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US-Vorwahlen : Einer von diesen fünf Politikern wird wohl der nächste US-Präsident

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Trump, Cruz und Rubio - oder Clinton und Sanders: Drei Republikaner und zwei Demokraten haben große Chancen auf die Nachfolge von Obama.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 12:22 Uhr

Des Moines | Nach den Vorwahlen in Iowa kristallisieren sich die erfolgreichsten Bewerber heraus -  und es wird deutlich: Das erwartete Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump wird wohl eher ein Fünfkampf. Denn die bislang weniger beachteten Außenseiter konnten im ersten Stimmungstest große Überraschungserfolge erzielen. Den sogenannten „Caucus“ als Instrument für die Bestimmung von Parteikandidaten gibt es in den USA seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es handelt sich um kleine Parteiversammlungen. Sie finden in Versammlungshallen, Feuerwehrhäusern oder – in besonders ländlichen Gegenden – durchaus auch in der Küche eines Bauernhofes statt. Am Ende der Versammlung müssen die Teilnehmer darüber abstimmen, welchen Bewerber sie für am überzeugendsten halten.

In den USA herrscht ein Zwei-Parteien-System. Unabhängige Bewerber oder dritte Parteien gelten als chancenlos. Seit mehr als 100 Jahren wechseln sich die Demokraten und die Republikaner im Weißen Haus ab.

Die Ergebnisse werden gesammelt und später auf Parteitagen unterschiedlicher Ebenen diskutiert und in der Regel bestätigt. Das Verfahren ist aufwendig und durch seinen sublokalen Charakter für Meinungsforscher schwer vorhersagbar. Es wird in unterschiedlichen Spielarten in ungefähr einem Viertel der 50 US-Bundesstaaten und in einigen Überseegebieten angewendet. In den meisten Staaten stimmen die Parteimitglieder und Sympathisanten dagegen per landesweiter Vorwahl (Primary) ab.

Die Erstplatzierten nach den Iowa-Vorwahlen sind der Republikaner Ted Cruz und die Demokratin Hillary Clinton.

Der religiöse, rechte „Wacko Bird“: Ted Cruz

Der texanische Senator Ted Cruz ist ein knallharter Erzkonservativer. Von seinen Parteikollegen wird er schon mal als „wacko bird“ bezeichnet, als „durchgeknallter Vogel“. In normalen Zeiten hätte er damit keine Aussicht, US-Präsident zu werden. Aber bei Ted Cruz ist nichts normal.

Cruz ist der Sohn eines Kubaners und einer US-Amerikanerin. Er hat die Republikanische Partei aufgewirbelt wie kaum ein Zweiter. In kürzester Zeit erkämpfte sich der brillante Redner den Ruf des radikalen Unruhestifters. Als Präsidentschaftskandidat will er auch das politische Establishment in Washington aufmischen. Beim rechten Tea-Party-Flügel seiner Partei ist Cruz eine Art Star.

Abtreibung lehnt er genauso ab wie strengere Waffengesetze. „Obamacare“, der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama, hat er den offenen Kampf angesagt. Die Bundessteuerbehörde würde er am liebsten ganz abschaffen und die südliche US-Grenze mit Mexiko in eine Festung verwandeln.

Viele seiner Positionen treffen den Nerv der religiösen Rechten in den USA - ob er damit auch eine breite Masse der Wähler hinter sich versammeln kann, gilt allerdings als fraglich. Der Jurist zeigt sich gern mit Westernstiefeln aus Straußenleder. Mit seiner Frau Heidi und seinen zwei Töchtern lebt er in seiner Heimatstadt Houston.

Die alte Bekannte: Hillary Clinton

Eiserner Ehrgeiz, bisweilen verbissener Arbeitseifer und ein wenig Arroganz: Hillary Clinton gilt als eine der härtesten Frauen in der amerikanischen Spitzenpolitik. Die resolute 68-Jährige lässt sich - wie Ehemann und Ex-Präsident Bill - auch von hartem Gegenwind nicht so schnell aus der Bahn werfen.

Durch ihre acht Jahre als First Lady (1993-2001) kennt Clinton das Weiße Haus aus nächster Nähe. Die in Chicago geborene Karriere-Anwältin und Mutter von Tochter Chelsea beeindruckte in ihrem selbstbewussten Stil, der politisch aber nicht immer geschickt daherkam. Sie entwickelte eine eigene Stimme und setzte etwa das Thema Gesundheit auf die Agenda.

