Kommentar zur Wahl : Ein Robert Habeck, der fliegen kann?

Unverbrauchte Politiker braucht das Land. Und die Grünen haben dies erkannt, kommentiert Stefan Hans Kläsener.

shz.de von
28. Januar 2018, 10:47 Uhr

Das politische Jahr 2018 beginnt so turbulent, wie 2017 endete. Die Parteitage von SPD und Grünen binnen einer Woche zeigen das Röntgenbild: Knochenbrüche bei den Sozialdemokraten, erstaunliche Selbstheilung bei den Grünen. Wie kann das sein?

It‘s the leadership, stupid! Es geht um die Führungspersönlichkeit! Das erleben wir derzeit in angrenzenden europäischen Ländern und eben auch bei uns. Das Spitzenpersonal der Wahlverlierer von Union und SPD wirkt immer grauer. Daraufhin brechen die Grünen, die erstaunlich erfolgreich abschnitten, mal eben mit ihren quälenden Flügel- und Mandatsverbotsregeln, suchen sich zwei frische Gesichter und wählen diese mit fröhlichen Mehrheiten an die Spitze.

Das ist natürlich noch lange keine Politik, aber es ist ein Stil- und Kulturwechsel. Der freche, jungenhafte, ungestüme und rauflustige Robert Habeck stellt das grüne Pendant zu FDP-Chef Christian Lindner dar. Beide sind kein Bürgerschreck. Im Gegenteil: Es tritt am politischen Familientisch ja eher Erleichterung ein, wenn die Jüngeren endlich mal ansprechen, was längst hätte gesagt werden sollen. Und dass die Jungspunde nicht fliegen können, wissen sie selbst. Das macht ja gerade ihre Qualität aus.

Für die SPD ist es bitter: Eine Rot-Rot-Grüne Mehrheit ist seit Sonnabend noch viel unwahrscheinlicher. Für die CDU wird es nun langsam Zeit, die Erneuerung anzugehen, bevor sie von der rasanten Entwicklung überholt wird. Und das gilt zweifelsfrei auch personell.

Die Groko-Verhandlungen schmecken wie altes Kaugummi. Das wird auch nichts Gedeihliches, eher Gekrampfe. Aber ein schwarz-gelb-grünes Jamaika könnte mit neuem Personal in Berlin klappen. Die Favoriten Annegret Kramp-Karrenbauer und Daniel Günther haben zufälligerweise Erfahrung damit.

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