US-Grenze zu Mexiko : Dramatische Szenen: Kinder werden von ihren Eltern getrennt

Der amerikanische „Border Patrol“ überwacht die Grenze zu Mexiko.

Der amerikanische „Border Patrol“ überwacht die Grenze zu Mexiko.

Kongressmitglieder werfen der US-Regierung die Verletzung von Menschenrechten im Umgang mit Asylbewerbern vor.

shz.de von
14. Juni 2018, 19:23 Uhr

Texas | Miguel A. Nogueras hat Sympathie für die Grenzer, denen die Regierung eine grausame Aufgabe zugewiesen hat. Seit Anfang Mai müssen sie auf Weisung von Justizminister Jeff Sessions Eltern, die ohne Papiere über die Grenze kommen, ihre Kinder wegnehmen. „Sie sagen ihnen bei der Trennung, die Kinder müssten ein Bad nehmen“, berichtet der Pflichtverteidiger unter Berufung auf Gesprächen mit seinen Klienten. „Anschließend sehen sie ihre Kinder nicht wieder“.  

Allein am Grenzübergang in McAllen in Texas trennt die „Border Patrol“ nach inoffiziellen Zählungen von Anwälten täglich im Schnitt zwischen 50 und 60 Minderjährige von ihren Eltern. Die landen, seit Donald Trump seine Null-Toleranz-Politik an der Grenze angeordnet hat, ausnahmslos wegen „unerlaubter Einreise“ vor Gericht.

Gleichzeitig gibt es übereinstimmende Hinweise von Politikern, Menschenrechtlern und Betroffenen entlang der Grenze zu Mexiko, wonach die US-Border Patrol Asylsuchende daran hindert, die offiziellen Grenzübergänge zu erreichen.

Verfolgung durch Gangs kein Grund für Asyl

Wer es schafft, steht vor einer zusätzlichen Hürde, die Sessions Anfang der Woche errichtete. Demnach werden die Verfolgung durch brutale Gangs oder häusliche Gewalt nicht mehr als Asylgrund anerkannt. Zwei wesentliche Gründe, warum Frauen und oft auch unbegleitete Minderjährige aus Guatemala, El Salvador und Honduras aus Zentralamerika fliehen. 

Die neue Praxis an der Südgrenze sorgt dort für eine Überforderung von Grenzern, Gerichten und Übergangslagern gleichermaßen. Die bestehenden Einrichtungen platzen bereits wenige Wochen seit Einführung der Null-Toleranz-Politik aus allen Nähten. Erstmals erhielten am Mittwoch Reporter Zugang zu einem Lager in der Grenzstadt McAllen, das in einem ehemaligen Walmart, einem Gebäude einer amerikanischen Supermarktkette, untergebracht ist. Dort werden etwa 1400 minderjährige Jungen verwahrt. 

„Casa Padre“: Strahlender Patriotismus

Nachdem Mitarbeiter des „Casa Padre“ (dt. Haus des Vaters) genannten Zentrums vergangene Woche den US-Senator Jeff Merkley daran gehindert hatten, das Lager zu besuchen, präsentierten sie den Journalisten mit Video-Konsolen, Pool und Tischfußball ausgestattete Aufenthaltsräume sowie einen Fußball- und Basketballplatz.

Die Flure im „Casa Padre“ sind dekoriert mit patriotischen Zitaten und Murals von US-Präsidenten. Im „Trump-Trakt“ steht neben einem Bildnis des Präsidenten der Satz: „Manchmal hilft der Verlust einer Schlacht, einen neuen Weg zu finden, den Krieg zu gewinnen“. 

Die demokratische Senatorin Kamala Harris aus Kalifornien klagt die Trump-Regierung wegen der Zwangstrennung der Familien an der Südgrenze an. „Lasst uns diese Politik nennen, was sie ist: Eine Menschenrechtsverletzung, die von der Regierung der Vereinigten Staaten verübt wird.“      

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