Eskalierender Türkei-Streit : Erdogan droht Europäern: Wenn ihr Euch weiter so benehmt, seid ihr nicht mehr sicher

Bevor der Strum losbrach: Angela Merkel und der türkische Staatspräsident Erdogan in Istanbul im Mai 2016.
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Bevor der Strum losbrach: Angela Merkel und der türkische Staatspräsident Erdogan in Istanbul im Mai 2016.

Erdogan rief die europäischen Länder dazu auf, „Demokratie, Menschenrechte und Freiheiten zu respektieren“.

shz.de von
22. März 2017, 14:08 Uhr

Ankara | Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Europäer vor einer weiteren Eskalation des Streits mit seinem Land gewarnt. „Wenn ihr Euch weiterhin so benehmt, wird morgen kein einziger Europäer, kein einziger Westler auch nur irgendwo auf der Welt sicher und beruhigt einen Schritt auf die Straße setzen können“, sagte er am Mittwoch in Ankara. „Wenn Ihr diesen gefährlichen Weg beschreitet, werdet Ihr selbst den größten Schaden davon nehmen.“ Erdogan rief die europäischen Länder dazu auf, „Demokratie, Menschenrechte und Freiheiten zu respektieren“.

Auf die Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker reagiert die türkische Regierung seit Wochen mit immer schärferen Ausfällen. Bislang bezogen sie sich auf Organisationen - nun richtete sie Erdogan erneut an Angela Merkel persönlich und drohte allen Europäern.

Erdogan übte erneut Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel, sparte sich diesmal aber Nazi-Vergleiche. Er warf Merkel ein weiteres Mal vor, sich im Streit um Auftrittsverbote türkischer Minister in Rotterdam an die Seite der Niederlande gestellt zu haben. „Du bist also auf der Seite Hollands? Gut. Und ich bin auf der Seite meines Volkes und des Rechts. So werden wir auch weitermachen.“

Mit Blick auf den inhaftierten „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel sagte er: „Niemals werden wir Zugeständnisse vor jenen machen, die sich Medienvertreter nennen, aber Aktivismus für Terrororganisationen betreiben oder für ausländische Dienste spionieren.“ Erdogan wies bei seiner Ansprache vor Verlegern Kritik aus dem Westen an Inhaftierungen von Journalisten in seinem Land zurück. Auf einer Liste „vom Ausland“ seien in diesem Zusammenhang 149 Inhaftierte genannt worden. Die meisten davon säßen aber wegen Terrorismusvorwürfen im Gefängnis, andere würden krimineller Taten beschuldigt. „Das einzige, was nicht auf der Liste steht, sind Journalisten“, sagte Erdogan. „Unter ihnen ist alles vertreten, vom Mörder bis zum Räuber, vom Kinderschänder bis zum Betrüger.“

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