Neues vom US-Präsidenten : Donald Trump über „Dreckslöcher“, falsche Flugzeuge und Kim Jong Un

Bis heute leben viele Erdbebenopfer auf Haiti in selbsgebauten Notunterkünften.
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Bis heute leben viele Erdbebenopfer auf Haiti in selbsgebauten Notunterkünften. Donald Trump soll Haiti und einige afrikanische Staaten als „shithole countries“ bezeichnet haben.

Trump nennt Länder wie Haiti „Dreckslöcher“, sein Verhältnis zu Kim Jong Un gut – und verkauft Norwegen virtuelle Jets.

shz.de von
12. Januar 2018, 08:20 Uhr

Washington | US-Präsident Donald Trump soll bei Beratungen hinter verschlossenen Türen einige Herkunftsländer von Einwanderern als „Dreckslöcher“ bezeichnet haben. Die von der „Washington Post“ kolportierte Äußerung löste heftige Empörung aus. Die republikanische Kongressabgeordnete Mia Love, Tochter haitianischer Einwanderer, nannte das Zitat in einem Tweet am Donnerstag (Ortszeit) „spaltend“ und einen Schlag gegen die Werte des Landes. Sie forderte Trump auf, sich beim amerikanischen Volk und bei den betroffenen Ländern zu entschuldigen.

Das Weiße Haus bestritt die Trump zugeschriebenen Äußerungen nicht, Trump hingegen schon. „Die Sprache, die ich bei dem Daca-Treffen benutzt habe, war hart, aber das war nicht die Sprache, die benutzt wurde“, schrieb Trump am Freitag auf Twitter.

 

Der „Washington Post“ zufolge hatte Trump am Donnerstag mit Senatoren über den Schutzstatus bestimmter Einwanderer aus Haiti, El Salvador und afrikanischen Ländern gesprochen. Dabei sei ihm der Kragen geplatzt. Der Präsident habe sich enttäuscht über manche Vorschläge der Anwesenden gezeigt. Er habe gefragt, warum so viele Menschen aus „Dreckslöchern“ in die USA kommen müssten, schrieb die Zeitung unter Berufung auf zwei nicht näher beschriebene Personen, die über das Treffen unterrichtet worden seien.Trump habe stattdessen vorgeschlagen, mehr Menschen aus Ländern wie Norwegen aufzunehmen, schreibt das Blatt weiter. Er hatte sich am Tag zuvor mit der norwegischen Ministerpräsidentin Erna Solberg getroffen.

Auch andere Republikaner sowie Demokraten reagierten auf Trumps Worte empört. Der Zeitung „USA Today“ zufolge forderte der republikanische Senator Orrin Hatch aus Utah eine detaillierte Erklärung der Äußerung. Zugleich betonte er, Immigranten – aus welchem Land auch immer – machten die USA „besonders“.

Der demokratische Senator Richard Blumenthal bezeichnete Trumps Worte auf Twitter als „unverhohlenen Rassismus“ und „schamlosen Verrat amerikanischer Werte“.

Mit Empörung reagierte das UN-Menschenrechtsbüro. „Wenn das so stimmt, sind dies schockierende und beschämende Äußerungen des US-Präsidenten“, sagte Rupert Colville, Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, am Freitag in Genf. „Man kann nicht ganze Länder und Kontinente als Dreckslöcher bezeichnen, deren Einwohner, die alle nicht weiß sind, deshalb nicht willkommen sind.“ Es gehe hierbei nicht nur um eine vulgäre Sprachwahl. „Hier geht es darum, der schlimmsten Seite der Menschheit weiter die Tür zu öffnen und Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu billigen und zu fördern, was das Leben vieler Menschen zerstören könnte“, sagte Colville.

Hintergrund der Debatte ist, dass der Kongress bis März eine Einigung über das sogenannte Daca-Programm finden muss. Es gewährt illegalen Einwanderern, die bereits als Minderjährige in die USA gekommen waren, zeitlich befristet einen besonderen Schutz vor Abschiebung. Trump hatte Anfang September 2017 entschieden, das von seinem Vorgänger Barack Obama ins Leben gerufene Programm zu beenden. Allerdings räumte er dafür eine Frist von sechs Monaten ein. Er forderte den Kongress auf, in dieser Zeit eine Neuregelung zu finden.

Trump feiert Waffendeal mit Flugzeug, das es nicht gibt

Verwechslung: Norwegen bekommt Kampfjets vom Typ F-35 (Bild) und nicht virtuelle F-52 aus dem Computerspiel „Call of Duty“.
Foto: Imago/Xinhua

Verwechslung: Norwegen bekommt Kampfjets vom Typ F-35 (Bild) und nicht virtuelle F-52 aus dem Computerspiel „Call of Duty“.

 

Bei einer gemeinsamen Presseknonferen mit Norwegens Premierministerin Erna Solberg teilte Donald Trump mit, man habe dem Land Flugzeuge des Typs F-52 verkauft. Blöd: Den Jet gibt es tatsächlich nur im Action-Egoshooter „Call of Duty“. Das berichtet die Zeitung „Die Welt“. Die USA entwickeln ein solches Kampfflugzeug in der Realität nicht. Die virtuelle F-52 dürfte außerdem ausgereifter sein, als die Maschinen vom Typ F-35, die Trump wirklich an die Norweger verkauft. Zwar gilt die F-35 als modernster Kampfjet, den Amerika besitzt, doch die Entwicklung verschlang fast 400 Milliarden US-Dollar und die Piloten sind unzufrieden. Die Maschine reagiere schwerfällig und die Sicht aus dem Cockpit sei schlecht. Bei einer Übung war einmal sogar eine F-16 der F-35 überlegen. Der Flugzeugtyp hatte seinen Erstflug vor fast 50 Jahren. Drei F-35 haben die Norweger bereits im November erhalten. Sechs weitere sollen jedes Jahr folgen – 40 wurden insgesamt bestellt. Der Deal inklusive Raketen, Simulatoren und Wartungsgeräten umfasst laut Bericht mehr als acht Milliarden Dollar.

Trump hat ein gutes Verhältnis zu Kim Jong Un

Bilder von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un (r) auf einem Bildschirm in Seoul.
Foto: Ahn Young-Joon
Bilder von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un (rechts) auf einem Bildschirm in Seoul.
 

„Ich habe wahrscheinlich ein gutes Verhältnis zu Kim Jong Un“, sagte Trump am Donnerstag (Ortszeit) in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“. „Ich habe Beziehungen zu Leuten. Ich denke, Sie wären überrascht.“ Nach Monaten eines scharfen Kriegs der Worte zwischen Washington und Nordkorea kamen Trumps Äußerungen sehr unerwartet. Der US-Präsident hatte dem Land mit noch nie da gewesenem „Feuer und Wut“ sowie totaler Zerstörung gedroht. Immer wieder überzogen sich Kim und Trump gegenseitig mit Beleidigungen und Drohungen. Trump nannte Kim unter anderem „klein und fett“, „Little Rocket Man“ (Kleiner Raketenmann) und „verrückt“. Kim warf dem US-Präsidenten vor, geistesgestört zu sein.

Vor dem Hintergrund des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms war der Streit immer weiter eskaliert. In mehreren Berichten wird die große Sorge geäußert, die USA bereiteten sich auf einen Krieg mit Nordkorea vor. Zuletzt beharrte Trump darauf, den größeren „Atomknopf“ als sein Gegenüber in Pjöngjang zu haben.

Harsche und persönliche Kommentare auf Twitter bezeichnete Trump als Teil einer breiteren Strategie. „Sie werden das bei mir häufiger erleben“, sagte er. „Und dann, auf einmal, ist jemand mein bester Freund. Ich könnte Ihnen 20 Beispiele geben. Sie mir 30. Ich bin ein sehr flexibler Mensch.“

Gefragt, ob er mit Kim schon einmal gesprochen habe, sagte Trump dem „Wall Street Journal“: „Ich möchte das nicht kommentieren. Ich werde nicht sagen, ob oder ob nicht.“ Am Mittwoch hatten sich Trump und sein südkoreanischer Amtskollege Moon Jae-In telefonisch darauf verständigt, den Druck auf das kommunistisch geführte Nordkorea hochzuhalten. Den Angaben zufolge zeigte sich Trump offen, selbst Gespräche mit Nordkorea zu führen. Diese müssten aber zur richtigen Zeit und unter den richtigen Umständen stattfinden, hieß es vom Weißen Haus ohne nähere Erläuterung. Ähnliche Andeutungen machte Trump zuletzt mehrmals.

Mexiko soll weiterhin für die Mauer bezahlen

Trumps Modell-Mauer: Grenzbeamte testen an der Grenze zu den USA in Otay Mesa (Mexiko) die Prototypen der neuen Grenzmauer zwischen Mexiko und den USA.
Foto: Alejandro Tamayo
Trumps Modell-Mauer: Grenzbeamte testen an der Grenze zu den USA in Otay Mesa (Mexiko) die Prototypen der neuen Grenzmauer zwischen Mexiko und den USA.
 

Ebenfalls im Interview mit dem „Wall Street Journal“ bekräftigte Trump seine Ansicht, Mexiko solle für eine von ihm geplante Mauer an der mehr als 3100 Kilometer langen Grenze zwischen beiden Ländern zahlen. „Sie können dafür indirekt über Nafta zahlen“, sagte er mit Blick auf mögliche neue Regelungen in dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen. Nafta wird derzeit zwischen den USA, Kanada und Mexiko neu verhandelt und ist seitens der USA unter Beschuss. „Wisst ihr was? Mexiko zahlt“, sagte Trump dem Blatt. Vor allem in Kanada herrscht nach mehreren erbitterten Zollstreitigkeiten mit den USA erhebliche Skepsis über die Zukunft von Nafta.

Die gesamte Diskussion über das Freihandelsabkommen will Trump bis nach der Wahl in Mexiko am 1. Juli offenhalten. „Mir ist klar, dass viele Dinge vor einer Wahl schwer zu verhandeln sind“, sagte Trump. Im gleichen Atemzug erklärte der US-Präsident jedoch, dass er das Freihandelsabkommen beenden wolle, wenn es nicht zu einem für die USA besseren Deal komme.

Trump: Fühle mich von Bannon verraten

Donald Trump und sein Chefstratege Steve Bannon (rechts) bei einem Meeting zur Cyber-Sicherheit im Januar vergangenen Jahres.
Foto: dpa

Donald Trump und sein Chefstratege Steve Bannon (rechts) bei einem Meeting zur Cyber-Sicherheit im Januar vergangenen Jahres.

 

Zuguterletzt hat sich Trump erneut abfällig über seinen ehemaligen Wahlkampfberater und Chefstrategen Steve Bannon geäußert. „Steve hatte mit meinem (Wahl-)Sieg nichts zu tun, oder sicherlich sehr wenig“, sagte Trump in dem Interview mit dem „Wall Street Journal“.

Trump bezeichnete Bannon in dem Interview als Selbstdarsteller, der seine Bedeutung innerhalb des Wahlkampfteams Trumps übertrieben darstelle. „Steves größter Wert ist, dass er in der Lage war, korrupte Medien davon zu überzeugen, er sei verantwortlich für meinen Sieg gewesen“, sagte Trump.

Er fühle sich von Bannon verraten. „Das sollte man nicht tun“, sagte Trump mit Blick auf Bannons Äußerungen, mit denen er in einem jüngst erschienenen Buch des Autors Michael Wolff zitiert wird. Bannon hatte sich darin negativ unter anderem auch über Trumps Familienmitglieder geäußert. Tochter Ivanka sei „dumm wie ein Backstein“, hieß es in dem Buch unter Berufung auf Bannon unter anderem.

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