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Rücktritt des Grünen-Politikers : Drogenbesitz: Volker Beck legt politische Ämter nieder

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Bei dem 55-Jährigen wurde bei einer Polizeikontrolle in Berlin eine „betäubungsmittelsuspekte Substanz“ gefunden. Laut „Bild“-Zeitung offenbar Chrystal Meth.

shz.de von
erstellt am 02.Mär.2016 | 19:59 Uhr

Berlin | Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck ist über schwere Drogen-Vorwürfe gestolpert. Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch den Fund eines verdächtigen Stoffs bei dem 55-Jährigen. Beck sei am Dienstag bei einer Polizeikontrolle in Berlin mit 0,6 Gramm „einer betäubungsmittelverdächtigen Substanz“ aufgefallen, sagte der Sprecher der Behörde, Martin Steltner, am Mittwoch. Die „Bild“-Zeitung hatte als erstes über den Vorfall berichtet. Dem Blatt zufolge soll es sich bei dem Fund um die synthetische Droge Crystal Meth handeln. Beck äußerte sich nicht näher zu den Vorwürfen, erklärte aber, dass er seine Ämter in der Fraktion zur Verfügung stelle.

Laut Staatsanwaltschaft wurde Beck am Dienstagabend gegen 23 Uhr am Berliner Nollendorfplatz von Polizisten kontrolliert. Dabei wurde der verdächtige Stoff gefunden. Ob es sich tatsächlich um das gefährliche Rauschgift Crystal Meth handelte, blieb zunächst offen. „Wir können noch nicht klar sagen, was es ist“, sagte Steltner. „Das muss noch untersucht werden.“ Es gebe einen Anfangsverdacht gegen Beck. Derzeit werde aber nicht gegen ihn ermittelt, betonte der Sprecher und verwies auf die Immunität Becks, die ihn als Bundestagsabgeordneter vor Strafverfolgung schützt. Die Staatsanwaltschaft kann die Aufhebung der Immunität beim Bundestag beantragen, in der Regel wird einem solchen Antrag zugestimmt. Die Polizisten hatten am Abend Becks Personalien festgestellt, ihn danach aber wieder gehen lassen. „Er hat sich nicht widersetzt“, sagte Steltner zu Becks Verhalten bei der Polizeikontrolle.

Beck erklärte, er stelle seine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher der Fraktion sowie als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe zur Verfügung. „Ich habe immer eine liberale Drogenpolitik vertreten. Zu den gegen mich erhobenen Vorwürfen wird mein Anwalt zu gegebener Zeit eine Erklärung gegenüber der Staatsanwaltschaft abgeben.“ Öffentlich werde er sich nicht dazu einlassen. Bei Facebook schrieb der Politiker zusätzlich: „Meinen Freunden und Unterstützern danke ich für ihr Verständnis und schon jetzt für ihre Unterstützung.“

Hiermit stelle ich meine Ämter als innen- und religionspolitischer Sprecher meiner Fraktion und  Vorsitzender der...

Posted by Volker Beck on  Mittwoch, 2. März 2016

Die Parlamentarische Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann, äußerte sich nur knapp. „Wir nehmen die persönliche Entscheidung von Volker Beck mit Respekt zur Kenntnis und werden das Gespräch mit ihm suchen“, erklärte sie. „Zum Sachverhalt kann ich nichts sagen. Da gilt es, die Ermittlungen abzuwarten.“

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte der Sender n-tv, Crystal Meth sei sicher „keine ganz einfache Droge“. „Es ist immer bedauerlich, wenn jemand solche Drogen zu sich nimmt.“ Beck werde sich darum bemühen müssen, Unterstützung zu erhalten, „dass er von den Drogen wegkommt“.

Volker Beck sitzt seit 1994 für die Grünen im Bundestag. Bis 2002 war er rechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion, danach - bis 2013 - Parlamentarischer Fraktionsgeschäftsführer. Anschließend hatte er den Posten als innen- und religionspolitischer Sprecher übernommen und 2014 das Amt als Vorsitzender der deutsch-israelischen Parlamentariergruppe. Seit vielen Jahren engagiert er sich für die Rechte Homosexueller.

Hintergrund: Chrystal Meth

Das Rauschgift Crystal Meth macht schnell süchtig. Die synthetische Droge, fachsprachlich Methamphetamin genannt, wirkt stark aufputschend, unterdrückt Durst- und Hungergefühle und betäubt das Schmerzempfinden. Meist wird Crystal Meth geschnupft, es kann aber auch geraucht, geschluckt oder injiziert werden. Der Rausch kann bis zu 16 Stunden, in Einzelfällen sogar bis zu 70 Stunden anhalten.

Crystal greift in den Hirnstoffwechsel ein - mit vielfältigen Folgen. Die Droge macht euphorisch und selbstsicher. Nach dem Rausch hingegen leiden die Konsumenten oft an Depressionen und Angstzuständen. Um sich zu beruhigen, nehmen sie oft andere Drogen.

Der Langzeitkonsum von Crystal kann zu schweren körperlichen Schäden führen und Psychosen auslösen. Wer Crystal konsumiert, gewöhnt sich sehr schnell daran und braucht immer höhere Dosen. Die Zahl der Abhängigen steigt seit Jahren an.

 
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