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Bürgerdialog : Duisburg-Marxloh: Angela Merkel besucht Brennpunktviertel

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Arm, jung, multikulturell: Das ist das Duisburger Problemviertel Marxloh. Zuletzt geriet es wegen Ausschreitungen in die Schlagzeilen.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2015 | 13:59 Uhr

Duisburg | Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat erneut an die EU-Mitgliedsstaaten appelliert, Flüchtlinge fair auf die Länder zu verteilen. „Drei oder vier von 28 können nicht die ganze Last tragen“, sagte sie am Dienstag bei einer Diskussion mit Bürgern in Duisburg-Marxloh. Außerdem dürfe Menschen nicht vorgemacht werden, sie könnten in Deutschland bleiben, obwohl sie nicht verfolgt würden: „Dann können wir nicht mehr denen helfen, die Hilfe brauchen.“

Merkel hatte sich bereits am Montag gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande dafür ausgesprochen, dass die EU-Mitglieder sich auf eine einheitliche Liste „sicherer Herkunftsstaaten“ verständigen. Die Einstufung dient dazu, Asylbewerber aus diesen Ländern schneller zurück in die Heimat zu schicken, weil sie nicht als politisch verfolgt angesehen werden.

Bei ihrem Besuch im Duisburger Problemviertel Marxloh hatte Merkel (CDU) mit mehreren Dutzend Menschen im Rahmen ihres Bürgerdialogs unter dem Titel „Gut leben in Deutschland“ diskutiert

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) wehrt sich gegen ein Abstempeln des Problemviertels als sogenannte „No-Go-Area“. Unmittelbar vor dem Besuch von Merkel sagte er der Zeitung „Bild“, der Stadtteil sei von Zuständen, wie man sie in solchen Gegenden vermutet, „meilenweit entfernt“. Zwar gebe es in Marxloh Arbeitslosigkeit, bildungsferne Schichten und Schwierigkeiten im Zusammenleben. Dennoch sei Marxloh aber „ein pulsierender, bunt aufgestellter Stadtteil, der für gutes und friedliches Zusammenleben steht“ und in dem es sich sehr gut leben lasse. Er hoffe, dass die Kanzlerin nach ihrem Besuch „das Gehörte erinnert, wenn in Berlin Entscheidungen anstehen - zum Beispiel, die Asylverfahren zu beschleunigen“.

Duisburg-Marxloh geriet zuletzt wegen Straßenkriminalität und gewalttätigen Ausschreitungen gegen die Polizei in die Schlagzeilen. Die Polizeigewerkschaft befürchtet das Entstehen eines rechtsfreien Raums.

Die Stadt Duisburg hatte im Juli die vierthöchste Arbeitslosenquote in Westdeutschland: 13,2 Prozent - der Stadtteil Marxloh im Norden lag mit 16,2 Prozent noch deutlich darüber. Marxloh hat 19.000 Einwohner. Das Durchschnittsalter beträgt 37,2 Jahre, jeder vierte Marxloher ist unter 18 Jahren. Der Ausländeranteil liegt bei 45 Prozent. Angehörige von 92 Nationalitäten leben dort. Viele Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien kommen nach Marxloh. Seit Ende 2012 hat sich ihr Anteil in der Bevölkerung fast verdreifacht (Stand 31.12.2014: 3000). Knapp die Hälfte der im vergangenen Jahr nach Marxloh gezogenen Bulgaren und Rumänen waren Kinder und Jugendliche (46 Prozent). 43,5 Prozent der Bevölkerung sind auf staatliche Hilfe angewiesen. Ob Feinstaub-Belastung, Verkehr oder Straßenlärm: Duisburg-Marxloh zählt zu den Stadtvierteln mit der höchsten Umweltbelastung. Ein großer Teil der Gebäude ist auch sanierungsbedürftig.
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