Verlieren gehört nicht zu den Stärken Clintons. Dennoch zeigt sich Clintons Kampfgeist auch darin, dass sie nach dem Auszug aus dem Weißen Haus und der bitteren Niederlage im demokratischen Vorwahlkampf 2008 gegen den späteren Präsidenten Barack Obama nicht aufgab. Als Obamas Außenministerin (2009-2013) bereiste sie 112 Länder und soll über eine Million Kilometer zurückgelegt haben.

Die Sicherheitsmängel beim Konsulat im libyschen Bengasi, wo vier US-Diplomaten bei einer Terrorattacke getötet wurden, werfen einen langen Schatten auf ihre Amtszeit. Das gleiche gilt für die E-Mail-Affäre, Clinton benutzte einen privaten Server für ihre dienstlichen Mails.

Die zweiten Plätze im Rennen machten Donald Trump (Republikaner) und Bernie Sanders (Demokraten).

Der Polemiker: Donald Trump

Donald Trump
Donald Trump
 

Trump bedient diese Wut der kleinen Leute mit seinen gezielten Tabubrüchen, Beleidigungen und Ungehörigkeiten. Je unverschämter, desto besser. Er ist der personifizierte „Stinkefinger“, mit dem die Unzufriedenen „denen da oben“ ihren Unmut zeigen. Wenn etablierte Kandidaten oder Kommentatoren versuchen, Trump als Idioten und Politclown darzustellen, stärkt das bloß die Identifikation mit ihm. Es schweißt die Koalition der Verlierer nur mehr in dem Glauben zusammen, die Eliten schauten auf ihren Kandidaten so von oben herab, wie auf sie selber. Auch zwei religiöse Patzer, die im stark christlich geprägten Amerika sauer aufstoßen, kosteten Trump Respekt: So hat er Berichten zufolge beim Gottesdienst Geld auf einen Hostienteller gelegt, da er ihn für eine Spendensammlung hielt und er sprach von den zwei Korinthern - wo er eigentlich aus dem zweiten Korintherbrief zitieren wollte.

Trumps große Klappe hat ihm auch auf der anderen Seite des Atlantiks Ärger eingebracht. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich sogar das britische Parlament mit der Frage, ob man dem Business-Magnaten die Einreise verweigern sollte. Trump hatte mit Blick auf Muslime behauptet, dass es in London Gegenden gebe, die für die Polizei unzugänglich seien. „Ich denke, wir stimmen alle zu, dass die Kommentare von Mr. Trump spaltend, nutzlos und falsch waren“, sagte Innenministerin Theresa May.

Wie andere Rechtspopulisten rund um die Welt lässt Trump seine Anhänger sich überlegen fühlen, indem er gegen Minderheiten hetzt. Das düstere Versprechen der Deportation von elf Millionen Latinos und verschlossene Türen für Muslime appelliert an die niedersten Instinkte. Trump ist kein Konservativer, sondern ein Nativist mit einem Weltbild, das mehr ins 19. Jahrhundert passt als ins 21.. Freiem Handel setzt er Protektionismus gegenüber, kollektiven multinationalen Sicherheitssystemen nationalistischen Militarismus.

Er bewundert Diktatoren und Autokraten und lockt seine Anhänger mit einer Attitüde, die wenig Gutes verheißen lässt. In deren Augen demonstriert er Stärke, wenn er das republikanische Establishment und Fox herannimmt. Deshalb punktet Trump jedes Mal mit politischer Nicht-Korrektheit. Seinen Status als Pop-Ikone einer auf Berühmtheiten versessenen Kultur benutzt Trump geschickt, seine Fans zu verführen. Die möchten nur zu gerne glauben, der Milliardär werde für sie irgendwie bewerkstelligen, was er für sich selber geschaffen hat. Dieser magische Glauben manifestiert sich in seinem Slogan, Amerika wieder großartig zu machen.

Der liebenswürdige, grantige Sozialist: Bernie Sanders

Bern, baby, Bern: Die Anhänger des Polit-Opas Bernie Sanders sehen in dem Kandidaten eine echte Hoffnung für mehr soziale Gerechtigkeit. Bernie Sanders präsentiert sich als Gegenentwurf zum Establishment, dabei ist er eigentlich tief in Washington verwurzelt. Er war ganze 16 Jahre lang Mitglied des Repräsentantenhauses, bevor er 2006 in den Senat gewählt wurde. Sanders begeistert viele Menschen mit dem Versprechen auf etwas anderes, so wie Barack Obama 2008 viele Menschen mit dem Versprechen auf Wandel begeisterte, auf „change“.

