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Politik

17. Oktober 2017 | 17:52 Uhr

Die Spitze eines Eisberges

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vatikan verdoppelte Zahl der Priester-Entlassungen wegen Kindesmissbrauchs

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2014 | 14:21 Uhr

Beim Thema Kindesmissbrauch geht die katholische Kirche in die Offensive. Knapp 400 katholische Priester soll Papst Benedikt XVI. in den Jahren 2011 und 2012 wegen Pädophilie entlassen haben. Das entspricht einer glatten Verdoppelung: 2008 und 2009 wurden nur 171 Priester aus diesem Grund in den Laienstand versetzt. Das macht deutlich, dass der Papst aus Bayern tatsächlich begonnen hatte, einen härteren Kurs gegen Missbrauchstäter in den eigenen Reihen zu fahren. Und dass es ihm ernst war, als er eine Null-Toleranz-Politik ankündigte.

Doch zugleich zeigt der Vorgang auch, dass es in der Kirche noch immer Widerstände und Verdunklungstendenzen gibt. Denn der Vatikan bestätigte die Zahlen erst auf Nachfrage. Und auch die eher halbherzigen Aussagen der Vatikandelegation vor dem Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen sprechen nicht unbedingt die Sprache energischen Durchgreifens und Handelns. Vielmehr scheint es, als dächte mancher im Vatikan immer noch, dass das Thema „Sexueller Missbrauch in der Kirche“ irgendwann schon wieder unter der Oberfläche verschwindet. Und genau diese Denkweise ist der eigentliche Skandal: Vollständige Transparenz nach außen und eine eindeutige und unmissverständliche Bestrafung der Täter sind die einzigen Werkzeuge gegen den Missbrauchssumpf.

Sicher, theoretisch müsste sich die Kirche bei weltweit 400 000 Priestern und 400 in den Laienstand versetzten Missbrauchstätern keine grauen Haare wachsen lassen. Doch zwischen Theorie und Praxis gibt es oftmals Unterschiede. Und das Verhalten der Kirchenoberen deutet eben wieder einmal darauf hin, dass die 400 laisierten Priester nur die Spitze eines Eisbergs sind. Dass immer noch vertuscht und verschleiert wird, und die von Benedikt XVI. ausgerufene Null-Toleranz-Politik längst nicht überall in der römischen Kurie angekommen ist. Ein Ende des Missbrauchsskandals jedenfalls ist für die katholische Kirche noch lange nicht in Sicht.

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