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Ein Mann, der die Welt veränderte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nelson Mandela ist im Alter von 95 Jahren gestorben – dank ihm wurde das System der Rassentrennung in Südafrika friedlich beendet

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Gigant der Gerechtigkeit, Held der Menschlichkeit, Jahrhundertgestalt – das sind nur einige der Bezeichnungen, mit denen Staats- und Regierungschefs auf der ganzen Welt gestern den verstorbenen ehemaligen südafrikanischen Präsidenten und Freiheitskämpfer Nelson Mandela würdigten. Mandela war in der Nacht zu gestern im Alter von 95 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Selbst die kürzeste Zusammenfassung seines Lebens erklärt die einmütige Ehrerbietung der Staatsoberhäupter: Als Anwalt und Mitglied der Partei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) wurde der 46-jährige Mandela im Kampf gegen das Apartheid-Regime Südafrikas in den 1950er und 1960er Jahren mehrfach verhaftet und schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt. 27 Jahre verbrachte er auf der Gefängnisinsel Robben Island, war in den ersten Jahren zu harter körperlicher Arbeit im Steinbruch verpflichtet. Doch anstatt sich dem Wut und Hass gegen die Unterdrücker hinzugeben, begann Mandela, seinen Willen zur Versöhnung zu kultivieren. Er wurde moralischer Anführer seiner Mitgefangenen und gewann sogar den Respekt der weißen Wärter, lud später gar einige von ihnen zu seiner Vereidigungsfeier als Präsident ein.

Als die Südafrikanische Regierung erkannte, wie viel Einfluss und Achtung der charismatische Freiheitskämpfer erhielt, erleichterten sie seine Haftbedingungen und boten ihm mehrmals (unter Auflagen) die Freilassung an. Mandela lehnte ab, solange nicht auch die anderen politischen Gefangenen der ANC frei kämen und wurde so erst am 11. Februar 1990 aus der Haft entlassen. Als stellvertretender Präsident der ANC gelang es Mandela in den kommenden vier Jahren zusammen mit dem amtierenden südafrikanischen Präsidenten F.W. de Klerk, seine Anhänger von einer Regierung der nationalen Einheit zu überzeugen; die ersten freien Wahlen für schwarze und weiße Südafrikaner fanden im April 1994 statt. Nelson Mandela wird mit 75 Jahren zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas vereidigt. Bereits 1993 hatten er und de Klerk den Friedensnobelpreis erhalten.

Mandela schaffte damit vor und während seiner Präsidentschaft das nahezu Unmögliche: Der Mehrheit der schwarzen Südafrikaner, denen während der Apartheid schreckliches Unrecht widerfahren war, gab er endlich Rechte und Freiheit und gleichzeitig gab er der weißen Bevölkerung das Gefühl, dass sie trotz der großen Umwälzungen ein willkommener Teil des neuen Südafrikas sein würden.

Nelson Mandela wurde dank seiner Botschaft der Versöhnung vom „schwarzen Terroristen“ – als den ihn lange nicht nur das Apartheid-Regime, sondern auch prominente Politiker wie Ronald Reagan, Margaret Thatcher oder Franz Josef Strauß sahen – zur allseits verehrten und in Südafrika geliebten Jahrhundertgestalt. Diesen verdienten Respekt können und sollten auch seine Affären, gescheiterte Ehen und Fehleinschätzungen zur Aidsproblematik im Land und den Vorgängen im Nachbarland Simbabwe nicht schmälern. Und auch nicht die Tatsache, dass heute in Südafrika bei Weitem noch keine ausschließlich gerechte und friedliche Gesellschaft entstanden ist. Oder wie sein Freund, der ehemalige Erzbischof Desmond Tuto, sagt: „Er ist kein Heiliger, aber er ist ein wirklich großartiger Mann“.

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