Doppel-S oder ß ?

shz.de von
31. Juli 2015, 13:45 Uhr

Einige Jubiläen sind derart peinlich, dass man sie besser vergisst. Dazu gehört die Rechtschreibreform, die vor zehn Jahren in Kraft trat. Durchgesetzt haben sie Politiker, und der damalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair ist ehrlich genug, um zu verkünden: Wir haben gesündigt. Die Reform sei überflüssig gewesen, bekennt der Reform-Komplize aus München. Wie meistens bei falschen Entscheidungen, gibt es auf die Frage nach dem Schuldigen keine klare Antwort. Das gilt auch für den reuigen Bayern Zehetmair. Zwar kann er nicht abstreiten, dass (daß) er mit gesündigt hat, doch behauptet er, nur eine Art Mitläufer gewesen zu sein. Ähnliche Ausreden soll es hierzulande ja schon einmal auf ganz anderem Gebiet gegeben haben. Somit bleibt auch zum Jubiläum reichlich unklar, wer als Erster auf die grandiose Idee kam, dass die gute alte Gemse unbedingt zur Gämse mutieren müsse und warum nach kurz ausgesprochenen Vokalen ein Doppel-S und nur noch nach langen Selbstlauten ein ß erlaubt ist. Immerhin wird diese Regel weitgehend beachtet. Ob aus Überzeugung oder nur, um etwas guten Willen zu zeigen, bleibt allerdings unklar.

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