Diktatoren-Symbole

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27. Februar 2014, 12:17 Uhr

Über kurz oder lang geht es allen Diktatoren an den Kragen. Wenn sie Glück haben, dürfen sie bei Kollegen ihr Gnadenbrot verzehren, häufig aber geht mit dem Kragen auch der Kopf verloren. Sind die Übeltäter verjagt, sieht sich das Volk an, wo und wie sie gelebt haben. Die Paläste, die Gärten und die zurückgelassenen Automobile unterscheiden sich sehr, eines aber haben die Tyrannen gemeinsam: die goldenen Wasserhähne im Badezimmer. Zwar gibt es güldene Armaturen mittlerweile auch schon in besseren Baumärkten, dennoch gelten sie als Inbegriff von dekadentem Luxus. Ein Janukowitsch hat sicherlich viele Millionen auf Schweizer und anderen Konten versteckt, und die genaue Höhe des Vermögens einschließlich kiloschwerer Goldbarren kennt wahrscheinlich nicht einmal der unrechtmäßige Eigentümer selbst, schon gar nicht das Volk. Der Zorn der ausgeplünderten Untertanen richtet sich daher gegen die goldenen Wasserhähne, die zwar gewiss nicht vom Baumarkt stammen, ebenso gewiss aber auch höchstens vergoldet sind.

Die Empörung der Eindringlinge schwillt gewaltig an, wenn sie neben den edlen Wasserspendern ein zusätzliches Beweisstück für unanständigen Luxus entdecken, nämlich die freistehende Badewanne, womöglich auch noch in runder Form, wie im Landsitz des abgewählten ukrainischen Präsidenten. Schon der als protzig verschriene Limburger Bischof musste erfahren, dass auch der Luxus seine Symbolik hat. Zu den Regeln eines ordentlichen Badezimmers gehört: Die Armaturen sind silbrig und nicht goldig, und die Wanne gehört mindestens mit einer Längsseite an die Wand.

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