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Donald Trump : Entlassungen und Russland-Affäre: Chaos-Tage im Weißen Haus

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Eine Enthüllungs-Geschichte der Washington Post stellt den neuen Stabschef, John Kelly, gleich am ersten Tag auf die Probe.

Washington | Mit der Ankunft des Vier-Sterne-Generals im Weißen Haus sollte alles besser werden. „Ich sage voraus, General Kelly wird in seiner Rolle als Stabschef einer der Großartigsten überhaupt werden“, begrüßte Donald Trump den Marine nach seiner Vereidigung mit einer Medien-Staffage, die sonst für Staatsgäste aus fernen Ländern aufgebaut wird. 

Ganz verkehrt war die Ikonographie zur Begrüssung Kellys nicht. Gemessen an dem Chaos im Weißen Haus kommt der bisherige Heimatschutzminister von einem anderen Stern. In Kellys Welt herrschen Ordnung, Disziplin und Loyalität. Also ziemlich das Gegenteil dessen, was Trumps Weißes Haus auszeichnet.

Wohlmeinende Stimmen, wie die des ehemaligen Stabschefs John Podesta, hatten den tapferen General dringend abgeraten, die „Mission Impossible“ anzutreten. Das Problem seien nicht bloß der selbstgefällige Kommunikationsdirektor Scaramucci oder die konkurrierenden Machtzirkel im Weißen Haus, sondern vor allem der Präsident selbst. 

Es vergingen keine 24 Stunden im neuen Job, da erhielt Kelly einen Vorgeschmack der gewaltigen Aufgabe, die nun auf ihn wartet. Die „Washington Post“ enthüllte unter Berufung auf mehrere Quellen im Weißen Haus, wie sich der Präsident persönlich über den Rat seiner Anwälte, Berater und Mitarbeiter hinwegsetzte, und die amerikanische Öffentlichkeit in der Russland-Affäre mit einem falschen Statement hinters Licht führte.

Es geht um das mutmaßliche Verschwörer-Treffen Donald Trump Juniors, Trumps Schwiegersohns Jared Kushner und dem ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort mit einer Kreml-Anwältin, die beste Kontakte zum russischen Geheimdienst hat, und mindestens zwei weiteren Emissären Moskaus vergangenen Juni.      

 Das geheime Meeting im Trump-Tower war unter Vermittlung des halbseidenen Trump-Freundes Rob Goldstone in Moskau zustande gekommen. Nachdem die „New York Times“ ihre Finger an den Email-Verkehr im Vorfeld des Treffens bekommen hatte, und mit der Veröffentlichung drohte, preschte Donald Junior mit der Freigabe der Emails vor.

Aus dem Schriftwechsel geht eindeutig hervor, worauf die Wahlkämpfer von Team Trump hofften: Von den Russen Schmutz gegen Hillary Clinton zu erhalten. „I love it (Das liebe ich, dt) jubilierte der Jung-Trump in freudiger Erwartung der Informationen aus Moskau.

Die Enthüllung der „New York Times“ überschattete den letzten Tag Trumps beim G-20-Treffen in Hamburg. Fieberhaft beriet die Entourage des Präsidenten mit den Anwälten Kushner, Manaforts und Donald Jr., wie sie mit der Geschichte umgehen wollten, die dem Sonderermittler in der Russland-Affäre Robert Mueller eine Steilvorlage lieferte.

In Erwartung, die volle Wahrheit werde ans Tageslicht kommen, plädierten Kushners Anwälte für Transparenz. Das war der Plan als Team Trump in Hamburg in die „Air Force One“ stieg. Laut „Washington Post“ warf der Präsident den Konsens bei Abflug über den Haufen. Persönlich diktierte er seiner langjährigen Assistentin Hope Hicks ein Statement in den Notizblock, das Sohnemann kurz darauf veröffentlichte.

