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Ein Signal für eine bessere Welt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Friedensnobelpreis lenkt Blick auf Giftgas-Bekämpfer in Syrien / Merkel: „Ihr Einsatz verdient unser aller Respekt“

Vielleicht haben die Chemiewaffenkontrolleure, die zurzeit in Syrien unter Lebensgefahr Giftgaslager aufsuchen, den aufziehenden internationalen Rückenwind gespürt. Gerade haben sie angekündigt, zusätzliche Experten loszuschicken, um den Einsatz zu verstärken. Da tritt in Oslo der Chef der Nobeljury vor die Presse und verkündet: Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) erhält den Friedensnobelpreis – „für ihren umfassenden Einsatz für die Vernichtung von Chemiewaffen“. Es ist ein großes politisches Signal, das von Norwegen aus in die Welt geht. Und dieses soll vor allem den Staaten Druck machen, die noch nicht Teil der 189 Mitglieder starken Organisation sind, deren Aufgabe es ist, die Chemiewaffenkonvention von 1997 umzusetzen und das weltweite Arsenal zu zerstören.

Doch der Nobelpreis ist nicht nur Mahnung. Er schraubt auch die Erwartungen an die OPCW in die Höhe. Von der Auszeichnung erhoffen sich internationale Akteure einen Impuls für die Aufgabe der Organisation. „Wir sind uns des riesigen Vertrauens bewusst, das die internationale Gemeinschaft in uns gesetzt hat“, sagte der OPCW-Generaldirektor Ahmet Üzümcü nach der Zuerkennung des Preises mit zittrig-aufgeregter Stimme. Hinter dem Preis stehen Lebensretter der syrischen Zivilbevölkerung, die selbst ihr Leben in dem umkämpften Land riskieren – und das bis jetzt „fernab vom Licht der internationalen Öffentlichkeit“, wie Üzümcü weiter sagt.


Organisation statt Einzelperson: Malala ging leer aus


Auch wenn sich viele einen Nobelpreis für die 16 Jahre alte Malala gewünscht hätten, die in ihrer Heimat Pakistan für das Recht von Frauen und Mädchen auf Bildung kämpft – die Auszeichnung für die Chemiewaffenkontrolleure ist kaum umstritten. Das war in der jüngsten Nobelvergangenheit nicht immer der Fall.

In Russland stößt die Wahl allerdings bitter auf. Der Preis sei „zu einem Vorschuss verkommen“, schreibt der einflussreiche Außenpolitiker Alexej Puschkow bei Twitter – mit einem deutlichen Seitenhieb auf einen anderen Nobelpreisträger, den US-Präsidenten Barack Obama. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso betonte dagegen, die internationale Gemeinschaft trage die Verantwortung dafür, dass der Einsatz der Waffen für immer ein Ende finde. Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßten die Auszeichnung der OPCW. Die Organisation leiste weltweit einen wichtigen Beitrag für die Kontrolle und Beseitigung unmenschlicher Waffen, erklärte die Bundeskanzlerin. „Ihr Einsatz verdient unser aller Respekt.“

Auch die „Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs“ begrüßten die Vergabe und mahnten zugleich ein Verbot von Atomwaffen an. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nannte die OPCW einen „würdigen Preisträger“. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lobte den Einsatz der OPCW als unverzichtbaren Beitrag zum Frieden.

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erstellt am 12.Okt.2013 | 00:31 Uhr

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