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Türkei : Erdogan-Gefolgsmann Binali Yildirim soll Nachfolger Davutoglus werden

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Nach dem Rückzug des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu soll der bisherige Verkehrsminister Binali Yildirim Chef der islamisch-konservativen AKP und der Regierung werden.

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erstellt am 19.Mai.2016 | 13:06 Uhr

Nach dem Rückzug des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu soll der bisherige Verkehrsminister Binali Yildirim Chef der islamisch-konservativen AKP und der Regierung werden. Der AKP-Vorstand nominierte den 60 Jahre alten Gefolgsmann von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag als einzigen Kandidaten für den bevorstehenden Sonderparteitag in Ankara. Dort soll der Kandidat am Sonntag als Parteichef bestätigt werden.

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu und Staatschef Recep Tayyip Erdogan waren sich uneinig über eine Verfassungsänderung, die Erdogan mehr Macht verleihen würde. Die Opposition befürchtet, dass der Rücktritt Davutoglus und die Durchsetzung der Änderung zu einer „Bekräftigung der Diktatur in der Türkei“ führen.

Anschließend wird er auch das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen. Erdogan-Anhänger hatten Davutoglu mangelnde Loyalität vorgeworfen. Sie hatten ihn außerdem beschuldigt, die von Erdogan angestrebte Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei nicht engagiert genug voranzutreiben. Nach einem Treffen mit Erdogan hatte Davutoglu am Donnerstag vor zwei Wochen seinen Rückzug angekündigt. Europäische Politiker bedauerten den Rückzug.

Davutoglu war Erdogan im August 2014 an der Spitze der AKP und der Regierung nachgefolgt. Erdogan war damals vom Volk zum Staatspräsidenten gewählt worden. Die Verfassung schreibt dem Präsidenten zwar Neutralität vor. Erdogan ist aber weiterhin die unbestrittene Führungsfigur in der AKP und dürfte maßgeblichen Einfluss auf die Auswahl Yildirims gehabt haben.

Hintergrund: Binali Yildirim - treuer Weggefährte Erdogans

Der künftige Vorsitzende der türkischen Regierungspartei AKP und nächste Ministerpräsident Binali Yildirim ist ein angjährige Weggefährte von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Der bisherige Verkehrsminister gilt als absolut loyal. Schon in den 1990er Jahren war Yildirim an der Seite des heutigen Staatspräsidenten. Damals war Erdogan Bürgermeister von Istanbul, Yildirim war der Chef der städtischen Fährgesellschaft Ido.

Der heute 60-Jährige folgte Erdogan in die Politik und gründete gemeinsam mit ihm und anderen Mitstreitern die islamisch-konservative AKP. Als die Partei 2002 an die Macht kam - die sie bis heute ununterbrochen innehat -, wurde Yildirim Verkehrsminister. Erdogan wurde bald danach Ministerpräsident und 2014 dann Staatschef.

Während andere AKP-Mitbegründer in der Bedeutungslosigkeit verschwanden, ging Yildrims Aufstieg an der Seite Erdogans weiter.

Als Minister war Yildirim für mehrere Prestigeprojekte Erdogans verantwortlich. Unter anderem für den Bau der Marmaray - einem Eisenbahntunnel unter dem Bosporus, der 2013 eröffnet wurde. Auch an der Verwirklichung eines anderen Traums von Erdogan war Yildirim maßgeblich beteiligt: Dem Bau der dritten Brücke über den Bosporus.

Das konservative Weltbild seines Präsidenten teilt der neue Parteichef. Auf Twitter machte ein Foto die Runde, das türkischen Medienberichten zufolge Yildirims Ehefrau Seniha alleine beim Essen zeigen soll, während Yildirim mit seinen männlichen Begleitern am Nachbartisch speist - und ihr keine Beachtung schenkt.

Für Gespött in sozialen Medien sorgte auch die Begründung für Yildirims Universitäts-Wahl, die er nach Medienberichten auf einer Absolventenfeier vortrug. Auf ein Studium an der angesehenen Bosporus-Universität habe er demnach verzichtet, weil dort männliche und weibliche Studenten gemeinsam auf dem Rasen saßen. Sein Studium im Schiffbau absolvierte Yildirim stattdessen an der Technischen Universität in Istanbul. Er ist Vater von drei Kindern.

 

AKP-Sprecher Ömer Celik sagte am Donnerstag bei der Nominierung Yildirims in Ankara: „Es gibt keinen Abstand zwischen der AKP und unserem Präsidenten und es wird auch in Zukunft keinen geben.“ Das Publikum applaudierte dem Partei-Mitbegründer und „Anführer“ Erdogan.

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