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Russland-Affäre : Donald Trump: „Größte Hexenjagd in der politischen Geschichte“

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Am dritten Tag in Folge hat der Präsident keine Termine. Die Ermittlungen in der Russland-Affäre dürften sich ausweiten.

Der Trump-Clan zieht die Wagenburg zusammen. Seine Familie sei das Opfer „der größten Hexenjagd in der politischen Geschichte“, twitterte Donald Trump am Morgen nach der Publikation eines Email-Strangs seines ältesten Sohnes Donald Jr., der in strafrechtliche Ermittlungen wegen Hochverrats münden könnte. Sein Sohn sei „offen, transparent und unschuldig“ lobte er dessen Auftritt bei FOX-Freund Sean Hannity.  

US-Geheimdienste beschuldigen Moskau, hinter Attacken auf E-Mailkonten der Demokraten zu stehen. Dabei gestohlene Daten wurden im Juli 2016 von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht. Die amerikanischen Geheimdienste werfen dem Kreml vor, sich auf diese Weise in den Wahlkampf eingemischt zu haben, um Trump zu helfen und seiner Konkurrentin Clinton zu schaden.

„Wenn sie die Worte ,Quellen sagen‘ von den Fake Medien hören, handelt es sich oft um erfundene Quellen, die nicht existieren“, legte Trump in einem zweiten Tweet nach. Nur in diesem Fall stammten die Emails direkt aus dem Computer Donald Trump Juniors, der damit einer Publikation durch die „New York Times“ zuvor kommen wollte.

 

Bruder Eric Trump zitierte den britischen Rechtspopulisten und Mittelsmann zu Wikileaks-Gründer Julian Assange, Nigel Farage, der sagte, Donald Jr. sei nur deshalb zur Zielscheibe geworden, weil er der beste „öffentliche Fürsprecher“ seines Vaters sei. „Das ist GENAU der Grund, warum sie unsere Familie so hinterhältig angreifen.“

 

Tochter Ivanka Trump, die in den vergangenen Tagen selber in der Kritik stand, und Ehefrau Melania drängen hinter den Kulissen auf ein großes Reinemachen im Weißen Haus. Wie die US-Medien berichten, machen sie Stabschef Reince Priebus für den anhalten Strom an Informationen an die Presse verantwortlich.

Insider berichten von einem Klima des gegenseitigen Misstrauens unter den Mitarbeitern des Präsidenten. Es scheint, als traute keiner mehr keinem über den Weg, seit sich die „New York Times“ auf drei Berater des Weißen Hauses als Quelle für den Email-Schriftwechsel zwischen Trump Jr. und Rob Goldstone über das konspirative Treffen mit der russischen Regierung-Anwältin Natalia Veselnitskaya am 9. Juni vergangenen Jahres auf der 25. Etage des Trump-Towers berief.

Gleichzeitig steht Trumps Team unter massivem Druck von Sonderermittler Robert Mueller, der versucht Licht in das Dunkel der Russland-Affäre zu bringen. Neben Behinderung der Justiz und Verschwörung dürfte er nach Ansicht von Senator Tim Kaine, der 2016 an der Seite Hillary Clintons als „Running Mate“ antrat, sich nun auch den Themen „Meineid, Falschaussagen und möglicherweise auch Verrat“ zuwenden.

Mindestens erlebte Trump ein PR-Desaster das garantiert, dass die Russland-Affäre „ihn und seine Regierung auf absehbare Zeit verfolgen wird“, schriebt Dan Balz in der „Washington Post“. Zumal nun schwarz auf weiß nachzulesen ist, wie der Stammhalter Trumps enthusiastisch das Angebot einer Entsandten Moskaus angenommen hat, sich von Russland mit „Schmutz“ gegen Clinton helfen zu lassen. „I love it“ (dt. Das finde ich Klasse) jubelte Donald Jr. über die Aussicht belastende Informationen von den Russen zu erhalten.

Vor seiner Abreise nach Frankreich wächst der Druck auf Trump, Schwiegersohn Jared Kushner den Zugang zu Staatsgeheimnissen zu blockieren. Während Trump Junior kein politisches Amt bekleidet, sitzt der mutmaßliche Mitverschwörer des Treffens im Trump-Tower als Chefberater im Weißen Haus. 

Neben Republikanern im Kongress versuchte auch Vize-Präsident Mike Pence Abstand zwischen sich und dem konspirativen Triumvirat aus Donald Jr., Kushner und Trumps ehemaligem Wahlkampfchef Pal Manafort zu bringen. Er habe mit alldem nichts zu tun gehabt, ließ Pence seinen Sprecher erklären. „Das sind Geschichten, die in die Zeit zurückgehe, bevor er dazu stieß.“

Frustriert ist auch das Rechtsanwaltsteam um Marc E. Kasowitz, das Trump in der Russland-Affäre vertritt. Dem Vernehmen nach fürchtet Kasowitz, der bedrängte Kushner sei mehr daran interessiert, seine eigene Haut zu retten, als Trump zu helfen. Die „New York Times“ zitiert einen Anwalt mit den Worten: „So geht das nicht mehr weiter.“

Zumal nun der Druck auf Trump weiter wächst, zu erklären, was er von dem halbstündigen Verschwörer-Treffen genau eine Etage unter seinem Büro wusste. Dass er „absolut nichts mit Russland zu tun hatte“ und alles nur „Fake News“ von Leuten sind, die im nicht gut gesonnen sind, glaubt ihm spätestens seit der Enthüllung der Goldstone-Emails außer seinen eingeschworenen Fans niemand mehr.

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erstellt am 12.Jul.2017 | 16:51 Uhr

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