zur Navigation springen

Bodyguard für Rapper Kay One : Elite-Polizist auf Abwegen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Vorwurf: Der SEK-Beamte ließ sich krankschreiben, um bewaffnet als Promi-Personenschützer zu arbeiten.

Kiel | Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen ein ehemaliges Mitglied des Spezialeinsatzkommandos. Gestern stürmten SEK-Beamte die Wohnung ihres Ex-Kollegen. Ihm wurde ein Durchsuchungsbeschluss vorgelegt.

Der Fall ist in der Geschichte der schleswig-holsteinischen Polizei bislang einmalig. Oberstaatsanwältin Birgit Heß: „Es geht um Betrug. Außerdem besteht der Verdacht des Verstoßes gegen das Waffengesetz.“

Danny C. (41) soll sich nach Informationen unserer Zeitung während seiner Dienstzeit beim SEK krankgemeldet haben, um privat als Personenschützer zu arbeiten. Über einen längeren Zeitraum soll er doppelt kassiert haben. Außerdem besteht der Verdacht, dass er während des Zweitjobs eine geladene Pistole mitführte, obwohl er die erforderliche Erlaubnis dafür nicht besaß.

Aufgeflogen ist alles, weil der Elite-Polizist Prominente beschützte und plötzlich selbst im Rampenlicht stand. Als Bodyguard des Rappers Kay One war Danny C. in zahlreichen Zeitungs- und Fernsehberichten zu sehen.

Zur Durchsuchung gestern hatten die Kieler Ermittler das SEK bestellt, weil sie davon ausgingen, dass ihre Zielperson bewaffnet ist – und nach 15 Jahren bei den Spezialkräften natürlich über Insiderkenntnisse verfügt. „Er weiß, wie wir vorgehen. Das ist in so einer Situation nicht ganz ungefährlich“, sagte ein Polizist. Die Ermittler beschlagnahmten Unterlagen, eine Waffe wurde nicht gefunden.

Rückblende: Im September 2013 heuerte der SEK-Beamte bei der Berliner Sicherheitsfirma Kuhr Security an. „Herr C. hatte mir erklärt, er habe sich freistellen lassen, um sich beruflich neu zu orientieren“, sagt Geschäftsführer Michael Kuhr, der vom Lebenslauf des Polizisten aus Eutin (Kreis Ostholstein) beeindruckt war. So will Danny C. nicht nur für das SEK, sondern auch für das Bundeskriminalamt tätig gewesen sein – als Personenschützer für Spitzenpolitiker. Auslandseinsätze sollen ihn unter anderem in den Jemen und nach Saudi Arabien geführt haben. In Gesprächen soll er mehrfach erklärt haben, sogar Mitglied der Antiterroreinheit GSG  9 gewesen zu sein. „Heute ist mir klar, dass der Lebenslauf so wohl nicht stimmt“, sagt Kuhr. „Und wenn ich gewusst hätte, dass er krankgeschrieben ist, hätte ich ihn niemals eingestellt.“

So aber setzte die Sicherheitsfirma den Elite-Polizisten unter anderem als Bodyguard von Rapper Kay One ein, der in Berlin vom palästinensisch-libanesischen Abou-Chaker-Clan bedroht wird. Kuhr: „Kay One wollte einen bewaffneten Personenschützer. Und Herr C. hat immer eine Schusswaffe getragen.“ Rund 70 000 Euro zahlte Kuhr dem SEK-Beamten nach eigenen Angaben allein zwischen September 2013 und März 2014 für den Schutz des Rappers. „Hinzu kamen weitere Jobs, sein gesamtes Honorar belief sich auf 92  000 Euro“, so Kuhr.

Im vergangenen März soll Danny C. den Polizeidienst auf eigenen Wunsch quittiert haben. Die Geschäftsbeziehung mit „Kuhr Security“ endete im Oktober ebenfalls abrupt. „Herr C. teilte mir mit, Kay One künftig alleine zu übernehmen“, berichtet Kuhr. Mit anderen Worten: Der Ex-Beamte hat dem Sicherheitsexperten den lukrativen Kunden ausgespannt.

 

zur Startseite

von
erstellt am 21.Mär.2015 | 15:04 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen