„Operation Olivenzweig“ in Syrien : Erdogan fordert Abzug von US-Truppen aus Manbidsch

Auf dem Berg Barsaja in Syrien schwenkt ein Soldat eine türkische Flagge: Die am 20. Januar begonnene türkische Militäroffensive in Syrien richtet sich gegen die kurdische Miliz YPG.
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Auf dem Berg Barsaja in Syrien schwenkt ein Soldat eine türkische Flagge: Die am 20. Januar begonnene türkische Militäroffensive in Syrien richtet sich gegen die kurdische Miliz YPG.

Die Türkei will die Militäroffensive ausweiten, Russland benötigt türkische Hilfe und die UN prüfen einen Giftgasangriff.

shz.de von
06. Februar 2018, 14:44 Uhr

Istanbul | Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Abzug von US-Truppen aus der von der Kurdenmiliz YPG kontrollierten syrischen Stadt Manbidsch gefordert. Die USA habe der Türkei zugesichert, die Stadt zu verlassen, sagte Erdogan am Dienstag vor seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Ankara. „Sie haben gesagt, sie werden nicht in Manbidsch bleiben. Also, warum bleibt ihr? Los, zieht ab“, sagte er.

 

Der seit sieben Jahren dauernde Krieg hat bereit mehr als 400.000 Menschen das Leben gekostet. Da viele Parteien in den Krieg involviert sind, scheint eine friedliche Lösung hoffnungslos.

Die USA ist mit der kurdischen Miliz YPG im Kampf gegen die Terrormiliz IS verbündet und hat unter anderem Ausbilder in Manbidsch stationiert. Erdogan hatte bereits mehrmals angekündigt, die türkische Militäroffensive gegen die YPG in der Region Afrin auf die weiter östlich gelegene Stadt Manbidsch auszuweiten.

Die Türkei sieht die YPG als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Die türkische Armee hatte die Offensive in der Region Afrin am 20. Januar begonnen. Sie wird dabei von pro-türkischen Rebellen unterstützt. Es gibt massive Proteste gegen die Intervention der Türkei.

Russland bittet um türkische Hilfe bei Bergung von abgeschossenem Jet

Das russische Militär hat die Türkei derweil um Hilfe bei der Bergung des über Syrien abgeschossenen Kampfjets Suchoi Su-25 gebeten. Von besonderem Interesse seien die Triebwerke der Maschine, teilte das russische Verteidigungsministerium am Dienstag in Moskau mit. Aus den Spuren des Treffers ließen sich Rückschlüsse auf Art und Herkunft der eingesetzten tragbaren Flugabwehrwaffe ziehen.

Der tieffliegende Bomber war am Samstag im Nordwesten Syriens über der von islamistischen Milizen beherrschten Provinz Idlib abgeschossen worden. Der Pilot hatte sich nach russischen Angaben zunächst mit dem Fallschirm gerettet, am Boden sprengte er sich aber vor einer Gefangennahme in die Luft. Der Leichnam des Majors wurde am Dienstag zurück nach Russland gebracht.

Tragbare Flugabwehrwaffen, sogenannte MANPADs, sind eine große Gefahr für tieffliegende Flugzeuge. Sie sind in Syrien bislang kaum eingesetzt worden. Nach russischen Angaben könnte es sich um die Flugabwehrrakete Strela sowjetischer Konstruktion oder das US-Modell Stinger gehandelt haben.

UN untersuchen Berichte über neuen Giftgas-Einsatz in Syrien

Die Vereinten Nationen haben nach den jüngsten Berichten über einen neuen Giftgaseinsatz eine Untersuchung eingeleitet. Das teilte der Vorsitzende der unabhängigen UN-Untersuchungskommission zu Syrien, Paulo Pinheiro, am Dienstag in einer in Genf verbreiteten Erklärung mit. Die Berichte seien alarmierend. Danach seien über der von Rebellen kontrollierten Stadt Sarakib im Nordwesten des Landes und über Ost-Ghuta nahe Damaskus Bomben mit Chlorgas abgeworfen worden.

Die Rettungsorganisation Weißhelme hatte darüber am Montag berichtet. Nach ihren Angaben wurden mindestens zwölf Menschen verletzt, als sie Chlorgas eingeatmeten. Pinheiro verurteilte die Eskalation der Kämpfe in den vergangenen Tagen. Bei Luftschlägen seien nach Berichten mindestens drei Krankenhäuser getroffen worden. „Die Konfliktparteien erfüllen ihre Verpflichtungen nach den internationalen Völkerrecht nicht“, sagte er.

Syrien war nach einem Giftgasangriff 2013 unter starkem internationalem Druck der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) beigetreten und hatte der Vernichtung seiner Chemiewaffen zugestimmt. Bis jetzt ist aber unklar, ob Syrien tatsächlich alle Bestände zerstören ließ. Chlorgas fällt nicht unter das Verbot, da es auch für zivile Zwecke eingesetzt werden kann.

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