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Türkei-Konflikt : Erdogan soll Berlin Austausch von Deniz Yücel gegen Ex-Generäle angeboten haben

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Die „Bild“ beruft sich auf Quellen im Auswärtigen Amt. Außenminister Gabriel weiß nichts von solchen Angeboten.

shz.de von
erstellt am 20.Jul.2017 | 11:46 Uhr

Deutsche Diplomaten sind laut einem Zeitungsbericht der „Bild“ am Donnerstag überzeugt, dass die türkische Regierung inhaftierte Deutsche wie Geiseln benutzt. Ankara wolle so erzwingen, dass die Bundesregierung Türken ausliefere, die nach dem Putschversuch vor gut einem Jahr in Deutschland Asyl beantragt hätten. Die „Bild“ beruft sich auf namentlich nicht genannte Quellen im Auswärtigen Amt.

Neben dem eingesperrten Yücel und weiteren in der Türkei verhafteten Deutschen ist die Beziehung der Bundesrepublik und der Türkei aktuell durch die Gefangennahme des Menschenrechtsaktivisten Peter Steudtner belastet. Er war gemeinsam mit anderen Aktivisten bei einem Workshop auf einer Insel vor Istanbul festgenommen worden. Ihnen wird Terrorunterstützung vorgeworfen.

Präsident Recep Tayyip Erdogan habe der Bundesrepublik bereits vor einigen Wochen angeboten, den deutsch-türkischen „Welt“ - Korrespondenten Deniz Yücel gegen zwei nach Deutschland geflohene Ex-Generäle der türkischen Armee auszutauschen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte der Zeitung: „Auf so einen Handel können wir uns natürlich nicht einlassen.“

Im Zusammenhang mit dem Putschversuch in der Türkei sind dort nach Erkenntnissen der Bundesregierung bislang 22 deutsche Staatsbürger festgenommen worden. Aktuell sind demnach noch neun von ihnen in Haft.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) ist nach eigenen Angaben kein Angebot der Türkei bekannt, den Journalisten Deniz Yücel gegen zwei türkische Ex-Generäle auszutauschen. „Ich kenne kein offizielles Tauschangebot.“ Ein entsprechender Schriftverkehr oder Anruf aus den vergangenen Wochen sei ihm nicht bekannt. „Ich habe das nur in der Zeitung gelesen.“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wies in der „Bild“ auf die Gefahr von Erpressungsversuchen der türkischen Regierung hin:  „Deutsche Staatsbürger laufen in der Türkei Gefahr, zu Geiseln der Politik von Präsident Erdogan zu werden.“ Die Bundesregierung dürfe dies nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen.

„Ich gehe davon aus, dass Erdogans Willkür Kalkül hat“, sagte Cem Özdemir (Grüne) gegenüber der Zeitung. „Deniz Yücel und Peter Steudtner werden als politische Geiseln gehandelt.“

Das türkische Außenministerium dagegen hat die Kritik der Bundesregierung an der Inhaftierung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner scharf zurückgewiesen. Die Bundesregierung versuche damit, Einfluss auf die „unabhängige türkische Justiz“ zu nehmen, teilte das Ministerium am Donnerstag in Ankara mit.

Das sei inakzeptabel. Die Kritik der Bundesregierung sei zudem „beispielhaft für diplomatische Unhöflichkeit“. Das Ministerium verwies darauf, dass es bei der Gewährleistung der konsularischen Betreuung von der türkischen Seite aus keine Versäumnisse gegeben habe.

(mit dpa)

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