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Kommentar : Drei Terror-Anschläge an einem Tag: Tödliche Botschaft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dutzende Menschen sind tot. Die drei Ziele der Terroristen haben Symbolcharakter. Ein Kommentar von Eckard Gehm.

shz.de von
erstellt am 26.Jun.2015 | 21:04 Uhr

Frankreich, Tunesien, Kuwait – drei Terroranschläge mit über 60 Toten innerhalb weniger Stunden in verschiedenen Ländern. Es war ein schwarzer Freitag. Der islamistische Hintergrund ist sicher, oder es gibt zumindest Hinweise darauf. Noch ist unklar, ob ein Zusammenhang besteht. Sollte es sich um eine konzertierte Aktion des Islamischen Staats (IS) handeln, dann ist die Botschaft deutlich: Fürchtet euch, unser Arm reicht weit.

Am Dienstag nächster Woche jährt sich der Tag, an dem die Terrormiliz ihr Kalifat ausgerufen hat. Die Gruppe hat ihre Anhänger aufgefordert, während des laufenden Fastenmonats Ramadan Attentate auf „Feinde des Islams“ zu verüben – ganz egal, wo sie sich befinden. Dies in dem Bewusstsein, dass auch kleine Anschläge große Angst und Panik auslösen.

Die Ziele selbst sind ebenfalls Botschaften. Sousse ist neben Djerba das beliebteste Urlaubsziel europäischer Touristen. Während die Terrormiliz in anderen Ländern der Region massiv an Einfluss gewinnt, galt Tunesien als vergleichsweise stabiler Staat. Ihn zu schwächen, wäre ein Symbol für die vermeintliche Allmacht des IS.

In Frankreich war das Ziel eine Gasfabrik, also industrielle Infrastruktur. Die Anlage gehört dem US-Konzern Air Products. Ihr Chef, Seifi Ghasemi, stammt aus dem Iran. Das überwiegend schiitische Land ist ein erklärter Gegner der Extremistenorganisation, die von sunnitischen Strömungen dominiert wird. Die Explosion in einer Moschee in Kuwait galt Menschen der schiitischen Konfession – die Terrormiliz verachtet sie als Ungläubige, immer wieder verübt sie Anschläge auf Schiiten.

Die drei Terrorakte offenbaren die weltweite Verwundbarkeit. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ein entschlossenes Vorgehen gegen den Terrorismus angemahnt. Das ist dringend notwendig, denn weitere Taten werden folgen – gegen Menschen und vielleicht auch gegen die Energieversorgung, die Achillesferse der westlichen Industrieländer. Zu ihr zählen nicht nur Gasfabriken, sondern auch Atomkraftwerke.

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