zur Navigation springen

Endet jetzt die Ära Trittin?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2013 | 00:33 Uhr

Die schlimmsten Befürchtungen sind für die Grünen wahrgeworden. Statt gestärkt Rot-Grün zu machen, brachen sie völlig ein. Entsprechend viel reden die Spitzen auf der Wahlparty in der Berliner Columbiahalle davon, dass jetzt alle zusammen schonungslos Fehler analysieren müssten. Aber es ist auch möglich, dass ab heute intern die Köpfe der Spitzenleute gefordert werden.

Jürgen Trittin (Foto) will trotz des Debakels der Grünen wohl um seine Führungsrolle kämpfen. Als er um 18.43 Uhr auf die Bühne kommt, räumt er zwar die Niederlage ein und redet über die mangelnde grüne Überzeugungskraft beim Thema Energiewende: „Man kann mal ein Spiel verlieren, dann steht man auf und dann kämpft man weiter.“ Es ist unschwer zu erkennen, dass er die Grünen als Ganzes meint – und wohl auch sich selbst.

Die Schuld an dem desaströsen Ergebnis von nur wenig über 8 Prozent sieht er eher bei den widrigen Umständen. „In diesem Wahlkampf waren wir Grünen nicht nur von Seiten der politischen Konkurrenz, sondern auch und gerade von mächtigen Interessengruppen in diesem Lande einem kräftigen Gegenwind ausgesetzt.“ Auch Co-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt betont, man müsse gemeinsam weitermachen. „So wie wir gemeinsam gekämpft haben, schaffen wir es auch wieder heraus aus diesem Loch.“

Schwarz-Grün? Selbst wenn es rechnerisch überhaupt möglich wäre – für viele Grüne ist das nahezu undenkbar, wie schon Buhrufe auf der Wahlparty deutlich machen, als TV-Moderatoren auf die Option hinweisen.

Was war schuld? Die Steuerforderungen, der Veggie Day, die Pädophilen-Debatte – die Grünen zeigten sich in den Wochen vor der Wahl völlig überfahren von Negativschlagzeilen und Angriffen der Gegner. Fast vier Jahre lang waren sie verwöhnt von Umfragewerten von 13 Prozent und deutlich darüber – als die Zahlen ab August fielen, wusste niemand Rat. Und die verspielten Gute-Laune-Plakate passten auch nicht mehr recht.

Schon vor 18 Uhr begann bei den Grünen der Kampf um Deutung und Personal. Endet nun die Ära Trittins als Grünen-Leitfigur? An der Fraktionsspitze könnte laut interner Spekulationen der Verkehrspolitiker Anton Hofreiter folgen. Wenn Göring-Eckardt nicht von einer Welle des Unmuts mit weggespült wird, könnte sie die Realofrau an der Fraktionsspitze werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen