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18. Juni 2014, 12:21 Uhr

Berichte über Reinhold Würth, König der Schrauben, gehören natürlich auf die Wirtschaftsseite. Mit seinen 64 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von fast zehn Milliarden Euro regiert der 79-Jährige ein mächtiges Imperium. Zuweilen wird über ihn auch im Feuilleton berichtet, denn wie viele reiche Menschen legt er seinen Gewinn in Kunst an. Auf die Sportseiten hatte es der berüchtigte Patriarch noch nicht geschafft. Das hat sich geändert. Doch während der alte Herr bisher vorwiegend Gutes über sich lesen konnte, ist er nun in Ungnade gefallen. Jedenfalls bei den Fußballfans, und das sind derzeit so viele, dass es sich eigentlich kein Geschäftsmann leisten kann, dieses Kundenpotenzial zu verärgern. Reinhold Würth allerdings weiß: Schrauben brauchen die Menschen immer. Und deshalb hat er laut gesagt, was viele Kollegen nur denken: Die Fußball-Hysterie ist schädlich für die Wirtschaft. Statt zu produzieren, wird während der Arbeitszeit ständig über die Spiele geredet, und morgens kommen die Leute müde zum Dienst, weil sie bis in die Nacht vor dem Fernseher gesessen haben. Über Schrauben sollen die Menschen reden, nicht über Tore.

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