Kommentar : Durchbruch bei Sondierungen: Hurra, sie leben noch

Der CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer (l), der SPD-Parteivorsitzende Martin Schulz (r) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellen sich am 12.01.2018 im Willy-Brandt-Haus in Berlin nach einer Pressekonferenz zu einem Foto auf. Die Spitzen von CDU, CSU und SPD streben eine Neuauflage der großen Koalition an.
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Der CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer (l.), der SPD-Parteivorsitzende Martin Schulz (r.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Willy-Brandt-Haus. Die Parteispitzen streben eine Neuauflage der großen Koalition an.

Es muss – und kann – ein Aufbruch werden. Mehltau über dem Land kann sich keiner leisten, meint Beate Tenfelde.

shz.de von
12. Januar 2018, 12:09 Uhr

Was für eine Nacht! Ja, es war eine der härtesten im politischem Leben von Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz. Aber, hurra, sie leben noch! Die Große Koalition kommt – damit hat nicht nur die Langzeit-Kanzlerin unter Aufbietung aller Energie eine Überlebensfrage zu ihren Gunsten entschieden. Auch die Chefs von CSU und SPD, deren Autorität ebenfalls zerschlissen ist, konnten sich noch einmal retten. Wie lange? Alle drei sind angezählt.

Jene, die schon in Post-Merkel-Szenarien einen Abgesang intonieren, werden nun einpacken. Vorerst jedenfalls. Denn noch steht niemand bereit für die Nachfolge der 63-Jährigen. Doch mit ihrem äußerst knappen Groko-Erfolg stellt die CDU-Chefin ihre Kritiker auf Dauer nicht ruhig. Sie muss teilen. Die jungen Machthungrigen drängen nach vorn. Finanz-Staatssekretär Jens Spahn zum Beispiel kann fest mit einem Aufstieg rechnen. Und vor allem kommt es jetzt darauf an, dieser Koalition den Charakter eines Notbündnisses zu nehmen. Es muss – und kann – ein Aufbruch werden. Mehltau über dem Land kann sich keiner leisten.

Eifrig stricken Merkels Gefolgsleute nun an der Legende, dass der in langen Brüsseler Nächten oder in Krisensitzungen im Kanzleramt erfolgreich erprobte Verhandlungsstil der CDU-Chefin wieder einmal funktioniert habe. Doch stimmt es wirklich, dass Deutschlands geschäftsführende Regierungschefin der Groko-Erfolg zuzuschreiben ist? Nein, es stimmt nicht. Tatsächlich haben Seehofer, Schulz und andere kräftig mitgewirkt – auch um sich selbst an der Macht zu halten.

Klar ist: Die Wegbereiter einer Großen Koalition haben nur eine erste Klippe geschafft. Die Delegierten eines SPD-Sonderparteitags heben oder senken den Daumen. Sieg der Hasenfüße oder der Machtbewussten? So etwas nennt man Demokratie.

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