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Treffen mit Außenminister Sigmar Gabriel : Diplomatie in Wolfenbüttel: Katar bereit zu Verhandlungen

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Angebliche Kontakte zu Terroristen und Cyberangriffe: Deutschland versucht in der Krise der Golfstaaten zu vermitteln.

Wolfenbüttel | Im Konflikt um Katar ist das Golf-Emirat bereit zu Verhandlungen mit seinen Widersachern. Sein Land halte die Diplomatie für den besten Weg zur Lösung der Krise und nicht eine Eskalation, sagte Katars Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani am Freitag nach einem Gespräch mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel in Wolfenbüttel (Niedersachsen). Gabriel, der sich dort wegen mehrerer Termine in seinem Wahlkreis aufhielt, warnte vor einer Verschärfung des Konflikts und rief zu Gesprächen auf. „Wir sind der festen Überzeugung, dass jetzt die Stunde der Diplomatie ist“, erklärte er. Zum Abschluss des Besuches überreichte Gabriel dem katarischen Außenminister eine 238 Jahre alte Ausgabe der Ringparabel „Nathan der Weise“. In dem letzten Werk Gotthold Ephraim Lessings geht es um Humanismus, Toleranz und Aufklärung. Es sei „aktueller denn je“, schrieb der SPD-Politiker auf Twitter.

Die schwere Krise zwischen Katar und mehreren arabischen Staaten könnte auf die ganze Region sehr destabilisierend wirken. 2022 soll in dem Land die Fußball Weltmeisterschaft stattfinden. Zuletzt gab es heftige Kritik an Katar als Austragungsort.

Saudi-Arabien, Bahrain die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten hatten in der Nacht zuvor 59 Personen und zwölf Organisationen mit angeblichen Verbindungen zu Katar auf eine „Terrorliste“ gesetzt. Sie alle würden von dem Golf-Emirat finanziert oder seien dort ansässig und hätten Kontakte zu Terroristen, erklärten sie. Für die Betroffenen bedeutet der Eintrag auf der „Terrorliste“ vor allem Kontensperren und erschwerte Auslandsgeschäfte. Mit dem Schritt verschärften sie ihre Strafmaßnahmen gegen Katar.

 

Bereits zuvor hatten sie alle diplomatischen Kontakte abgebrochen und den Luftverkehr mit dem Emirat gestoppt. Die Nachbarländer schlossen die Grenzen. Die Staaten werfen Katar die Unterstützung von Terrororganisationen und Nähe zum schiitischen Iran vor, den vor allem das sunnitische Saudi-Arabien als Erzrivalen betrachtet. Katars Rivalen wollen in der schwersten diplomatischen Krise am Golf seit Jahren erst nachgaben, wenn das Emirat seine Politik ändert.

Für Wirbel sorgte auch eine folgenschwere Falschmeldung: Vergangenen Monat schleusten mutmaßlich russische Hacker eine Fake-Nachricht in Katars staatliche Nachrichtenagentur. Sie sorgten damit für eine dramatische Verschärfung der diplomatische Krise unter den arabischen Golfstaaten. Der US-Sender CNN berichtete, die Bundespolizei FBI habe kürzlich ein Team von Ermittlern in die Hauptstadt Doha geschickt, um der Regierung beim Aufklären des mutmaßlichen Hackerangriffs zu helfen.

Die mutmaßliche Falschmeldung vom 23. Mai, der zufolge sich das Staatsoberhaupt von Katar, Emir Tamim bin Hamad Al-Thani, freundlich gegenüber dem Iran und Israel geäußert haben soll, befeuerte den diplomatischen Bruch. US-Regierungsbeamte sagten laut CNN, das Ziel Russlands sei es offensichtlich, einen Keil zwischen die USA und ihre Verbündeten zu treiben. In Katar befindet sich der größte US-Militärstützpunkt in der arabischen Welt.

Unklar war zunächst, ob die US-Ermittler hinter dem mutmaßlichen Hackerangriff eine kriminelle russische Gruppe vermuten oder sogar die russischen Sicherheitsdienste selbst. Das FBI und der Geheimdienst CIA wollten keinen Kommentar abgeben, wie CNN weiter berichtete. Eine Sprecherin der Botschaft Katars in Washington sagte, die Ermittlungen dauerten noch an. Die Erkenntnisse würden bald veröffentlicht.

Inmitten der Krise wurde nun auch der katarische TV-Sender Al-Dschasira nach eigenen Angaben zum Ziel massiver Cyber-Angriffe geworden. Zwar gaben Al-Dschasira-Mitarbeiter am späten Donnerstagabend nach einigen Stunden wieder Entwarnung. Zuvor waren die Internetseite und die digitalen Plattformen des Mediennetzwerkes nach dessen Angaben aber „systematischen und andauernden Hacking-Versuchen“ ausgesetzt gewesen. Das Staatsfernsehen deaktivierte seine Webseite zeitweise „aus Sicherheitsgründen“ und teilte mit, die Behörden würden den Vorfall untersuchen. Die Hintergründe waren zunächst unklar.

Saudi-Arabien und vier andere arabische Staaten hatten am Montag alle Beziehungen zu Katar abgebrochen. Die nationalen Fluggesellschaften stoppten den Luftverkehr, die Nachbarländer schlossen zudem die Grenzen. Die Länder warfen Katar vor, Terroristen zu unterstützen.

 

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erstellt am 09.Jun.2017 | 16:48 Uhr

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