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US-Vorwahlen 2016 : Donald Trump vs. Hillary Clinton: Wahlkampf könnte hässlich werden wie nie

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach einer Gallup-Umfrage mögen die Amerikaner beide Spitzenreiter nicht. Das sei beispiellos.

Washington | Am Morgen nach seinen rauschenden Wahlsiegen hält der Spitzenreiter im Rennen um die Nominierung der Republikaner eine Warnung für die Parteiführung parat. „Ich denke, es wird Unruhen geben”, prophezeit Trump in einem Interview mit CNN düster. Die Moderatorin hatte ihn gefragt, ob seine Anhänger es hinnähmen, wenn der Rechtspopulist mit den meisten Delegierten zum Parteitag käme, und dann ein anderer zum Kandidaten gekürt würde. „Ich repräsentiere viele, viele Millionen Menschen.“

Der Ausgang der Wahl im Herbst hat auch für Deutschland Konsequenzen. Ein Beispiel ist der Klimaschutz - ohne die USA geht bei diesem Thema nichts voran.

Ein Sprecher der republikanischen Partei versuchte die offene Drohung mit Gewalt auf den Straßen später als „bildlich” herunterzuspielen. Doch Trump meint, was er sagt. Und seine Fans haben auf den Kundgebungen in den vergangenen Tagen gezeigt, wie sprichwörtlich sie den blondierten Nationalisten verstehen.

Diese Episode vom Tag nach dem „kleinen“ Super-Dienstag mit Vorwahlen in den fünf großen Bundesstaaten Florida, Illinois, Missouri, North Carolina und Ohio illustriert die Wahl vor die der Rechtspopulist die „Grand Old Party“ stellt: Trump oder Chaos.

Weder die Gewalt auf seinen Kundgebungen noch die vulgäre Sprache und schon gar nicht seine radikalen Forderungen schreckten die republikanischen Wähler davor ab, dem Rechtspopulisten am Dienstag zu einem großen Wahlsieg zu verhelfen. Das Gegenteil ist der Fall.

Die Karten zeigen den aktuellen Stand bei den US-Vorwahlen. Bei den Demokraten:

Und bei den Republikanern:

Rund zwei Drittel aller Republikaner sprachen sich in Nachwahl-Umfragen für ein temporäres Einreiseverbot von Muslimen in die USA aus. Vier von zehn unterstützen die Ausweisung von elf Millionen Einwanderern ohne legalen Aufenthaltsstatus. Mit Ausnahme des Bundesstaates Ohio, in dem der beliebte Gouverneur John Kasich einen Pflichtsieg holte, räumte Trump ab.

Er liegt nach dem vorläufigen Stand der Auszählung mit rund 270 Delegierten vor dem nächsten Verfolger Ted Cruz, der gehofft hatte, die Differenz unter 200 zu halten. In jedem Fall hat er schon mehr als die Hälfte der 1237 Delegierten und erfüllt die Voraussetzungen für eine Kandidatur. Nach der „Regel 40” des Parteitags in Cleveland kann sich im Juli dort nur zur Wahl stellen, wer die Mehrheit der Delegierten in acht Bundesstaaten oder Territorien gewonnen hat. Ob es einen Herausforderer geben wird, der diese Bedingung erfüllt, bleibt so fraglich wie die Erfüllung der Hoffnung des Partei-Establishments, Trump daran zu hindern, die Hälfte der Delegierten in den ausstehenden Wahlen zu gewinnen.

Nachdem Trump deren erste Wahl, Jeb Bush, in South Carolina aus dem Rennen drängte, musste am „kleinen” Super-Dienstag der nächste Führer der Anti-Trump-Bewegung innerhalb der Partei, Marco Rubio, nach einer demütigenden Niederlage in seinem Heimatstaat Florida das Handtuch werfen.

„Es war nicht Gottes Plan, dass ich Präsident von Amerika werde”, sagte der 45-jährige Senator, in dem viele die Zukunft der Partei sahen. Rubio forderte die Amerikaner mit Blick auf Trump dazu auf, „nicht der Furcht nachzugeben”.

Rubios bisher gewonnene Delegierten gehen nun ungebunden auf den Wahlparteitag nach Cleveland und könnten dort für einen anderen Kandidaten stimmen. Das beflügelt die Fantasien von einem Parteitag, auf dem Trump die Kür zum Präsidentschaftskandidaten verbaut werden kann.  

Für den moderaten Kasich wäre dies der einzige Weg zur Nominierung. „Es geht darum, Amerika zu vereinen, nicht darum, es auseinander zu reißen”, erklärte der Kandidat in der Wahlnacht. Die Tafel hinter Kasich mit dem Slogan „Wie Ohio wählt, so wählt die Nation” war aber doch nicht viel mehr als frommes Wunschdenken eines enthusiastischen Wahlsiegers.

Angesichts des Wahlkalenders und den mathematischen Realitäten dürfte sich das nach Ansicht von Analysten schon sehr bald als ein aussichtsloses Unterfangen erweisen. Dennoch gibt sich Kasich optimistisch. „Wir werden bis nach Cleveland gehen und die Nominierung gewinnen.”

Das gelobt auch Ted Cruz, der näher an der Realität dran sein dürfte, wenn er vor seinen Anhängern verkündet: „Jeder Republikaner hat am Morgen danach eine klare Wahl: Nur wir oder Trump haben einen Weg zur Nominierung.” Cruz setzt darauf, zur Alternative desselben Establishments in Washington zu werden, das den ultrakonservativen Senator aus Texas bisher mindestens so sehr verachtet hat wie Trump.  

Je mehr das Rennen der Republikaner Gräben aufwirft, desto weiter zieht Hillary Clinton bei den Demokraten davon. Am Super-Dienstag hängte sie ihren Herausforderer auf der Linken, Bernie Sanders, mit fünf Siegen in den fünf Bundesstaaten überraschend deutlich ab. Sie führt das Delegierten-Rennen nun mit rund 300 Stimmen und hat etwa Zweidrittel der notwendigen Stimmen für die Nominierung auf dem Parteitag in Philadelphia im Juli.

In ihrer Siegesrede vor Anhängern in Ohio tat Clinton bereits so, als habe sie das Nominierung-Rennen gewonnen. Sie dankte Sanders für den „lebhaften Wahlkampf” und wandte sich dann Donald Trump zu. „Wir wollen Barrieren wegräumen, nicht Mauern bauen”, geißelte die Demokratin die Hetze des Nationalisten. Ein Kandidat, der Einwanderer deportieren und Folter zurückbringen wolle mache Amerika nicht stark, sondern verkehrt.

Im Herbst zeichnet sich damit ein Wahlkampf ab, der hässlich wie nie zuvor werden könnte. Nach einer jüngsten Gallup-Umfrage mögen die Amerikaner beide Spitzenreiter nicht. Dabei ist Trump mit einem Unbeliebtheitswert von 63 Prozent noch unpopulärer als Clinton mit 53 Prozent. „Es gibt keine vergleichbare Wahl in der modernen Zeit, in der beide führenden Kandidaten für die Nominierung so sehr spalten und so schwach sind”, beobachtet Wahlstratege Steve Schmidt, der George W. Bush 2004 und John McCain 2008 beriet. „Das ist beispiellos.”

Präsident Barack Obamas langjähriger Berater David Axelrod erwartet seinerseits eine Schlammschlacht, wenn es zu einem Aufeinandertreffen der beiden New Yorker kommt. „Es ist sehr ungewöhnlich, dass beide Kandidaten so starke Emotionen auslösen.”  

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erstellt am 16.Mär.2016 | 19:38 Uhr

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