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100 Tage Trump-Tweets : Donald Trump und Twitter: Die Politik der Großbuchstaben

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„MAKE AMERICA GREAT AGAIN!“ und „FAKE NEWS!“ dominieren die Tweets des 45. US-Präsidenten.

Washington | Knapp 35.000 Tweets hat der US-Präsident Donald Trump auf seinem privaten Twitter-Profil seit März 2009 abgesetzt. Bekannt ist er im Wahlkampf und während seiner bisher 100 Tage im Amt vor allem durch Pöbeleien gegen Hillary Clinton und die Demokraten - und seit Amtsantritt auch massiv gegen die Medien - geworden. Dabei lässt er es sich nicht nehmen, „FAKE NEWS“ oder seinen Wahlkampfspruch „MAKE AMERICA GREAT AGAIN!“ in Versalien zu schreiben. Twitter ist Trumps Balkon, von dem aus er an das amerikanische Volk spricht – zumindest zu einem Teil davon. Denn unter seinen 28,3 Millionen Followern tummeln sich offenbar viele Bots. Das fand die Webseite „Bloomberg Businessweek“ im April heraus. Demnach ist von den zehn aktivsten Accounts mindestens die Hälfte keine reale Person, sondern ein Computerprogramm, das automatisch postet.

Dazu zählt auch @Trump2016_Fan. Mehr als 18.000 Tweets hat der Account im vergangenen Jahr abgesetzt. Zur Erinnerung: Trump hat in acht Jahren 35.000 Mal gepostet. Der angebliche Fan verbreitet noch immer in Großbuchstaben politische Forderungen Trumps. Kurios ist allerdings: @Trump2016_Fan fordert immer noch dazu auf, den 70-Jährigen zu wählen oder spricht in Tweets vom „zukünftigen Präsidenten“ (our future president).

28 Prozent der Trump-Follower haben ein Ei-Bild als Account-Foto. Neue Nutzer und Bots laden oft kein eigenes Profilbild hoch. Standardmäßig erscheint dann dieses Platzhalter-Bild. Accounts mit aufgeblasenen Follower-Zahlen zeigen nach der Analyse eine starke Korrelation zur Zahl der Eier-Profilbilder. Es ist daher anzunehmen, dass viele der Follower keine echten Menschen sind.

Doch widmen wir uns Donald Trumps eigenen Tweets. Im August 2016 gab es die Hypothese, dass von Trumps Twitter-Account mindestens zwei Personen schreiben. So sei jeder übertriebene Tweet von Trump selbst verfasst worden, jeder nicht-übertriebene von einem seiner Angestellten. Das untersuchte David Robinson, ein Datenwissenschaftler. Er konnte die These anhand von Auswertungen bestätigen, wonach Trump nicht alle seiner Tweets selbst geschrieben hatte. Wünschte er dem olympischen Team viel Erfolg, wurde der Tweet von einem iPhone aus geschrieben. Griff er einen Rivalen verbal an, kam der Tweet von einer App für Android-Telefone. Zwei Telefone bedeuten zwei verschiedene Verfasser.

Robinson fand ebenfalls heraus, dass die Tweets vom Android-Handy wesentlich aggressiver und negativer waren. Die iPhone-Tweets hingegen zeigen häufiger Ankündigungen oder Bilder. Ebenfalls analysierte der Wissenschaftler, wann welche Tweets abgesetzt wurden. So war das Android-Handy meist morgens aktiv, während das iPhone meistens am Nachmittag genutzt wurde. Auffällig war auch, dass Trump andere Tweets händisch retweetete. Dabei kopierte er den Tweet und setzte ihn in Anführungszeichen. Fast alle diese Tweets wurden aus der Android-App gepostet.

Auch die Sprache analysierte Robinson. Dabei tauchten die folgenden Worte am häufigsten in Trumps Tweets auf (wir befinden uns zur Zeit der Analyse wohlgemerkt im Wahlkampf)

  • hillary, #trump2016, crooked, clinton, #makeamericagreatagain, people, america, cruz, bad, trump, ted, bernie, president, join, tonight, win, jobs, media, vote, totally

Dann schaute Robinson darauf, welche Worte am häufigsten von welchem Telefon gesendet wurden. Hier das Ergebnis:

Android:

  • badly, crazy, weak, spent, talking, strong, mails, joke, senate, dumb, dead, brexit, ago, treated, temperament, guns, funny, divided, correct

iPhone:

  • #trumptrain, #supertuesday, #rncincle #inprimary, video, tomorrow, 7pm, #trumppence16, #crookedhillary, #imwithyou, #votetrump, #americafirst, join, #trump2016, #makeamericagreatagain

Das Ergebnis: Die meisten Hashtags wurden mit dem iPhone gentuzt. Fast keiner der Android-Tweets hatte einen Hashtag. Emotionale Wörter kamen in der Regel vom Android-Telefon. 40 bis 80 Prozent von Trumps Worten hatten mit Ablehnung, Traurigkeit, Angst oder Wut zu tun. Auch auf dem iPhone gibt es ein paar wenige Ausreißer. Dieser hier zum Beispiel:

 

Robinson fragt am Ende: War die ganze Analyse falsch? Und wenn nein: Wer steckt hinter den iPhone-Tweets? Wer imitiert ab und an Trumps Art zu schreiben? Oder war es Trump selbst, wenn mal sein eigener Akku leer war? Die ganze Analyse gibt es hier zum Nachlesen.

