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Hetzreden und Hasskommentare : Düstere Stimmung: Pediga statt Sommermärchen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hasskommentare von Pegida und co können zu Brandanschlägen auf Flüchtlingsheime führen. Ein Kommentar von Tobias Fligge.

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 13:56 Uhr

Das Sommermärchen ist längst vergessen. Statt bunt und weltoffen ist Deutschland 2015 kalt und dunkel geworden. Pegida-Demonstranten tragen Galgen reserviert für Merkel und Gabriel vor sich her und deklarieren es als Satire. „Aber die KZ sind ja leider außer Betrieb“, sagt Hetzredner Akif Pirincci und bezeichnet es als Sarkasmus. Der Angriff auf die jetzt gewählte Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker war hingegen keine Ironie, sondern lebensbedrohlich. Das Kieler Innenministerium bezeichnet die Lage hierzulande als „im Vergleich zum Bundesgebiet ruhig“. Aber auch im Norden gab es Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Lübeck, Flensburg, Grabau, Brodersby und Escheburg. Der Plan der rechtsextremen Vordenker geht auf – in Sachsen, aber auch in Schleswig-Holstein. Sie schüren Ängste, pflegen Feindbilder und tragen damit eine ganz klare Mitschuld an den jüngsten Straftaten von Brandanschlägen in Flüchtlingsunterkünften bis hin zu Morddrohungen gegen Kanzlerin Angela Merkel.

Ihr Vehikel ist hier – anders als in Sachsen – nicht die Straße, sondern das Internet. Die Debattenkultur zu Flüchtlingsthemen ist in den sozialen Netzwerken aufgeheizt von der Stimmungsmache einer diffusen Mischung aus AfD, Pegida, rechtsextremen Alternativmedien und Verschwörungstheoretikern. In diesem Klima ist es teilweise nicht einmal mehr möglich, sich sachlich-kritisch mit Fragen wachsender Flüchtlingszahlen auseinanderzusetzen.

Viel ist in den vergangenen Monaten über Hasskommentare geschrieben worden. Geholfen hat es nichts. Sie werden immer lauter. Die Stimmen der „besorgten Bürger“ sind der Begleitchor für die „Einzeltäter“, die die Polizei für rechte Gewalttaten verantwortlich macht. Und jeder „Like“ unter einem Hasskommentar applaudiert auch noch. Auf die Hilfe des Hausherren braucht man nicht zu zählen. Facebook ist auf dem rechten Auge offenbar blind. Der Kölner Attentäter Frank S. hat nach seinem Angriff noch gerufen: „Ich habe es für euch getan!“ Diesem braunen Irrglauben – eine Mehrheit würde hinter den rassistischen Gewalttaten stehen – muss jeder Einzelne vehement entgegentreten.

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