Visa-Krise zwischen Türkei und USA : Erdogan wirft US-Botschaft vor, „Agenten“ zu beschäftigen

Donald Trump, Präsident der USA, und Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, haben einige Differenzen. /Archiv

Donald Trump, Präsident der USA, und Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, haben einige Differenzen. /Archiv

Der türkische Staatschef betont zudem, den Diplomaten John Bass nicht als Botschafter in Ankara anzuerkennen.

shz.de von
10. Oktober 2017, 17:19 Uhr

Istanbul/Belgrad | Der Streit über die gegenseitige Visa-Blockade zwischen den USA und der Türkei eskaliert: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan griff am Dienstag den scheidenden US-Botschafter in Ankara, John Bass, ungewöhnlich scharf an. „Wir erkennen ihn nicht als den Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Türkei an“, sagte Erdogan bei einem Besuch in Belgrad. Er warf dem US-Generalkonsulat in Istanbul vor, „Agenten“ beschäftigt zu haben.

Ähnlich wie im Streit Ankaras mit Berlin - belasten die Inhaftierungen von US-Bürgern die Beziehung der Länder. Bereits vor der Verhaftung des Mitarbeiters der US-Vertretung in Istanbul war im Frühjahr ein weiterer türkischer Mitarbeiter der amerikanischen Vertretung in Adana inhaftiert worden. Nach einem weiteren einheimischen Mitarbeiter des Konsulats in Istanbul wird gefahndet.  

Erdogan betonte, weder er selber noch seine Minister oder der Parlamentspräsident würden den Diplomaten Bass zum Abschiedsbesuch empfangen. John Bass wird neuer US-Botschafter in Afghanistan. Unklar ist, wann er seinen Posten in der Türkei verlässt.

Nach der Verhaftung eines türkischen Mitarbeiters des US-Generalkonsulats in Istanbul vergangene Woche hatten die USA am Sonntag die Vergabe von Visa in ihren Vertretungen in der Türkei auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die türkische Regierung reagierte, indem sie ihrerseits die Visavergabe an US-Staatsbürger stoppte. Dem inhaftierten Mitarbeiter werden Verbindungen zur Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen vorgeworfen, den die türkische Regierung für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich macht.

Erdogan sagte am Dienstag: „Das alles zeigt uns, dass im Generalkonsulat in Istanbul etwas vorgeht. Amerika muss hier vor allem folgendes untersuchen: Wie sind diese Agenten in das amerikanische Generalkonsulat eingedrungen? Wenn diese Agenten nicht in das amerikanische Generalkonsulat eingedrungen sind, wer hat sie dann dorthin geschleust? Das muss man sich fragen. Kein Staat duldet solche Agenten, die ihn von innen bedrohen.“

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