Donald Junior selbst musste die Erklärung drei Tage später korrigieren, nachdem heraus kam, dass sie nicht einmal die halbe Wahrheit enthielt. „Das war völlig überflüssig“, äußerte sich ein hoher Mitarbeiter des Weißen Hauses gegenüber der „Post“ besorgt über die möglichen rechtlichen Konsequenzen für den Präsidenten. „Jetzt könnte jemand sagen, er sei derjenige, der die Irreführung versucht habe.“

Genau hier liegt das Problem, mit dem es der neue Stabschef Kelly nun zu tun hat: Ein Präsident, der selber sein schlimmster Feind ist, und laut Personen in seinem Umfeld fest davon überzeugt ist, sein eigener bester Anwalt, Stratege und Sprecher zu sein. „Er kann nicht zuhören“, beklagt ein Betroffener die Attitüde Trumps gegenüber seinen Ratgebern. 

Das andere Problem besteht darin, dass er sich nicht unter Kontrolle hat. Das stellen seine morgendlichen Twitter-Ergüsse immer wieder unter Beweis. Sonst hätte er den denkwürdigen Tag gewiss nicht mit dem Tweet „Kein WH Chaos“ begonnen und der Feststellung „Ein toller Tag im Weißen Haus!“ beendet.

 

Selbst wohlmeinende Vertraute wie der Chef der Trump-freundlichen Webseite „Newsmax“, Christopher Ruddy, zweifeln arg, das Stabschef Kelly „die volle Autorität“ hilft, die ihm für der Präsident für die Re-Organisation der Abläufe im Weißen Haus versprochen hat.

„Dieser Präsident liebt Feedback und Informationen, die er nicht durch die Befehlskette erhält“, meint Ruddy. „Das wird sich nicht ändern.“ In diesem Kontext war die Entlassung des erst vor zehn Tagen angeheuerten Kommunikationsdirektors Scaramucci die einfachste Aufgabe Kellys. "The Mooch" musste gehen, weil er darauf bestand, direkten Zugang zu Trump zu haben.

 

Der General machte die Demission des Selbstdarstellers, der in einem vulgären Interview mit dem New Yorker Kellys Vorgänger als „paranoiden Schizophrenen“ und Chefberater Stephen Bannon als „Schanzlutscher“ verunglimpft hatte, zur Vorbedingung für die Annahme des Jobs. 

Nicht so einfach dürfte das mit Schwiegersohn Kushner und Trumps Lieblingstochter Ivanka werden. Die versprachen zwar, die neue Kleiderordnung zu achten und ihre Anliegen durch Kelly zu kommunizieren. Dank der Familienbande halten Beobachter dies allerdings für wenig realistisch. 

Das andere Problem bleibt der Kreis der National-Chauvinisten um den intriganten Chefberater Stephen Bannon, die aus der Säuberung des Weißen Hauses vom Einfluss des republikanischen Establishments gestärkt hervorgingen. Nach den Abgängen Sean Spicers und Reince Priebus gibt es kein Gegengewicht der traditionellen Republikaner mehr zu den ultrarechten Ideologen, denen sich Trump instinktiv nahe fühlt.   

Dies sei „die letzte Chance“, warnen Insider. Wenn es Kelly nicht schaffe, das Chaos unter Kontrolle bekommen, werde dies auch keinem anderen gelingen. Dafür müsse sich Trump der Disziplin seines Generals unterordnen, aufhören Lügen zu verbreiten, und sein Twitter-Konto ruhen lassen. 

„Er trägt besser ein Rücktrittsschreiben bei sich“, rät Chris Whipple, der das Standwerk über die Rolle der Stabschefs im Weißen Haus („The Gatekeeper“) geschrieben hat, dem General. „Er sollte Trump sagen: Das ist die rote Linie. Wenn Du die überschreitest, werde ich zurücktreten.“

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erstellt am 02.Aug.2017 | 06:38 Uhr

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