Kommentar : Entscheidung pro Turnhalle: Nicht gepokert, sondern gehandelt

Seit Jahren nimmt die Zahl der Asylbewerber in Schleswig-Holstein wieder zu.
Die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Neumünster ist seit langem völlig überfüllt. Seit Jahren nimmt die Zahl der Asylbewerber in Schleswig-Holstein wieder zu.

Das Flüchtlinge in eine Sporthalle ziehen müssen, ist ein Armutszeugnis. Doch auf Neumünster kann ganz SH stolz sein, findet der Redaktionsleiter des Holsteinischen Couriers.

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10. Juli 2015, 05:00 Uhr

Nun passiert es also doch: Unser reiches Land muss Flüchtlinge in einer Turnhalle unterbringen. Das ist einerseits ein Armutszeugnis, zeigt aber andererseits, dass wir auch mit dem immer stärker schwellenden Strom der Flüchtlinge fertig werden – irgendwie geht es halt immer.

Ganz Schleswig-Holstein darf ein bisschen stolz auf die Neumünsteraner sein – und ja, vielleicht auch ein bisschen dankbar. Denn gerade das so oft belächelte und gering geschätzte Neumünster trägt seit Jahren die Hauptlast der Flüchtlingsbetreuung. Es ist etwas anderes, ob eine Gemeinde eine Handvoll Syrer und

Afghanen zu integrieren hat, oder ob hunderte von Menschen aus anderen Kulturen langsam, aber sicher das Stadtbild einfärben. Als dann Mittwochmittag ein verzweifelter Innenminister im Rathaus von Neumünster sein Problem schilderte, wurde dort nicht gezögert oder gepokert, sondern gehandelt. Am selben Abend tagte Neumünsters Krisenstab, fällte eine Entscheidung und sagte zu. Auch die Leiterin der größten Schule stimmte sofort zu, ihre Turnhalle freizugeben, und das eine Woche vor den Sommerferien. Das ist humanitäre Hilfe, die Respekt verdient.

Man darf aber auch einen anderen Aspekt nicht aus den Augen verlieren: Irgendwann wird die Lastenverteilung einseitig, irgendwann könnte die Stimmung kippen. Die weiteren Aufnahmeeinrichtungen in Kiel und Flensburg sind zumindest im Aufbau, aber Lübeck tut sich immer noch schwer damit, ein Grundstück zu finden. Die Landesregierung sollte hier endlich für Klarheit sorgen. Und viel Druck könnte sie aus dem Kessel nehmen, wenn sie abgelehnte Asylbewerber konsequent abschieben ließe. Ja, auch im Winter. Dann wäre bei uns nämlich mehr Platz für die Menschen, die wirklich verfolgt werden.

Und noch eines muss der Landesregierung klar sein: Spätestens nach den Sommerferien muss die Turnhalle in Neumünsters größter Schule wieder frei sein.

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