Nach Übergriffen auf Frauen in Köln : „Eine Armlänge Abstand“ – Netz verspottet Henriette Reker

Kölns Bürgermeisterin ist mit einem gut gemeinten Rat ins Fettnäpfchen getappt. Für ihren Vorschlag, Frauen könnten zum Selbstschutz einfach eine Armlänge Abstand halten, erntet sie Kritik. Reker verteidigt sich.

shz.de von
06. Januar 2016, 13:22 Uhr

Köln | Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen nach den Übergriffen in der Silvesternacht für Aufregung im Internet gesorgt. Sie antwortete bei einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag auf die Frage, wie man sich als Frau besser schützen könne, unter anderem mit den Worten: „Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft“. Dennoch sagte Reker mehr:

<center><blockquote class="twitter-tweet" data-conversation="none" lang="de"><p lang="de" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/danielmack">@danielmack</a> Hier gibts die ganze Antwort: <a href="https://t.co/K1C11zPKjH">https://t.co/K1C11zPKjH</a>. Mein Ausschnitt ist Kern der Aussage. <a href="https://twitter.com/hashtag/einearmlaenge?src=hash">#einearmlaenge</a></p>&mdash; Konrad Weber (@konradweber) <a href="https://twitter.com/konradweber/status/684492615862095873">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

Vor dem Kölner Hauptbahnhof hatte es in der Silvesternacht massive Übergriffe auf Frauen gegeben. Nach Angaben der Polizei waren sie von Männergruppen umzingelt, bedrängt und ausgeraubt worden. In einem Fall ermittelt die Polizei auch wegen des Verdachts der Vergewaltigung.

Die Reaktionen - vor allem bei Twitter unter dem Kennzeichen #einearmlaenge - pendelten zwischen Spott und scharfer Kritik. Ein Nutzer des Kurznachrichtendienstes schrieb etwa: „Ich könnte platzen! Bekommen Frauen jetzt eine Mitschuld, wenn sie sich nicht an die Verhaltensregeln halten?“

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ich könnte platzen! Bekommen Frauen jetzt eine Mitschuld, wenn sie sich nicht an die Verhaltensregeln halten? <a href="https://twitter.com/hashtag/einearmlaenge?src=hash">#einearmlaenge</a></p>&mdash; JAK (@jean_k1977) <a href="https://twitter.com/jean_k1977/status/684467986942574592">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

Auch andere Twitternutzer kritisieren Reker für ihre Aussage. Regeln für Frauen aufzustellen, damit diese nicht Opfer werden, sei der falsche Ansatz.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Regeln für Frauen* aufstellen damit sie nicht Opfer werden. Man nennt das übrigens <a href="https://twitter.com/hashtag/Victimblaming?src=hash">#Victimblaming</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/eineArml%C3%A4nge?src=hash">#eineArmlänge</a></p>&mdash; Amina You (@amina_you) <a href="https://twitter.com/amina_you/status/684425090172338176">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Bluse zu. Flüchtlinge müssen unsere Toleranzvorstellungen respektieren. Frauen müssen ihr Verhalten ändern. Ich blicks nicht. <a href="https://twitter.com/hashtag/eineArml%C3%A4nge?src=hash">#eineArmlänge</a></p>&mdash; onyx (@onyx0815) <a href="https://twitter.com/onyx0815/status/684420720953307136">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Am besten bleiben alle Frauen einfach immer zuhause. Dann passiert nix. Ach nee. <a href="https://twitter.com/hashtag/rapeculture?src=hash">#rapeculture</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/EineArml%C3%A4nge?src=hash">#EineArmlänge</a></p>&mdash; Ninia LaGrande (@NiniaLaGrande) <a href="https://twitter.com/NiniaLaGrande/status/684419775720718336">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr"><a href="https://twitter.com/hashtag/eineArml%C3%A4nge?src=hash">#eineArmlänge</a> Empörung ist nicht übertrieben.Wenn man noch so viel aus Zusammenhang reißt -Verhaltensregeln f Frauen = IMMER Victim Blaming</p>&mdash; Svenja Gräfen (@gehraven) <a href="https://twitter.com/gehraven/status/684636090913943552">6. Januar 2016</a></blockquote></center>

Ein anderer kommentierte ironisch: „Banken sollten vielleicht besser #einearmlaenge Abstand von Bankräubern halten.“

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Banken sollten vielleicht besser <a href="https://twitter.com/hashtag/einearmlaenge?src=hash">#einearmlaenge</a> Abstand von Bankräubern halten.</p>&mdash; Daniel Schwerd (@netnrd) <a href="https://twitter.com/netnrd/status/684462399475298304">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Ich finde es übrigens gut, wenn Frauen <a href="https://twitter.com/hashtag/eineArml%C3%A4nge?src=hash">#eineArmlänge</a> Abstand zu Sexisten halten. Und zu Rassisten. Und zwar so: <a href="https://t.co/0OApcigKl3">pic.twitter.com/0OApcigKl3</a></p>&mdash; Danijel Majic (@DanijelMajic) <a href="https://twitter.com/DanijelMajic/status/684427735486316546">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Mann so: &quot;Eigentlich wollte ich diese Frau ausrauben und belästigen, aber Mist! Sie ist <a href="https://twitter.com/hashtag/eineArml%C3%A4nge?src=hash">#eineArmlänge</a> entfernt!&quot;</p>&mdash; Christopher Lauer (@Schmidtlepp) <a href="https://twitter.com/Schmidtlepp/status/684442252622610432">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Oh Geschäftsidee, der <a href="https://twitter.com/hashtag/eineArml%C3%A4nge?src=hash">#eineArmlänge</a>-Stick für Leute, die es ganz genau nehmen.</p>&mdash; Christopher Lauer (@Schmidtlepp) <a href="https://twitter.com/Schmidtlepp/status/684438746897453056">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

Fest steht aber bei der massiven Kritik auch, dass das Zitat von Reker aus dem Zusammenhang gerissen ist. Das sehen auch einige Twitter-Nutzer so:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Klar ist <a href="https://twitter.com/hashtag/einearmlaenge?src=hash">#einearmlaenge</a> aus dem Zusammenhang gerissen. Der Hinweis hätte aber gar nicht fallen dürfen. Die Reaktionen sind vorhersehbar.</p>&mdash; Timoschka (@timoschca) <a href="https://twitter.com/timoschca/status/684636440823754752">6. Januar 2016</a></blockquote></center>

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Wie bescheuert muss man sein, um sich an einem aus dem Zusammenhang gerissenen Halbsatz von Frau Reker abzuarbeiten? <a href="https://twitter.com/hashtag/einearmlaenge?src=hash">#einearmlaenge</a></p>&mdash; Joerg Lengenfelder (@JLengenfelder) <a href="https://twitter.com/JLengenfelder/status/684496079728046080">5. Januar 2016</a></blockquote></center>

Ein Twitterer fasst den absurden Tipp in einem Tweet zusammen:

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Chuck Norris belästigt dich auch mit <a href="https://twitter.com/hashtag/einearmlaenge?src=hash">#einearmlaenge</a> Abstand.</p>&mdash; Herdelhein (@herdelhein) <a href="https://twitter.com/herdelhein/status/684636413049069568">6. Januar 2016</a></blockquote></center>

Reker hat sich unterdessen verteidigt. „Durch die verkürzte Darstellung in einzelnen Medien ist teilweise der Eindruck entstanden, meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken“, erklärte sie am Mittwoch. Davon könne gar keine Rede sein. Vielmehr habe sie auf eine gezielte Nachfrage hin versucht, auf bereits vorhandene Präventions- und Beratungsangebote in Köln hinzuweisen. „Nur ein Beispiel ist das Aktionsprogramm ,Partysicherheit für junge Frauen‘“, teilte Reker mit. Vorrang habe natürlich, die Sicherheit auf Kölns Straßen und Plätzen herzustellen.

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