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Explosive Stimmung im Oval Office : Donald Trump unter Beschuss aus den eigenen Reihen

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Der amerikanische Präsident fühlt sich zunehmend isoliert im Weißen Haus. Personen in seinem Umfeld vergleichen den Gemütszustand des Präsidenten mit dem eines „Schnellkochtopfs“.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 17:33 Uhr

Washington | Die morgendlichen Schlagzeilen und Tiraden Trumps in den sozialen Medien illustrieren wie explosiv die Stimmung im Oval Office ist. In einem Tweet tituliert der Präsident den mächtigen Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Senat als „kleinen“ Bob Corker. Dieser habe in dem  Interview mit der „gescheiterten New York Times“ wie ein „Narr“ geklungen.

 

Dann stänkert er gegen die Demokraten, die nicht hinnehmen wollen, dass Trump ein informelles Abkommen mit Nancy Pelosi und Chuck Schumer zur Absicherung der „Dreamer“ de facto gebrochen hat. Der Präsident kündigte an, bei der Gesundheitsreform eigenmächtig zu zu handeln. Und einmal mehr gießt er Öl in den Sportlerstreit mit der Football-Liga NFL.

Parallel dazu macht das Magazin „Forbes“ Schlagzeilen mit einem Trump-Interview, in dem dieser auf die „Volltrottel“-Kritik seines Außenministers Rex Tillerson eingeht. „Wenn er das gesagt hat, sollten wir mal unsere IQ-Tests miteinander vergleichen“, sagte der Präsident. „Und ich kann Ihnen sagen, wer diesen gewinnt.“

Als wäre dies nicht genug, begrüßten die Leser der amerikanischen Zeitungen ausführliche Warnungen vor einem Ausstieg aus dem Iran-Abkommen, der Eskalation des Visa-Streits mit der Türkei, alarmierende Analysen der Weltkriegs-Warnungen Corkers und die Aufkündigung der bestehenden Obergrenzen für Kohle- und Gaskraftwerke durch Trumps Umweltminister Scott Pruitt.

Schließlich berichtet „Vanity Fair“, das Verhältnis zwischen Trump und dessen neuen Stabschef John Kelly sei „irreparabel zerrüttet“. Es gebe eine Menge Streit mit dem Vier-Sterne-General, der Ordnung ins Weiße Haus zu bringen versucht. „Er macht seinen Job nicht mehr gerne, sondern nur noch aus Pflicht für das Land“, schreibt das Magazin.

Wenn nur die Hälfte von all dem stimmte, bestätigte das die Aussagen eines Insiders der Trump-Regierung gegenüber der Washington Post, der von enormen Frustrationen Trumps spricht. Es habe sich so viel Dampf aufgebaut, „das wir uns in Schnellkochtopf-Territorium befinden“.

Vor allem Corkers Warnung vor dem eratischen Verhalten des Präsidenten, der sein Amt mit Reality-TV verwechsele und die USA „auf den Weg in einen Dritten Weltkrieg“ führen könnte, ging Trump unter die Haut.

Unzufriedenheit in den eigenen Reihen

Während die Kollegen Corkers im Senat feige schwiegen, sprangen die konservativen Leitartikler des Wall Street Journal Corker zur Seite. Dieser habe „Ansichten geäußert, die auf dem Kapitolhügel und selbst innerhalb der Trump-Regierung verbreitet sind“.

Der republikanische Stratege Patrick Caddell, ein Verbündeter von Breitbart-Chef Steve Bannon, bestätigt, das Trump dabei ist, nach allen Seiten hin Brücken abzubrechen. „Er positioniert sich als unabhängiger Präsident“, beschreibt Caddell die Konsequenzen der zahlreichen persönlichen Attacken auf Parteifreunde, die er für das Nicht-Vorankommen seiner Agenda verantwortlich macht.

Die Washington Post beruft sich in ihrer Beschreibung der explosiven Gemütslage Trumps auf achtzehn Quellen im Umfeld eines Präsidenten, dessen Drohungen gegen andere Staaten via Twitter nicht nur von Corker als besorgniserregend eingestuft werden. 

„Es wird höchste Zeit, Trumps ständige Hinweise darauf, dass er gegen Nordkorea in den Krieg ziehen will, Ernst zu nehmen“, warnt der demokratische Senator Chris Murphy, der in Corkers Auswärtigem Ausschuss sitzt. Viele Gesetzgeber hörten aus dem Weißen Haus Kriegsgeflüster. Der Kongress sollte Maßnahmen ergreifen, die Trump die Hände für einen „entwaffnenden Erstschlag“ binden.

Besorgt sind auch die Botschafter befreundeter Staaten, die nun endgültig die Idee aufgegeben haben, dieser Präsident lasse sich durch die Erfordernisse des Amtes einhegen. „Die Vorstellung, dass er sich informiert und die Dinge sich dadurch ändern, wird nicht weiter verfolgt“, sagte ein hoher Diplomat der „Washington Post“. 

Rätselraten über Arbeitsweise der Regierung

Andere räumen ein, sich bis heute keinen Reim über die Entscheidungswege in dieser Regierung machen zu können. Viele teilen die Sicht Corkers, der kürzlich sagte, zwischen dem Land und dem Chaos stünden Personen wie Stabschef Kelly, Außenminister Tillerson und Pentagon-Chef James Mattis.  

„Wir möchten uns gerne auf Mattis und die anderen verlassen“, fasst ein Diplomat den Umgang mit dem unberechenbaren Präsidenten zusammen. „Aber wir können uns nicht sicher sein, dass sie zu 100 Prozent unantastbar sind.“  

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