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US-Vorwahlen am Dienstag : Donald Trump droht Niederlage in Wisconsin

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Das Anti-Trump-Lager hofft auf eine Wende bei den Vorwahlen: Trump liegt in Umfragen deutlich hinter Ted Cruz zurück.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2016 | 17:29 Uhr

Milwaukee | Der Kandidat ahnte, was ihn beim traditionellen Fischessen der Republikaner in der „American Serb Hall” erwartete. Wohl auch deshalb tauchte Trump am Wochenende erst gar nicht erst bei den Partei-Aktivisten von Wisconsin auf. Stattdessen schickte er die seelenverwandte Ex-Gouverneurin Sarah Palin aus Alaska, deren Mann vor Kurzem mit seinem Motorschlitten schwer verunglückt war.

Je erfolgreicher Trump ist, desto selbstsicherer wird er, so scheint es: Im Rennen der Republikaner um den Posten als Präsidentschaftskandidat liegt er aktuell vorne, sein Rivale Ted Cruz folgt ihm auf dem zweiten Platz. Wohl auch deshalb sagte Trump im Interview, dass er selbst ebenfalls keine Unterstützung mehr von den anderen Kandidaten erwarte. In Wisconsin droht ihm dennoch eine Niederlage.

Palin hielt das nicht davon ab, in den Mittleren Westen zu reisen, um den Parteifreunden dort von ihrem „Erweckungserlebnis” zu erzählen, das sie auf den Trump-Zug klettern ließ. Während die schrille Sarah es andernorts schafft, lahme Versammlungen in politische Hexenkessel zu verwandeln, erntete sie in Milwaukee nicht mehr als ein müdes Gähnen. Und hämisches Gelächter.

Erkennbar verschnupft beendete sie ihre Werberede für Trump mit einem „Dank” an die örtlichen Republikaner, „dass ihr mir erlaubt habt, mich zu eurem Fischessen einzuladen”.

Als Ted Cruz kurz darauf auf die Bühne schritt, bereiteten die rund tausend Anwesenden dem ultrakonservativen Gegenspieler Trumps im Rennen um die Präsidentschafts-Nominierung ein rauschendes Willkommen. Cruz warnte das Parteivolk vor einer verheerenden Niederlage bei den Wahlen im November, falls die Republikaner mit Trump als Kandidaten endeten.

Wisconsin kristallisiert sich als letzte Hoffnung des Anti-Trump-Lagers heraus, dem Unternehmer die Nominierung zu verweigern. Die letzten Umfragen sehen Cruz in dem Wechselwähler-Staat deutlich vorn. Ein Sieg hier, so die Hoffnung der Widersacher des Milliardärs, könnte die schon so oft vorausgesagte „Trump-Dämmerung” einleiten.

Trump selbst will davon nichts wissen. Er kämpft in Wisconsin mit einem bis auf die letzte Minute mit Wahlkampfauftritten gefüllten Terminkalender um jede Stimme. In einem Diner von Milwaukee verglich er die Situation am Sonntag mit der vor den Wahlen in New Hampshire. „Die Leute haben gesagt, Trump kann nicht gewinnen, und dann haben wir einen Erdrutsch-Sieg geholt.”

Ohne massive Mobilisierung neuer Wählergruppen und Unabhängiger dürfte Trump dies in Wisconsin kaum gelingen. Denn dort hat sich nicht nur der populäre Gouverneur Scott Walker klar gegen Trump positioniert. Der Staat im Mittleren Westen ist auch Heimat von Speaker Paul Ryan, der als heißer Anwärter auf die Präsidentschafts-Nominierung gehandelt wird, falls es zu einem „offenen Parteitag” in Cleveland kommt.

Um dies zu verhindern, bräuchte Trump die Mehrheit von 1237 Delegierten. „Wenn er nur eine Stimme zu wenig hat, wird die Partei nach einer Alternative Ausschau halten”, schätzt der konservative Kommentator Joe Scarborough die Stimmung im Establishment ein.  

So sehr eine Niederlage in Wisconsin Trump das Sieger-Image nähme, so sehr brächte ihn ein Sieg der Nominierung einen großen Schritt näher. Gewiss wird der Ausgang der Wahlen die Dynamik des weiteren Rennens beeinflussen, das erst am 19. April mit Wahlen in Trumps Heimatstaat New York weitergeht.

Anders, aber ähnlich, entfaltet sich die Dynamik bei den Demokraten in Wisconsin. Dort liegt Bernie Sanders in den Umfragen knapp vor Hillary Clinton, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich darauf gehofft hatte, ihren Konkurrenten abgeschüttelt zu haben.

Mit einer Reihe an überraschend deutlichen Siegen in Alaska, Washington und Hawaii konnte Sanders vor zwei Wochen den Abstand auf 263 Delegierte verringern. Obwohl Clinton Dank der Super-Delegierten immer noch die überragende Favoritin bleibt, muss sie um die Nominierung weiter kämpfen. Ein Sieg Bernie Sanders' in Wisconsin hielte ihm Außenseiterchancen offen.  

Alle aktuellen Informationen können Sie in unserem Liveblog verfolgen.

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