Zuletzt bleibt die Frage: Wann postet Trump in Großbuchstaben? Kurz vor seiner Vereidigung postete er auf Twitter, dass heute alles beginnen würde. Dann folgt in Versalien: THE MOVEMENT CONTINUES - THE WORK BEGINS! (Die Bewegung geht weiter - Die Arbeit beginnt)

Als nach der Vereidigung die Debatte um die Zahl der Zuschauer beginnt, ist es zunächst still. Doch dann kam Trump als neuer US-Präsident und schleuderte kritischen Medien ein erstes FAKE NEWS in großen Lettern entgegen.

Auch wichtige Themen aus seinem Wahlkampf kündigt Trump in der Folgezeit mit großen Buchstaben an. Da ist die NATIONAL SECURITY (nationale Sicherheit), die Kritik am Nafta-Abkommen oder der Einreisebann für Muslime. Die Kritik an letzterem kontert Trump mit einem MAKE AMERICA SAFE AGAIN.

Auch die vereitelte Terrorattacke am Louvre in Paris nutzt Trump für eine Attacke mit Großbuchstaben. GET SMART U.S. (Sei schlau USA) schreibt er und verteidigt damit seine von vielen Seiten torpedierte Einreisepolitik. Ähnliche Tweets folgen in den Tagen darauf.

Als am 10. Februar das erste Einreiseverbot von einem Gericht gekippt wird, wettert Trump vorher noch mal ordentlich auf Twitter. „SEE YOU IN COURT, THE SECURITY OF OUR NATION IS AT STAKE“, schreibt er da (Wir sehen uns vor Gericht. Die Sicherheit unserer Nation steht auf dem Spiel).

Auch Kritik an den hohen Kosten für seine Mauer zu Mexiko schmettert Trump ab. WALL steht in seinem Tweet. Gefolgt von WAY DOWN. Der Preis werde noch weit nach unten gedrückt, verspricht Trump. Das geschähe sobald er sich in die Verhandlungen einschalte. 

Gleich mehrfach fallen auch wieder die Worte FAKE NEWS, als es um Verbindungen von Trumps Wahlkampfteam und Michael Flynn nach Russland geht. Die Ursache allen Übels lenkt der Präsident auf die Medien und die Demokraten. Über Tage fallen die beiden Worte immer wieder.

Um von der Kritik um die Russland-Affäre abzulenken, folgen gute Nachrichten: „JOBS, JOBS, JOBS“ propagiert Trump Anfang März. Auch eine mögliche Spionage durch Barack Obama sorgt für mediales Aufsehen. Kurze Zeit später hört man davon nichts mehr in Trumps Twitter-Feed.

Nach neuerlichen „FAKE NEWS“-Tweets zu Russland und der US-Wahl spricht Trump bei Großveranstaltungen Ende März unter anderem in Kentucky. Mit Bildern und Videos dankt er seinen Unterstützern. Ein MAKE AMERICA SAFE AND GREAT AGAIN! darf nicht fehlen.

Neben mehr JOBS folgt im März auch noch „A NEW ERA IN AMERICAN ENERGY“ (Eine neue Ära in der amerikanischen Energiepolitik). Trump verkauft eine alte Technologie (Kohlekraft) als Zukunft für eine wachsende Wirtschaft.

Während der Plan, Obamacare abzuschaffen, zu scheitern droht, pöbelt Donald Trump Anfang April weiter gegen die Medien. FAKE NEWS sei das alles. Viel wichtiger sei der Obama-Abhör-Skandal (SURVEILLANCE = Überwachung).

Im April werden die Großbuchstaben weniger. Ein paar JOBS entstehen, Trump spricht von vielen und wichtigen Veränderungen. Und was wichtiger ist: Die Zustimmung für den Präsidenten ist gut. „TRUMP APPROVAL HITS 50%“, heißt es am 17. April.

Und das nächste große Wahlversprechen packt Donald Trump schon an. „TAX REFORM AND TAX REDUCTION“, strahlt es aus einem Tweet. Steuerreformen und -kürzungen kündigt der Präsident groß an. Es geht vorwärts in den USA.

 

Rund 30 Tweets hat Donald Trump seit dem 20. Januar veröffentlicht, in denen er die Medien in Versalien als Fake News bezeichnet. Zwölf Mal kritisierte er die Zeitung „New York Times“ direkt in seinen Tweets. Ebenfalls zwölf Mal nutzte er seinen Wahlkampf-Slogan „Make America Great Again“ in großen Lettern. Immer dann, wenn er Niederlagen einstecken musste oder nicht so berichtet wurde, wie es der US-Präsident gerne gesehen hätte. Die Schuld haben die anderen. Das kann man ruhig groß schreiben.

 

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erstellt am 24.Apr.2017 | 16:49 Uhr

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