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Bundeswehr : Die Truppe im Norden wächst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bundeswehr investiert in ihre Standorte in Schleswig-Holstein. Ein Aufklärungs-Ausbildungszentrum kommt nach Jagel.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2017 | 12:41 Uhr

Oberst Kristof Conraths Blick geht gen Himmel. Ein Tornado ist im Landeanflug, startet aber nochmal durch. Kein Problem. Im Gegenteil: Alles läuft nach Plan. Es ist ein Übungsmanöver. Der Pilot soll lernen, wie es wäre, mit technischen Problemen klar zu kommen, erklärt Conrath, der seit gut zwei Monaten Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ in Jagel und Kropp ist. Neuerdings werden die Tornado-Piloten nicht mehr in den USA (Holloman, New Mexiko), sondern in Schleswig-Holstein trainiert.

Das Geschwader in Jagel und Kropp wächst – und steht damit stellvertretend für die Bundeswehr in Schleswig-Holstein.

Nach der großen Reform 2011 unter dem damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière verlor das nördlichste Bundesland von seinen derzeit 26.000 Dienstzeiten 10.700. Doch die Zahl steigt wieder. Insgesamt 21345 Dienstposten umfassen die Standorte in Schleswig-Holstein. Nach Angaben des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr sind es 14.782 Soldaten und 6563 zivile Mitarbeiter.

Die Tabelle zeigt die Investitionen der Bundeswehr von 2017 bis 2022 in die Standorte in Schleswig-Holstein (Quelle:Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr)

Kiel 126 Mio. Euro
Eckernförde 130 Mio. Euro
Flensburg 42 Mio. Euro
Plön 19 Mio. Euro
Boostedt 5 Mio. Euro
Husum 13 Mio. Euro
Jagel 63 Mio. Euro
Schleswig 18 Mio. Euro
Kropp 29 Mio. Euro
Appen 19 Mio. Euro
Stadum 18 Mio. Euro

 

Gewinner der Reform

Der Luftwaffenstandort Jagel/Kropp war schon 2011 einer der wenigen Gewinner der Reform. 2011 hatte er 1500 Dienstposten. Heute sind es bereits etwa 1800, bald werden es fast 2000 sein. Nicht nur die Tornado-Soldaten sollen künftig am Standort ausgebildet werden. Ab 2019 soll auch das „Ausbildungszentrum zur abbildenden Aufklärung der Luftwaffe“ (mit der schönen Abkürzung AZAALW), das derzeit im bayrischen Fürstenfeldbruck beheimatet ist, nach Jagel kommen.

„Damit werden wir zum Kompetenzzentrum Aufklärung“, sagt Oberst Conrath. Die Tornado-Ausbildung sei eine „Unikatfähigkeit“. Fast 100 Millionen Euro sollen laut Conrath bis 2023 für „circa 40 große und 30 kleine Baumaßnahmen“ in den Standort investiert werden. Zum rheinischen Übermut neigt der Mann, der vor zwei Monaten aus Köln vom „Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr“ in den Norden kam, nicht.

Lehrgänge für Waffenlehrer: „Absolutes High-End“

Aber etwas Stolz merkt man ihm schon an, wenn er über die „Ausbildungsbreite“ in der sogenannten 4. Staffel spricht. Neben den Flugschülern werden zukünftig ab Oktober oder November auch die Fluglehrer in Jagel ausgebildet. Ab März 2018 finden dann auch die Lehrgänge für die Waffenlehrer dort statt. Letztere seien „die Krönung der Ausbildung“, „das „absolute High-End“, wie der Kommodore es formuliert. Zwei Besatzungen werden es für das Waffensystem Tornado sein und zwei für den Eurofighter. Das seien zwar nicht die „wahnsinnig großen Zahlen“, dennoch sei die Planung „wahnsinnig aufwendig“.

Neues „Taktische Aus- und Weiterbildungszentrum Flugabwehrraketen“ in Husum

Auch das ist ein Trend, der sich in der schleswig-holsteinischen Bundeswehrlandschaft erkennen lässt. Nicht nur die reine Zahl an Dienstposten steigt wieder, sondern auch die gefragten (Ausbildungs-)Fähigkeiten. Beispiel Flugabwehrraketengeschwader 1 in Husum: Das neue „Taktische Aus- und Weiterbildungszentrum Flugabwehrraketen“ (TAWZ) löst das bisherige im texanischen El Paso ab. Der zweite Ausbildungsbetrieb, der aus den USA nach Schleswig-Holstein kommt. Die Verlegung sei für 2020, maximal 2021 angedacht, teilt Geschwader-Sprecher Bernd Berns mit.

Auf dem Flugplatz Schwesing „sollen dann die Baumaßnahmen abgeschlossen und die Schule umgezogen sein“. 60 neue Dienstposten entstehen. Dazu kommen die Lehrgangsteilnehmer. 700 FlaRak-Soldaten sind derzeit in Husum stationiert. Bis 2021 werden 400 zusätzliche Soldaten im Geschwader hinzukommen, allerdings auch an anderen Standorten in Mecklenburg-Vorpommern, die zum Geschwader gehören.

Auch andere Standorte im Land wachsen

Jüngst verkündete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beispielsweise, dass für die Einsatzflottille 1 weitere 1000 Dienstposten geschaffen werden sollen – eine Aufstockung um ein Viertel. Der Bund nimmt viel Geld in die Hand. Insgesamt investiert die Bundeswehr bis 2022 fast 500 Millionen Euro in Schleswig-Holstein.
 

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