BMW, Daimler und VW : Donald Trump lädt Lenker deutscher Autokonzerne ins Weiße Haus

Vertreter deutscher Autobauer wollen sich mit Trump im Weißen Haus treffen.

Vertreter deutscher Autobauer wollen sich mit Trump im Weißen Haus treffen.

Der Präsident versucht, Druck auf die Handelsgespräche mit der Europäischen Union aufzubauen.

shz.de von
22. November 2018, 18:27 Uhr

Washington | Vergangenen Juli trommelte der neue US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, die deutschen Autobauer zu einem Geheimtreffen zusammen. Dabei unterbreitete er Daimler-Chef Dieter Zetsche, BMW-Vorstandschef Harald Krüger und VW-Chef Herbert Diess das Angebot Donald Trumps, auf alle Autozölle komplett zu verzichteten.

Es dauerte nicht lange, da war das Treffen nicht mehr geheim, sondern stand in den Medien. Die US-Botschaft teilte mit, es habe sich nicht um ein formales Angebot gehandelt, sondern die Idee sei als Teil eines „laufenden Dialogs“ mit den Vertretern der Autoindustrie erörtert worden.

Sprecher der Konzerne bestätigten die Einladung

In diesem Kontext muss wohl auch die Einladung des Weißen Hauses an die drei deutschen Autobosse verstanden werden, über die „Bloomberg“ am Mittwoch zuerst berichtete. Bereits nach diesem „Thanksgiving“-Wochenende könnte es zu einer Begegnung in Washington kommen. Sprecher der deutschen Autokonzerne bestätigten die Einladung, ließen aber offen, ob es tatsächlich zu der Begegnung kommt.

Unklar bleibt ebenfalls, wer an der Runde teilnehmen wird. Das Wall Street Journal schreibt, Trumps Wirtschaftsberater Lawrence Kudlow, Handelsminister Wilbur Ross und der Handelsbeauftragte Robert Lighthizer stünden bereit. Es wird erwartet, dass bei einem Besuch im Weißen Haus auch Präsident Trump mit den deutschen Konzernlenkern sprechen will.

Null-Lösung wieder auf dem Tisch?

Gewiss dürfte die von Botschafter Grenell im Juli ins Gespräch gebrachte Null-Lösung – also dass Europa wie die USA komplett auf Autozölle verzichteten – wieder auf den Tisch kommen. Darüber hinaus will Trump nach Auskunft eines hohen Mitarbeiters Druck auf die Deutschen machen, mehr Autos in den USA zu bauen. 

Ausdrücklich betonten BMW, Daimler und Volkswagen, man stimme sich eng mit der Bundesregierung und der Europäischen Union ab. Zumal unter Beobachtern der dringende Verdacht im Raum steht, der wegen des schleppenden Fortgangs der Handelsgespräche mit der EU unzufriedene Trump versuche die Autobauer als Spaltpilz zu benutzen.

Beim letzten Treffen ging es um Handelsschranken

Vergangene Woche erst kehrte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström ohne greifbare Ergebnisse von Vorgesprächen in Washington über ein begrenztes Freihandelsabkommen zurück. Dabei ging es nicht um Autozölle, sondern vor allem den Abbau nicht-tarifärer Handelsschranken, wie vergleichbare Standards beispielsweise für Autoteile und Medikamente. Problematisch bleibt die Forderung Trumps, Europa müsse seinen Agrarmarkt für amerikanische Produkte öffnen.   

Handelsminister Ross Wilbur hatte bereits Mitte Oktober in Brüssel die Ungeduld Trumps signalisiert. Die Gespräche seien nicht als „Fünf-Jahres-Prozess“ angelegt.

Keine Rosinenpickerei der USA

Das Wall Street Journal zitiert nun einen hohen Mitarbeiter des Präsidenten, der angesichts des schleppenden Fortgangs der im Sommer überraschend mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker vereinbarten Gespräche die Autozölle wieder ins Spiel bringt. „Er könnte sich gezwungen sehen, diese als Hebel zu benutzen.“

Trump glaubt offenbar, er könne mit seiner Auto-Diplomatie die komplizierten Verhandlungswege bei Handelsabkommen abkürzen. Nullprozent Autozölle vorzuschlagen, löst nach Ansicht von Handelsexperten nicht die notwendige Abgleichung mit den Regeln der WTO. Zudem beharrt die EU darauf, ein Rosinenpicken der Amerikaner nicht zu erlauben, und stattdessen auf ein breiteres Industrie-Zollabkommen hinzuarbeiten.  

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