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US-Präsident : Donald Trumps Auslandreise - eine Halbzeitbilanz

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Der US-Präsident war schon in Saudi-Arabien, Israel und dem Vatikan. Und sendete dabei viele falsche Signale.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2017 | 08:59 Uhr

Schöne Bilder, strikte Regie - die Halbzeitbilanz Donald Trumps erster Auslandsreise fällt besser aus, als zu erwarten war. Dabei sollte eigentlich nicht überraschen, dass der Selbstdarsteller im Weißen Haus verkaufen kann. Das hat er sein ganzes Leben lang geübt.

Trump besucht in acht Tagen fünf Länder. Er reist zu den Heimstätten der drei großen, monotheistischen Weltreligionen: des Judentums, des Islam und des Christentums. Verbunden mit Gipfeltreffen der Nato und der G7 hat die Reise aber einen eher geostrategischen als einen religiösen Charakter.

So gesehen war Trump gut darauf vorbereitet, bei seiner Prämiere auf internationaler Bühne auch die Rolle des US-Präsidenten zu übernehmen. Erst recht in einem Programm, das einem über Monate vorbereiteten Drehbuch folgt. Die Vereinbarungen sind bereits verhandelt, die Reden geschrieben und die Abläufe eng getaktet.

Problematisch wird es immer dann, wenn Trump vom Skript abweicht. Der israelische Botschafter in den USA, Ron Dermer, fasste sich an die Stirn als der Präsident beim Willkommen durch Benjamin Netanyahu in Israel vor laufenden Kameras verkündete, er komme gerade „zurück aus dem Mittleren Osten“.

Nicht minder peinlich das beiläufige Eingeständnis, von Israel überlassene Geheimnisse an Russland weitergegeben zu haben. Oder der Eintrag ins Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte von Yad Vashem. Das Wort „Amazing“ (dt. Unglaublich) dürfte den meisten Besuchern an diesem Ort nicht in den Sinn kommen. Zuvor schon hatte Trump in Saudi-Arabien mit seinem Säbeltanz und der tiefen Verbeugung vor dem absoluten Herrscher für Verwunderung gesorgt.

Jenseits der Stilkritik fällt auf, dass Trump in der Sache vor allem falsche Signale setzte. Der insgesamt auf 350 Milliarden Dollar geschätzte Waffendeal mit den Saudis, die wie kein zweites Land der Welt radikale Prediger und Gedankengut exportiere, zeugt entweder von gnadenlosem Zynismus oder gefährlicher Naivität.

Donald Trump trifft im Vatikan Papst Franziskus.

Donald Trump trifft im Vatikan Papst Franziskus.

Foto: dpa

Seine Appelle an Israelis und Palästinenser, zu einem „Ultimativen Deal“ zu gelangen, sind so rosig wie sie vage bleiben. Genau wie er die Gelegenheit im Vatikan verstreichen ließ, beim Papst das Festhalten an dem Pariser Klimaabkommen und eine Kurskorrektur bei Mauer und Massendeportation vorzunehmen.

Die eigentliche Bewährungsprobe wartet am Ende seiner Reise, wenn Trump beim G-7-Gipfel, der NATO und der EU sich in einer weniger kontrollierbaren Umgebung bewegt. Bisher tat sich Trump mit Alleinherrschern und Autokraten leichter als mit Amerikas Alliierten.

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