zur Navigation springen

Eltern fürchten Kita-Streiks

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gestern waren es die Schulen, demnächst sind die Kitas dran. Im ersten Halbjahr 2015 stehen rund fünf Millionen Beschäftigte bundesweit in Tarifauseinandersetzungen. Bei den Eltern noch nicht schulpflichtiger Kinder in Schleswig-Holstein geht jetzt die Angst um, dass die Streikwelle im Tarifkonflikt zwischen Gewerkschaften und kommunalen Arbeitgeberverbänden noch Ende dieses Monats auch die Kitas im Norden erreicht und sie mit ihren Kids vor verschlossenen Türen stehen. „Die Erzieher haben uns schon gewarnt. Wir sollen Omas und Opas aktivieren und Notfallpläne in der Nachbarschaft und mit andern betroffenen Eltern vorbereiten“, berichtet eine Mutter von kleinen Kindern aus Kiel.

Gerade wenn beide Elternteile berufstätig sind, ist ein Streik eine Herausforderung. „Das setzt Mütter und Väter enorm unter Druck“, berichtet Judith Wiederhold, Landesvorsitzende der Kita-Eltern aus Großhansdorf (Kreis Stormarn). Besonders in Städten werde das zum Problem, weil dort die Quote der Berufstätigen sehr hoch ist.

Die Gewerkschaften wollen für die Erzieher eine völlig neue Tarifstruktur durchsetzen, was im Prinzip auf eine Gehaltserhöhung von fast zehn Prozent hinauslaufen würde. Selbst wenn dieses ambitionierte Plus letztlich nicht ganz durchgesetzt wird: Den Eltern stehen dann höhere Kita-Gebühren ins Haus, weil die klammen Kommunen die Tarifsteigerungen nicht einfach wegstecken können.

„Wir verlangen eine angemessene Bezahlung und Aufwertung für soziale Berufe“, forderte gestern ein Verdi-Sprecher in Kiel. Ihm sei klar, dass es ohne Streiks kaum Ergebnisse geben wird. „Deshalb wird es auch in Schleswig-Holstein zu Streiks kommen.“ Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) zeigt Verständnis für die harte Gangart: Die Zeit sei reif „für eine gute und angemessene Bezahlung“. Sie sei überzeugt, dass nur so der Fachkräftebedarf für die Kitas zu decken sei. Die kommunalen Arbeitgeberverbände halten dagegen: „Das Entgelt in der am häufigsten besetzten Entgeltgruppe ist seit 2009 um 33 Prozent auf ein Monatsgehalt von 3289 Euro ab März 2015 gestiegen“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Erzieherinnen erhielten im öffentlichen Dienst bereits jetzt höhere Gehälter als andere Berufsgruppen mit ähnlicher Ausbildung. Elternvertreterin Judith Wiederhold will sich zu den Gewerkschaftsforderungen nicht äußern. Unbestritten sei aber, „dass gute Rahmenbedingungen Voraussetzung für gute Arbeit in den Kitas sind. Dazu gehört auch eine angemessene Fachkraftentlohnung“.

Mit Sorge verfolgt die Vertreterin der Eltern von fast 94  500 Kita-Kindern, dass in den 1629 Einrichtungen im Norden „immer häufiger gering qualifiziertes Personal eingesetzt wird und die Vorgaben für den Fachkräfteschlüssel so aufgeweicht sind, dass die Mindeststandards locker unterlaufen werden können“.  

zur Startseite

von
erstellt am 04.Mär.2015 | 08:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen