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Eröffnung des Nato-Hauptquartiers : Enthüllt: Trump düpierte Berater bei Nato-Rede

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Trumps Rede enthielt kein Bekenntnis zur Beistandspflicht. Das war kein Versehen, sondern Absicht.

Washington | Der nationale Sicherheitsberater H. R. McMaster traute seinen Ohren nicht, als Trump bei der Eröffnung des Nato-Hauptquartiers mit seinen Ausführungen begann. Das war nicht die Rede, die über seinen Schreibtisch gegangen war. Die von dem Drei-Sterne-General abgesegnete Version hatte ein klares Bekenntnis zu Artikel 5 des Nato-Vertrags enthalten.

Die Beistandspflicht ist das Herz der kollektiven Sicherheit im transatlantischen Bündnis. Es ist das uneingeschränkte Versprechen aller, jedem Nato-Partner zur Seite springen, der angegriffen wird.

Statt bei seiner Jungfern-Rede vor der Nato - wie alle Präsidenten vor ihm - diesen Beistand zu bekräftigen, schulmeisterte Trump die irritierten Europäer ab. Und führte ganz nebenbei sein sicherheitspolitisches Team vor. Denn nicht nur McMaster hatte auf ein klares Bekenntnis zur Nato hingearbeitet. Dafür setzten sich über Wochen auch Verteidigungsminister Jim Mattis und Außenminister Rex Tillerson ein.

Die Politik-Website Politico berichtet unter Berufung auf fünf Quellen innerhalb der Regierung, dass Trump aus eigenen Stücken eine andere Rede hielt. Darin fehlte nicht nur wichtige Bekenntnis. Trump verzichtete auch auf einen angemessenen Ton bei der Feierstunde.

Unklar blieb, ob Trump auf eigene Faust oder auf Anraten seines nationalistischen Chefstrategen Stephen Bannon handelte. „Bis zum späten Morgen (des 25.5) hatten sie noch die richtige von McMaster freigegebene Rede“, zitiert Politico einen Mitarbeiter des Weißen Hauses. 

Da Trump seinen Nationalen Sicherheitsberater genauso wenig informierte wie Mattis und Tillerson, erwischte die Rede alle drei auf dem falschen Fuß. Das rückt die etwas unbeholfenen Erklärungsversuche McMasters nach dem Auftritt in ein anderes Licht.   

Ein Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats im Weißen Haus sagt, Trumps „impulsive Instinkte in der Außenpolitik“ ließen sich von den erfahrenen Experten nicht eindämmen. McMaster, Mattis und Tillerson mögen zwar „die Erwachsenen im Raum“ sein, „aber Trump ist nicht bei ihnen“.

Strobe Talbott, der das 70 Jahre alte Bündnis nach dem Zerfall der Sowjetunion modernisierte, nennt Trumps Verhalten in Brüssel „sehr gefährlich und zerstörerisch“ für die Nato. Nachdem sein Team über Monate daran gearbeitet hätte, die Sorge zu zerstreuen, Trump hielte das Bündnis für „obsolet“, habe er genau diesen Eindruck bekräftigt.  

Die bewusste Auslassung des Bekenntnisses zur Beistandspflicht haben den Westen, so Talbott, „weniger sicher und weniger einig“ gemacht.

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erstellt am 06.Jun.2017 | 10:10 Uhr

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