüchtlinge hätten sich Erfrierungen zugezogen und Zehen hätten amputiert werden müssen. Medien verbreiteten die Geschichte weiter - sie stellte sich aber als falsch heraus.

Innensenator Henkel hielt dem Bündnis „Moabit hilft“ in einer Mitteilung vor: „Verantwortung tragen auch diejenigen, die den erfundenen Fall gestern ohne jegliche Grundlage bestätigt haben, darunter die Sprecherin des Bündnisses ,Moabit hilft‘.“ Wer solche Gerüchte streue und ungeprüft weiterverbreite, „legt es bewusst darauf an, die Stimmung in unserer Stadt zu vergiften“.

Henkel nannte das Handeln des Mannes „eine der miesesten und perfidesten Aktionen, die ich jemals erlebt habe“. Die Behörden hätten stundenlang mit hohem Aufwand nach einem erfundenen „Lageso-Toten“ gesucht. „Geschadet wurde auch den vielen Ehrenamtlichen, die in unserer Stadt jeden Tag wichtige Arbeit leisten.“ Von Henkel geforderte rechtliche Konsequenzen muss der Mann aber wohl nicht fürchten. „Er hat keinerlei Tatbestände erfüllt“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Organisatoren von „Moabit hilft“ erklärten in der Nacht auf Donnerstag im Internet, sie hätten den Flüchtlingshelfer in den vergangenen Monaten „als verlässlichen und integren Unterstützer an unserer Seite kennengelernt, der sich auf unterschiedlichste Weise für viele geflüchtete Menschen engagiert hat“. Er habe sein Facebook-Profil gelöscht „und war bislang für uns nicht zu sprechen.“

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