Standort Jagel : Die Welt der Drohnen

Jagel wäre der einzige Standort für Kampfdrohnen in Deutschland. Aber um welche Modelle geht es überhaupt? shz.de zeigt bewaffnete und Aufklärungsdrohnen.

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03. Juli 2014, 12:36 Uhr

Heron I

Die israelische Drohne Heron 1 im Einsatz bei der Bundeswehr.
Imago
Die israelische Drohne Heron 1 im Einsatz bei der Bundeswehr.

Diese Aufklärungsdrohne aus Israel ist derzeit mit drei Stück bei der Bundeswehr im Einsatz. Die Bundeswehr least die Modelle vom Herstellerkonsortium und wird sie voraussichtlich bis April 2015 in Afghanistan einsetzen. 2015  läuft der Vertrag aus. Für eine Bewaffnung ist der Heron I (englisch für "Reiher") mit einem Maximalgewicht von 250 Kilogramm zu klein. Ein Nachfolger soll nach Meinung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) auch Waffen tragen können. Die Drohne ist 8,50 Meter lang, hat eine Spannweite von 16,60 Metern und fliegt gut 200 Klometer pro Stunde schnell. Angetrieben wird sie von einem 115 PS starken Benzinmotor. Sie ist vor allem auf lange Flugdauer von bis zu 45 Stunden und große Höhen von gut 9000 Metern ausgelegt. Mittels GPS fliegt sie vollautomatisch programmierte Routen, kann aber auch gesteuert werden. In Jagel bei Schleswig sind bereits 35 Piloten für die Bedienung ausgebildet. Für andere Modele wie die Heron TP oder den Reaper könnten sie umgeschult werden.

Heron TP

Die israelische Drohne „Heron TP“.
Imago/UPI Photo
Die israelische Drohne „Heron TP“.

Dieser weiterentwickelte Reiher ist als bewaffnete Drohne für die Bundeswehr im Gespräch. Mit ihrem Turboprop-Triebwerk mit 1200 PS kann sie Nutzlasten von 1000 Kilogramm transportieren. Die Abflugmasse beträgt bis zu 4650 Kilomgramm. Mit 13 Metern Länge und 26 Metern Spannweite ist sie deutlich größer als das Vorgängermodell. Die Einsatzdauer beträgt bis zu 26 Stunden. Israel hat die Heron TP seit 2010 im Einsatz.

Reaper

Eine US-Drohne vom Typ Reaper.
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Eine US-Drohne vom Typ Reaper.

Der Reaper ("Sensenmann") ist das Modell, das meist gemeint ist, wenn von "Kampfdrohne" die Rede ist. Der Erstflug des Prototyps war 2001. Das Fluggerät aus den USA ist ebenfalls für die Bundeswehr als bewaffnete Drohne im Gespräch. Seit 2007 ist sie in Afghanistan im Einsatz. Die Steuerung erfolgt durch zwei Personen aus den USA. Bewaffnet ist sie mit lasergelenkten Bomben und Raketen, sie kann bewegliche Ziele verfolgen und bis zu 30 Stunden lang fliegen. Ein 900 PS starkes Turboprop-Triebwerk lässt den Flugkörper bis zu 482 Kilometer pro Stunde schnell werden. Die Spannweite beträgt 20 Meter, die Länge elf Meter.  Ob es Zulassungsprobleme wie beim Euro Hawk geben könnte, ist sowohl für die Heron TP als auch für den Reaper umstritten. Laut Experten könnten die Drohnen von Jagel aus in den für das Militär abgesperrten Luftraum aufsteigen und anschließend zum Beispiel über der Nordsee Übungsflüge absolvieren.

Predator

Eine US-Drohne vom Typ Predator.
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Eine US-Drohne vom Typ Predator.

Der Reaper basiert auf dem Predator ("Raubtier") und ist ebenfalls vom US-Hersteller General Atomics. Diese Drohne ist aber deutlich kleiner und bereits seit 1995 im Einsatz. Gut acht Meter Länge und knapp 15 Meter Flügelspannweite lassen das Raubtier neben dem Sensenmann fast zierlich wirken. Sie kann aber Luft-Luft- oder Luft-Boden-Raketen tragen. Eine Motor mit je nach Modell 106 oder 135 PS Leistung macht sie bis zu 250 Kilometer pro Stunde schnell, die Flugdauer beträgt bis zu 40 Stunden, die maximale Höhe rund 8000 Meter.

Euro Hawk

Die Drohne Euro Hawk.
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Die Drohne Euro Hawk.

Der Euro Hawk ist eine Variante der Drohne Northrop Grumman RQ-4. Diese ist für extrem hohe Flüge von bis zu 20 Kilometern und weltweite Einsätze mit einem Einsatzradius von 5500 Kilometern bei 25 Stunden Aufenthalt im Zielgebiet konzipiert. Die Drohne nimmt deshalb am zivilen Flugverkehr teil. Im Mai vergangenen Jahres beendete der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière das Programm. Als Grund wurde angegeben, dass der Euro Hawk keine Zulassung für den zivilen Luftraum bekommen würde, weil keine zugelassene Anti-Kollisions-Einrichtung vorhanden sei. Der Bundesrechnungshof kritisierte die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium scharf, da ein Scheitern lange absehbar gewesen sei. Der Euro Hawk wäre wohl in Jagel stationiert worden.

Luna

Eine Bundeswehr-Drohne vom Typ Luna.
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Eine Bundeswehr-Drohne vom Typ Luna.

Diese kleine Aufklärungsdrohne setzt die Bundeswehr in Afghanistan ein, davor auch in Mazedonien und im Kosovo. Sie ist seit 2000 im Dienst. Die Länge beträgt 2,36 Meter bei einer Spannweite von 4,17 Metern. Sie startet per Katapult und landet in einem Netz oder per Fallschirm. Angetrieben wird sie per Zweitaktmotor, der sie auf bis zu 90 Stundenkilometer beschleunigt. Die Drohne wird von der Firma EMT im bayerischen Penzberg gebaut und wird auch vom pakistanischen Militär eingesetzt. Die Reichweite der Datenleitung per Mikrowelle beträgt gut 100 Kilometer.

CL 289

Eine Bundeswehr-Drohne vom Typ CL 289.
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Eine Bundeswehr-Drohne vom Typ CL 289.

Ein Blick in die Historie des deutschen Drohneneinsatzes: Diese Aufklärungsdrohne war für die Bundeswehr seit 1997 im Einsatz, damals im ehemaligen Jugoslawien. Damals war die Bundeswehr eine der wenigen Armeen auf der Welt, die überhaupt über Drohnen verfügten.  2009 gab es den letzten von 1401 Flügen. Die CL 289 wurde mittels Feststoffrakete in die Luft geschossen, ab dann sorgte ein Jet-Triebwerk für den Schub. Sie flog eigenständig per GPS einen vorher programmierten Kurs. Die CL 289 war im Vergleich zu heutigen Kampfdrohnen ein Winzling. Sie war nur 3,70 Meter lang, hatte eine Spannweite von 1,32 Metern, eine Nutzlast von nur 32 Kilogramm und konnte lediglich 30 Minuten lang in der Luft bleiben. Dafür flog  sie bis zu 720 Kilometer pro Stunde schnell.

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