Vor allem junge Menschen mögen den 74-Jährigen, teilen seine Positionen, sehen sich seiner fundamentalen Systemkritik näher als der Haltung Hillary Clintons. Der Schauspieler Danny DeVito unterstützt ihn, Rapper machen für ihn Wahlkampf. Das Magazin „Rolling Stone“ nannte ihn liebenswürdig gemeint einen „grantigen Sozialisten“.

Sanders stammt aus Brooklyn. Der Vater war ein jüdischer Einwanderer aus Polen, die Verhältnisse der Familie waren bescheiden. Mit seiner Frau Jane hat er vier Kinder und sieben Enkelkinder.

Sanders gilt vielen als ein sehr europäischer Bewerber, der in Deutschland gut in die SPD passen könnte. Sanders selbst wird nicht müde, sich als demokratischen Sozialisten zu bezeichnen. Er verspricht eine politische Revolution. Die sechs größten Banken des Landes will er zerschlagen, eine staatliche Krankenversicherung schaffen, die Studiengebühren an öffentlichen Hochschulen und Universitäten abschaffen. Wie er das alles bezahlen will, lässt er offen.

Der unsichtbare Dritte: Marco Rubio

In Iowa lag er nur knapp hinter dem eigentlichen Favoriten Donald Trump. Für Wahlbeobachter ist das sogar ein Indiz, dass Marco Rubio Chancen hat, der Kandidat der Republikener zu werden. Der Sohn kubanischer Einwanderer buhlt vor allem um die wichtigen Stimmen der Latinos. Rubio studierte Jura und wurde schon mit 28 Jahren in das Parlament von Florida gewählt. Dort arbeitete er unter anderem auch mit dem damaligen Gouverneur Jeb Bush zusammen - seinem jetzigen Rivalen. 2010 wurde Rubio für Florida in den US-Senat gewählt. Er fordert eine umfassende Einwanderungsreform und lehnt die Annäherung zwischen Havanna und Washington vehement ab.

Rubio, der vielen in der republikanischen Partei als Kompromisskandidat gilt, war von den Meinungsforschern ein schlechtes Ergebnis in Iowa vorausgesagt worden. „New Hampshire, wir sehen uns morgen“, sagte Rubio mit Blick auf die nächste Vorwahl in dem nordöstlichen Bundesstaat, die am 9. Februar bevorsteht.  

Die fünf aussichtsreichsten Kandidaten haben weitere Männer weit hinter sich gelassen. Zwei gaben ihren Wahlkampf nach der Schlappe von Iowa gänzlich auf. Zwei Republikaner sind noch im Rennen, müssten aber kräftig aufholen, um sich noch gegen die drei Favoriten durchsetzen zu können.

Die Unterlegenen:  Ben Carson, Rand Paul, Jon Kasich, Jeb Bush und co

Die Republikaner haben eine lange Liste von Interessenten. Doch nicht einmal der Viertplatzierte Ben Carson erlangte in Iowa zehn Prozent. Der Vierte, Rand Paul, konnte lediglich 4,5 Prozent überzeugen. Jon Kasich, Gouverneur Ohios und als Geheimtipp gehandelt, erlangte nicht einmal zwei Prozent. Jeb Bush galt anfangs als klarer Favorit bei den Republikanern, wirkte aber in den TV-Debatten mit seinen Konkurrenten leidenschaftslos. Er bräuchte dringend messbaren Erfolg, um noch zu punkten. Als Sohn von US-Präsident George Bush und Bruder des Präsidenten George W. Bush wäre er im Falle einer Wahl der dritte Bush im Oval Office.

Die Aussteiger: Martin O'Malley und Mike Huckabee

Bei den Demokraten stieg Ex-Gouverneur Martin O'Malley aus dem Rennen um das Weiße Haus aus. Er landete nach stabilen Trends bei den Vorwahlen in Iowa bei nicht einmal einem Prozent der abgegeben Stimmen. O'Malley war von Beginn an ohne Chance. Der republikanische Bewerber Mike Huckabee beendete das Rennen ebenfalls.

(mit dpa)

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