Politische Aktion mit Brisanz : „Die Toten Kommen“: Künstler wollen Flüchtlingsopfer nach Berlin holen

Flüchtlinge, die an den EU-Außengrenzen bei dem Fluchtversuch in ein besseres Leben sterben, werden unwürdig behandelt. Das Künstlerkollektiv „Zentrum für politische Schönheit“ will das nun ändern.

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15. Juni 2015, 16:34 Uhr

Berlin | „Für die Überführung und Beerdigung jedes Toten benötigen wir 14.900 Euro.“ Mit diesen Worten will das Künstlerkollektiv „Zentrum für Politische Schönheit“ auf eine Aktion aufmerksam machen, die die Flüchtlingssituation rund um das Mittelmeer bis auf deutschen Boden holt. Jährlich sterben tausende Flüchtlinge auf ihrer gefährlichen Reise nach Europa. Doch was passiert mit den Opfern? Europas Grenzen seien militärisch abgeriegelt, heißt es auf der Projektseite der Crowdfunding-Plattform „indiegogo“. „Europa hat den Einwanderern den Krieg erklärt – ein Krieg, dem ausschließlich Zivilisten zum Opfer fallen“, so die deutlichen Worte des Kollektivs. Die Opfer dieses Krieges würden massenhaft im Hinterland südeuropäischer Staaten verscharrt. „Sie tragen keine Namen. Ihre Angehörigen werden nicht ermittelt. Niemand schenkt ihnen Blumen.“

Das soll sich nach den Plänen der Aktivisten jetzt ändern. Ein Video zeigt die Beweggründe des Kollektivs:

Die toten Einwanderer Europas kommen in den nächsten Tagen von der EU-Außengrenzen in die „Schaltzentrale des europäischen Abwehrregimes“, heißt es in dem Beitrag weiter. Direkt vor dem Kanzleramt wollen die Initiatoren die Opfer beisetzen. „Im Herzen Europas“, wie sie sagen. Diese Aktion soll zum Ziel haben, Europa in einen Einwanderungskontinent zu verwandeln.

Bereits am Dienstag sollen um 10 Uhr zwei muslimische Opfer, die bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben kamen, beigesetzt werden. Die Mutter und ihr zweijähriges Kind sollen öffentlich auf dem Friedhof in Berlin-Gatow beerdigt werden. Eingeladen sind unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Mann Joachim Sauer, Bundesinnenminister Thomas de Maizère und die ehemalige Bundesfamilienministerin Kristina Schröder.

Der Transport der zwei Opfer wurde durch die Bayerische Polizei auf dem Weg nach Berlin kontrolliert. „Es soll sich um zwei syrische Flüchtlinge handeln, die im Mittelmeer vor Italien ertrunken sind“, sagte ein Polizeisprecher dem Portal „Ingolstadt-Today“. „Weil an einem Sarg das Siegel gebrochen war, wurde das Fahrzeug zum Flughafen München gebracht“, so der Polizeisprecher. Der Zoll habe die Särge durchleuchtet, um einen eventuellen Drogentransport auszuschließen. Bis zum Weitertransport seien die Särge dann bei einem Bestatter in Freising gekühlt worden. Das Künstlerkollektiv spricht von einem Skandal um das italienische Bestattungsunternehmen, das mit der Überführung beauftragt war: „Wir verurteilen diesen respektlosen Umgang mit den ersten Toten der EU-Außengrenzen, die jetzt in die Zentrale des europäischen Abwehrkrieges kommen, aufs Schärfste!“

Damit weitere Flüchtlinge beigesetzt werden können, ruft das Künstlerkollektiv zu weiteren Spenden auf. Von 699 Personen wurden in etwa acht Stunden bereits über 18.000 Euro aufgebracht.

Am Sonntag, dem 21. Juni plant die Gruppe dann einen „Marsch der Entschlossenen“. Weitere Tote sollen während der Aktion, die um 14 Uhr beginnt, zum Kanzleramt gebracht werden um sie „direkt vor den politischen Entscheidungsträgern“ zu beerdigen. Auf dem Vorplatz des Kanzleramtes soll nach den Wünschen des Kollektivs eine Gedenkstätte entstehen – ein Friedhof für die „unbekannten Einwanderer“. „Angeführt von einem Bagger treten Entschlossene einen stillen Marsch zum Kanzleramt an, um dort friedlich die Grundsteine für einen Gedenkfriedhof zu legen“, heißt es in der Mitteilung weiter.

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