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Russland-Affäre : Donald Trump Junior zu Russland-Emails: „Es gab nichts zu erzählen“

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Trumps Sohn verteidigt seine Russland-Kontakte. Eigentlich hätte er die russische Anwältin nur getroffen, um die Opposition zu erkunden.

shz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 07:32 Uhr

Der wegen seiner Russland-Kontakte unter Druck stehende Sohn von US-Präsident Donald Trump hat ein Treffen mit einer russischen Anwältin im Wahlkampf 2016 verteidigt. Zwar hätte er die Dinge im Nachhinein wahrscheinlich anders gemacht, sagte Donald Trump Jr. am Dienstagabend (Ortszeit) dem Fernsehsender Fox News. Allerdings sei das Treffen ohne Bedeutung. Ohne die Vorwürfe hätte er sich sogar gar nicht daran erinnert, sagte Trump Jr.. „Es waren im wahrsten Sinne des Wortes vergeudete 20 Minuten, die eine Schande waren.“ Der 39-Jährige stritt zudem ab, seinem Vater von dem Treffen erzählt zu haben. „Es gab nichts zu erzählen.“

US-Geheimdienste beschuldigen Moskau, hinter Attacken auf E-Mailkonten der Demokraten zu stehen. Dabei gestohlene Daten wurden im Juli 2016 von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht. Die amerikanischen Geheimdienste werfen dem Kreml vor, sich auf diese Weise in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um Trump zu helfen und seiner Konkurrentin Clinton zu schaden. Ein Sonderermittler und mehrere Kongressausschüsse untersuchen, ob es dabei Absprachen mit Trumps Wahlkampflager gab.

Trump Jr. hatte am Dienstag einen E-Mail-Wechsel mit dem Publizisten Rob Goldstone veröffentlicht, der nach seinen Angaben zu einer Begegnung mit einer russischen Anwältin führte. Daraus geht hervor, dass ihm belastende Informationen über die Konkurrentin seines Vaters, Hillary Clinton, in Aussicht gestellt wurden, die von der russischen Regierung stammen sollen. Juristen und führende Demokraten erhoben den Vorwurf, die E-Mails enthüllten kriminelle Absichten. Einige Stimmen sprachen davon, die Grenze zum Landesverrat könnte erreicht sein.

Der Präsident lobte seinen Sohn dagegen für die Offenheit, mit der er seine E-Mail-Konversation publik gemacht habe. Er twitterte: „Er ist ein großartiger Mensch, der unser Land liebt!“ Trump Jr. sagte, ihm habe jemand eine E-Mail geschickt. Er könne nichts dafür, was ihm geschickt werde. Er habe sie gelesen und geantwortet. Für ihn sei dies Erkundung der Opposition gewesen. Eventuell hätten die Schreiber etwas gehabt, vielleicht konkrete Beweise für all die Geschichten, die er gehört habe. „Also dachte ich, ich will es hören.“

 

Nach Bekanntwerden der E-Mails von Trump Jr. ließ Vizepräsident Mike Pence über seinen Anwalt Marc Lotter umgehend eine Erklärung veröffentlichen, in der er sich von der Angelegenheit distanziert. Pence habe von dem Treffen von Trump Jr. mit der Anwältin nichts gewusst und sei damals noch nicht im Trump-Team gewesen. Dies wurde in Washington als ein erstes Anzeichen für eine mögliche Absetzbewegung des Vizepräsidenten von Trump gewertet. Das Weiße Haus wies diese Vermutung zurück.

Den veröffentlichten Dokumenten zufolge meldete sich Goldstone am 3. Juni 2016 bei Trumps Sohn. Ein Klient habe ihn kontaktiert, weil ein russischer Staatsanwalt sich mit dem Vater dieses Klienten getroffen habe und diesem Dokumente über Clinton für Trumps Wahlkampfteam angeboten habe. „Das sind offensichtlich hochrangige und sensible Informationen, aber es ist Teil der Unterstützung Russlands und der Regierung für Herrn Trump (...)“, heißt es in der E-Mail weiter.

Trump Jr. antwortete am selben Tag: „Es sieht so aus, als ob wir Zeit hätten, und wenn es das ist, was Du sagst, liebe ich es, besonders später im Sommer.“ Damit meinte er belastendes Material über Clinton, das näher am Wahltermin im Herbst besonders nützlich sein könnte. In dem weiteren Schriftverkehr vereinbarten beide einen Termin.

Goldstone erwähnt in diesem Zusammenhang eine „Anwältin der russischen Regierung“. Natalia Veselnitskaja, die Anwältin, mit der sich der 39-jährige Sohn Trumps am 9. Juni 2016 getroffen hat, bestritt, jemals für den Kreml gearbeitet zu haben. Vom Kreml hieß es, man kenne die Frau nicht. Trump Jr. hatte schon zuvor eingeräumt, dass ihm vor dem Treffen „hilfreiche Informationen“ versprochen worden seien.

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