zur Navigation springen

Eine Million syrische Flüchtlinge im Libanon

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2014 | 14:10 Uhr

Die Zahl der im Libanon registrierten syrischen Flüchtlinge hat die Millionengrenze überschritten. Das entspricht rund einem Viertel der Bevölkerung des arabischen Landes, in dem bereits mehr als eine halbe Million palästinensischer Flüchtlinge leben. Jeden Tag würden etwa 2 500 Neuankömmlinge aus Syrien registriert, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) gestern in Beirut mit. Der Libanon könne den Ansturm kaum noch bewältigen. Kein anderes Land habe einen höheren Anteil von Flüchtlingen zu verkraften.

Der Zustrom der Syrer belastet die libanesische Wirtschaft und drängt immer mehr ungelernte Libanesen aus dem Arbeitsmarkt, weil die Flüchtlinge bereit sind, für weniger Geld zu arbeiten. Die meisten Syrer leben im Libanon in bitterer Armut. Nur wenige Flüchtlingskinder besuchen eine Schule.

In den vergangenen Tagen haben spektakuläre Selbstmorde von Flüchtlingen aus Syrien die libanesische Öffentlichkeit aufgerüttelt. Vor dem UNHCR-Gebäude in der Stadt Tripoli hatte sich nach Medienberichten eine Mutter von vier Kindern mit Benzin übergossen und angezündet, nachdem die Familie von der Liste der Hilfsempfänger gestrichen worden war.

In Beirut stürzte sich am Mittwoch ein Syrer vom Dach eines fünfstöckigen Hauses, nachdem er seine Arbeit verloren hatte. In der Stadt Sidon starb eine Palästinenserin, die aus Damaskus in den Libanon geflüchtet war. Sie sprang aus der dritten Etage eines Wohnhauses in den Tod.

Die oppositionelle Nationale Syrische Allianz erklärte, die Regierung in Beirut müsse entschiedener als bisher gegen den „Rassismus“ vorgehen, dem die Flüchtlinge an einigen Orten im Libanon ausgesetzt seien. Insgesamt sind nach UN-Angaben mehr als 2,6 Millionen Syrer auf der Flucht. Da die Chancen für eine politische Lösung des seit mehr als drei Jahren andauernden Konfliktes momentan schlecht stehen, ist nach Einschätzung von Beobachtern mittelfristig nicht mit einem Rückgang der Flüchtlingszahlen zu rechnen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert