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US-Präsidentschaftswahlen : Donald Trump geht das Geld aus

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Republikaner Trump hat wohl nur noch 1,3 Millionen Dollar in der Wahlkampfkasse, Kontrahentin Hillary Clinton besitzt mehr als das Dreißigfache. Deutliche Größen-Unterschiede gibt es auch beim Mitarbeiterstab.

shz.de von
erstellt am 23.Jun.2016 | 06:12 Uhr

New York | Alte Hasen in der amerikanischen Politik betrachten das Eintreiben von Wahlkampfspenden als die Wahlen vor den Wahlen. Deshalb werden die offiziellen Berichte über die Einnahmen der Kandidaten stets genau unter die Lupe genommen. Was republikanische Strategen im vergangenen Monat für den designierten Spitzenkandidaten Donald Trump unter dem Vergrößerungsglas sahen, schockte sie. 

„Er starrt in den Abgrund“, bringt Wahlkampfveteran Ed Rollins, der Trump unterstützt, die finanzielle Lage des Kandidaten auf den Punkt. Dieser hatte Ende Mai weniger als 1,3 Millionen Dollar in der Wahlkampfkasse. Verglichen mit Hillary Clintons 42 Millionen Dollar kommt das einem Tropfen auf dem heißen Stein gleich. Und auch historisch gibt es niemanden, der zu diesem Zeitpunkt so wenig Geld zur Hand hatte, wie der Rechtspopulist.

Rollins sieht nur zwei Möglichkeiten für Trump. „Entweder schreibt er sich selber Schecks und verkauft ein paar Gebäude und Golfplätze, oder er muss zum Hörer greifen und mit den Geldgebern sprechen.“ Vor letzterem ziert sich der Milliardär, der es gewohnt war, selber von Politikern um Spenden angebettelt zu werden. 

Andere Parteiinsider teilen die Sorge Rollins. Trump habe bisher nicht viel unternommen, konservative Geldgeber anzuzapfen. „Wenn er das nicht ganz massiv korrigiert, wird das weitreichende Konsequenzen haben“, schlägt Austin Barbour Alarm. An dem Spitzenkandidaten der Partei hänge nicht nur die Finanzierung dessen eigener Infrastruktur, sondern auch die unzähliger Kandidaten für den Kongress, Gouverneursposten und andere Ämter, die im November zur Wahl stehen. 

Bisher unternimmt Trump wenig, die Sorge zu besänftigen. Stattdessen geht er in die Offensive und beschuldigt das Parteiestablishment, selber nicht genügend zu tun, die Sponsoren zu bewegen, ihre Portemonnaies zu öffnen. „Die wollen nicht an Bord kommen“, beschwert sich der Spitzenkandidat.   

Falls sich die Geldeliten weiter zierten, werde er seinen Wahlkampf notfalls selber finanzieren. Wie schon bei den Vorwahlen, bei denen der Milliardär seiner Wahlkampforganisation Kredite in Höhe von 43 Millionen Dollar einräumte. „Ich habe unbegrenzte Bargeldressourcen an der Hand“, tönt Trump.

Experten halten das für eine Übertreibung. Sie bezweifeln, dass er die rund eine Milliarde Dollar aufbringen kann, die allein Barack Obama 2012 ausgegeben hat. Der republikanische Stratege Chris Spies meint, nur um einen Minimalwahlkampf im Herbst zu führen, bräuchte Trump 500 Millionen Dollar. „Hillary Clinton und ihre Verbündeten haben etwas zwei bis drei Mal so viel zur Verfügung.“

Es hapert nicht nur am Geld. Der republikanische Spitzenkandidat hat bisher auch so gut wie keine Wahlkampforganisation aufgebaut. Während für Clinton bereits mehr als 700 bezahlte Mitarbeiter im Einsatz sind, die Wahlkampfbüros in allen 50 Bundesstaaten aufbauen, hat der Rechtspopulist gerade einmal 69 Getreue um sich im Trump-Tower versammelt.   

Seit Anfang der Woche fehlt ihm Corey Lewandowski, der als Wahlkampfmanager gefeuert wurde. Der Versuch die Position des Kommunikationsdirektors zu besetzen scheiterte bislang, weil keine erfahrene Person bereit ist, ihre Reputation aufs Spiel zu setzen. Presseanfragen werden von der 26-jährigen Hope Hicks beantwortet, die frühere einmal für Tochter Ivanka die Öffentlichkeitsarbeit erledigte.

In seiner Not zapfte Trump am Dienstag seine Anhänger via Email auf Kleinspenden an. „Ich werde dabei helfen, diesen ersten Spendenaufruf zum erfolgreichsten in der modernen Geschichte der Politik zu machen“, prahlte der Milliardär. Jedem gespendeten Dollar werde er aus eigener Tasche einen dazulegen.

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