„Jeder macht Spielchen“ : Donald Trumps Korea-Gipfel-Chaos

Eigentlich hatte Donald Trump ein Treffen mit Kim Jong Un erst am Donnerstag abgesagt. Nun hält er ein solches doch wieder für möglich.  /AP
Eigentlich hatte Donald Trump ein Treffen mit Kim Jong Un erst am Donnerstag abgesagt. Nun hält er ein solches doch wieder für möglich.

Erst sagt der US-Präsident den „Friedensgipfel“ mit Nordkorea in Singapur ab – jetzt hält er ihn wieder für möglich.

shz.de von
27. Mai 2018, 18:28 Uhr

Washington | Der Präsident bringt sein erratisches Verhalten auf eine einfache Formel. „Jeder macht Spielchen“, antwortet er einem Reporter auf die Frage, ob die Absage des Gipfels Ernst zu nehmen sei. Kurz darauf versicherte Trump, die Vorbereitungen gingen weiter. Das Treffen mit Kim könnte sogar noch, wie ursprünglich geplant, am 12. Juni stattfinden. Vielleicht brauche man sogar etwas mehr Zeit als den einen Tag. 

Was hinter dem plötzlichen Sinneswandel Trumps innerhalb von nicht einmal 24 Stunden steckt, darüber kann nur spekuliert werden. Die Äußerungen des Präsidenten überraschten sein eigenes Personal im Weißen Haus.

Zum Beispiel den Asien-Experten im Nationalen Sicherheitsrat, der im Briefing-Raum des Weißen Hauses am Freitag erklärte, für einen Gipfel sei es nun zu spät. „Es bleibt wirklich nicht mehr viel Zeit“, erläuterte der „hohe Mitarbeiter des Weißen Hauses“, warum es logistisch kaum mehr möglich sei, das Treffen vorzubereiten. „Der 12. Juni ist in zehn Minuten.“

Kurz nachdem die Medien über die Einschätzung des Experten berichten, dessen Namensnennung das Weiße Haus untersagt hatte, griff Trump die „New York Times“ an. Diese habe ihre „Quelle“ erfunden. „SCHON WIEDR FALSCH“, twitterte er. „Benutzt echte Leute, keine Scheinquellen.“ Eine glatte Falschaussage, wie die 50 Reporter im Briefing-Raum und Runs 200 telefonisch zugeschalteten Kollegen bezeugen können.

 

Spontanes Treffen von Süd- und Nordkorea

Entweder Trump hat gelogen oder er wusste nicht Bescheid über das offizielle Krisenbriefing des Weißen Hauses. Wie der Präsident es auch nicht für nötig hielt, den südkoreanischen Kollegen Moon Jae-In über seinen Brief an Kim Jong-Un zu informieren. Nur zwei Tage nach dem Treffen mit Moon im Oval Office sagte Trump darin den Gipfel aus heiterem Himmel ab.

Der brüskierte Südkoreaner sagte daraufhin spontan einer Begegnung mit Kim auf nordkoreanischem Boden zu. Beide Seiten betonten anschließend die Notwendigkeit, den eingeleiteten Friedensprozess am Leben zu erhalten. „Wir beiden Führer stimmen darin überein, dass der Nordkorea-US-Gipfel am 12. Juni erfolgreich abgehalten werden muss.“  

US-Experten werten das spontane Moon-Kim-Treffen als cleveren Schachzug, der Trump unter Druck setzt, wieder an Bord zu kommen. Allerdings nicht als die treibende Kraft, sondern als einer, der den Entwicklungen nun hinterherläuft. „Selbst wenn er jetzt an den Verhandlungstisch zurückkehrt, leben wir nicht mehr in derselben Welt, in der wir uns am 7. März befanden, dem Tag bevor der nun abgesagte Gipfel verkündet wurde“, schreibt die Sicherheits-Analystin Anne Applebaum in der Washington Post.

Die Glaubwürdigkeit der USA sei beschädigt worden, der Diktator habe seine Reputation aufgemöbelt und die Rückkehr zu maximalem Druck sei nicht mehr möglich. Russland, China und Europa würden das Geschehen genau verfolgen und daraus ihre Schlüsse über Trumps Spielchen ziehen. „Das ist der Mann, der sich leicht austricksen lässt, leicht beeinflussen und leicht verschreckt werden kann, seinen Kurs zu ändern.“  

Am Sonntag vermelden die Agenturen neue Gespräche zwischen amerikanischen Unterhändlern und ihren Gegenübern auf nordkoreanischen Boden. Angeführt wird die Delegation von Sung Kim, der früher als US-Botschafter in Südkorea diente und nun auf den Philippinen tätig ist. 

Schon steht die Befürchtung im Raum, Trump könnte sich zur Gesichtswahrung auf einen substanzarmen Schaufenster-Gipfel einlassen. Das Verhalten des Präsidenten habe es Kim erlaubt, „den Takt bei diesem Tanz vorzugeben“, sagt die Asien-Expertin Laura Rosenstein vom German Marshall Fund. Im Ergebnis „sind es nun die Vereinigten Staaten, nicht Nordkorea, die isoliert scheinen“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen