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Bierzelt-Rede : Donald Trump schlägt nach Merkel-Kritik zurück

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Europa müsse sein Schicksal mehr selber in die Hand nehmen, hatte Merkel gesagt und distanzierte sich damit von Trump.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2017 | 13:47 Uhr

Washington | Nach der heftigen Kritik Deutschlands an der US-Politik schlägt Präsident Donald Trump zurück. Am Dienstag übte er auf Twitter massive Kritik am Handelsüberschuss Deutschlands und den aus seiner Sicht geringen Militärausgaben und fügte hinzu: „Sehr schlecht für die USA. Das wird sich ändern.“ Schwere Differenzen mit Donald Trump über Handel und Klimaschutz überschatteten zuvor den G7-Gipfel der sieben großen Industrienationen in Italien in der vergangenen Woche. Seine drastischen Vorwürfe gegen die exportstarken Deutschen, die - je nach Übersetzung - „sehr böse“ oder „sehr schlecht“ (very bad) seien, sorgten für schwere Irritationen auf deutscher Seite. Nach Trumps Frontalangriff auf die Nato-Partner am Donnerstag in Brüssel gilt das Verhältnis zu den USA noch zusätzlich belastet.

Angela Merkel hatte am Wochenende bei einem Auftritt auf dem Truderinger Volksfest bei einer Rede im Bierzelt gesagt: „Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück vorbei, das habe ich in den letzten Tagen erlebt. Und deshalb kann ich nur sagen: Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen – natürlich in Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika, in Freundschaft mit Großbritannien; in guter Nachbarschaft, wo immer das geht, auch mit Russland, auch mit anderen Ländern. Aber wir müssen wissen, wir müssen selber für unsere Zukunft kämpfen, als Europäer, für unser Schicksal. Und das will ich gerne mit Ihnen, meine Damen und Herren.“

Europa kann sich nicht auf Trump verlassen, so lässt sich Merkels Aussage verstehen. Trotzdem: Merkel hat die USA trotz mancher Hindernisse wie in der Finanzkrise mit US-Präsident George W. Bush oder mit der Abhöraffäre zu Zeiten Barack Obamas immer unbeirrt als wichtigsten Partner bezeichnet. Weil die Bundesrepublik nach denselben Werten strebt, nach Freiheit, Gleichheit, Menschenrechten, Gerechtigkeit. Aber auch, weil Deutschland auf die Hilfe der USA bei Sicherheit, Verteidigung und Geheimdiensten angewiesen ist. Daran will Merkel sicher nichts ändern. Regierungssprecher Steffen Seibert betonte am Montag: „Da hat eine zutiefst überzeugte Transatlantikerin gesprochen.“ Gerade weil die transatlantischen Beziehungen so wichtig seien, sei es auch richtig, Differenzen ehrlich zu benennen. Aber das tut eben weh.

Merkel pochte daher am Dienstag erneut auf ein eigenständigeres Europa. „Europa muss ein Akteur sein, der sich auch einmischt international“, sagte sie nach deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Berlin. Merkel mahnte etwa eine bessere gemeinsame Außenpolitik der europäischen Staaten an. Zudem müsse die Gemeinschaft in der Migrationspolitik besser werden. Zugleich hob Merkel aber die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen hervor. Das Treffen mit Modi sei „in keiner Weise gegen irgendwelche anderen Beziehungen gerichtet, und schon gar nicht gegen die transatlantischen Beziehungen, die historisch für uns von großer Wichtigkeit sind und auch in Zukunft bleiben werden“. Zuletzt waren Stimmen laut geworden, angesichts der neuen US-Außenpolitik könnten die Beziehungen mit den aufstrebenden Wirtschaftsmächten Indien und China stärker in den Fokus rücken. An diesem Mittwoch empfängt Merkel den chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang. Die Treffen dienen auch der Vorbereitung des G20-Gipfels in Hamburg im Juli.

Merkel weiß um die vielen Stimmen in den USA, die sie nach der Wahl von Trump im vorigen Herbst als letzte Retterin der liberalen westlichen Werte auserkoren hatten. „Völlig absurd“ nannte Merkel das damals. Aber inzwischen arbeitet sie an diesem Ruf - ob gezielt oder automatisch.

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