Empörungs-Epidemie

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12. Januar 2015, 14:23 Uhr

Die Welt ist aus den Fugen, lässt Shakespeare den Prinzen Hamlet sagen. Diese Klage ist über 400 Jahre alt und gilt noch heute. Was Risse zeigt, kann dennoch lange halten. Soweit die gute Botschaft. Nicht zu übersehen ist dagegen das Anwachsen von Zorn und Empörung. Wohin man blickt herrscht Protest. Berechtigter und unberechtigter. In normalen Zeiten beschränkte sich Unzufriedenheit auf den privaten Bereich. Auf die Familie, den Arbeitsplatz, die Behandlung durch den Staat. Hin und wieder vereinigen sich hunderte oder gar tausende Empörte im Protest. Einmal, zweimal, dann tritt Erschöpfung ein und wieder Normalität. Doch plötzlich breitet sich die Empörung wie eine Epidemie aus. Demonstranten für und gegen den Islam, für und gegen Flüchtlinge. Schon fühlen sich Stadtoberhäupter verpflichtet, unter eigenem Logo zur Empörung aufzurufen, um sich einen Platz in den Nachrichten zu sichern. Neben äußeren Ereignissen hat zweifellos das Wetter Einfluss auf das Verhalten der Menschen. Vielleicht wäre mancher, der sich jetzt einem Protestmarsch anschließt, bei Sonnenschein zum Strand oder zum Waldspaziergang aufgebrochen.

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