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Berater von Donald Trump : Die Spinne im Netz - oder wie Stephen Bannon die Revolution plant

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Stephen K. Bannon (62) hat sich in seinem Leben schon oft neu erfunden. In Trump hat er einen Seelenverwandten gefunden.

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2017 | 16:01 Uhr

Washington | Das Wort „Chaos“ hat für den Mann an Donald Trumps Seite keinen bitteren Beigeschmack. Bannon benutzt politisches Durcheinander als Taktik, die darauf angelegt ist, den Gegner zu überwältigen. Oder ihn abzulenken, um wichtigere Ziele durchzusetzen. Nicht weniger als das hat sich der ehemalige Wahlkampf-Manager Trumps, Chef bei der rechten Agitprop-Plattform Breitbart und ehemalige Navy-Offizier mit Harvard-Abschluss, vorgenommen.

Der umstrittene US-Präsident Donald Trump schottet mit seiner Politik Amerika vom Rest der Welt ab - und spaltet die Nation. Auch mit seinen Personalernennungen sorgte er für Diskussionen.

Die ersten beiden Wochen des neuen Präsidenten im Weißen Haus geben einen Vorgeschmack auf das, was kommt. Eine Revolution von oben, die sich gegen das liberale Amerika richtet und die Weltordnung, die daraus hervorgegangen ist. In schneller Abfolge kündigte Trump das transpazifische Freihandelsabkommen TPP auf, erteilte den Befehl zum Mauerbau und verhängte einen Einreisestopp für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Staaten.

Als Demonstranten zu Zehntausenden ihren Unmut spontan auf die Straße trugen, nutzte Bannon die Ablenkung der Medien für einen persönlichen Coup im Weißen Haus. Er jubelte dem Präsidenten den Umbau des Nationalen Sicherheitsrats unter. Während der Joint Chiefs of Staff und der CIA-Direktor in dem Exekutivbefehl zur Reform des NSC abgestuft werden, erhält der Chefberater einen festen Platz in dem Gremium, das Trump zu Krieg und Frieden berät.

„Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das ist Macht“, kokettiert der raubeinige Bannon mit seiner Rolle im Weißen Haus. Ähnlich unbescheiden wie sein Chef vergleicht er sich in dem Gespräch mit einem amerikanischen Reporter mit dem mächtigen Gehilfen Heinrich des Achten. „Ich bin Thomas Cromwell am Hofe der Tudors.“

Der historische Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt. Das „Time“-Magazin nennt Bannon in der Titelgeschichte seiner jüngsten Ausgabe „den zweitmächtigsten Mann der Welt“. Niemand sonst kann es sich leisten mit zerknüllter Hose, offenem Hemd und unrasiert einfach so ins Oval Office zu spazieren.

Bannon teilt Trumps politischen Instinkte. Die beiden verstehen sich als Störenfriede, die sich vorgenommen haben, die globalen Eliten aufzumischen. „Wir sind Augenzeugen der Geburt einer neuen politischen Ordnung“, jubelte Bannon nach dem Wahlsieg im November. Wobei er den Versuch entschieden zurückwies, in eine Ecke mit Faschisten und Rassisten gestellt zu werden.

„Ich bin ein Wirtschaftsnationalist. Ich bin ein Amerika-Zuerst-Typ“, nimmt Bannon im Wall Street Journal eine Standortbestimmung vor. Ein Anti-Globalisierer, der die Rückkehr zur nationalen Souveränität als Allheilmittel begreift. Und ein rabiater Islamgegner, der die „jüdisch-christliche Welt“ in einem Krieg mit der moslemischen Welt sieht.      

Wer die Weltsicht des Vordenkers im Weißen Haus verstehen will, findet die Gebrauchsanleitung dazu bei einem Auftritt Bannons vor dem rechts-katholischen „Human Dignity Institut“ 2014 in Rom. Dort entfaltete er seine Vision einer „rechten Internationale“.

„Das zentrale Anliegen, das all diese Mitte-Rechts-populistischen Bewegungen verbindet“, sei die „Sammlung der arbeitenden Männer und Frauen in der Welt, die müde sind, von der ,Davos'-Lobby herumkommandiert zu werden“. Die Leute spürten, wie sie entmündigt würden, und lehnten sich überall in der Welt gegen zentralisierte Regierungen und supranationale Gebilde wie die Europäische Union auf.

Protektionismus, Mauerbau und Einwanderungsstopp sind in diesem Narrativ Selbstschutz-Maßnahmen, die Souveränität zurückzugewinnen. Eine Außenpolitik, die darauf abzielt, multinationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die Europäische Union oder die NATO zu schwächen, versteht sich von selbst.

Die neue Ordnung, die Bannon und Trump vorschwebt, ist in Wirklichkeit eine alte. Es ist die düstere Welt des Nationalismus, mit seinem undurchsichtigen Netz an bilateralen Absprachen und Rückversicherungen, in der andere Staaten nicht als Partner, sondern Konkurrenten wahrgenommen werden. Bannon entdeckte schon sehr früh seine Seelen-Verwandschaft zu Trump, den er als idealen Botschafter des Neo-Nationalismus ausmachte. Als „Breitbart“-Chef wies er das Organ der sogenannten „Alt-Right“-Bewegung an, den blondierten Milliardär hoch zu jubeln. 

Bannon ist ein Tausendsassa, der sich in seinem Leben immer wieder neu erfunden hat. Der in einer irisch-katholischen Arbeiterfamilie in Virginia aufgewachsene Stephen meldete sich nach der Schule freiwillig zum Dienst in der Navy. Er verdiente sich einen Abschluss in nationaler Sicherheit an der renommierten Georgetown-Universität.

Abrupt wechselte er die Karriere und schaffte es, an der Harvard Business School aufgenommen zu werden. Er heuerte bei Goldman-Sachs an und verdiente sich während des Übernahmebooms in den 80er Jahren eine goldene Nase. Das Geld investierte er in Medienunternehmen in Hollywood. Rechte an der Erfolgsserie „Seinfeld“ tragen ihm bis heute satte Tantiemen ein.

In Los Angeles freundete er sich mit Andrew Breitbart an. Eine schillernde Figur und Provokateur, der das Establishment in Washington und an der Wall Street wie er selber zu seinem Feind erklärt hatte. Bannon half ihm finanziell, den Traum einer Plattform für die neue Rechte zu realisieren. Nach dessen plötzlichen Herztod im Alter von nur 43 Jahren übernahm Bannon 2012 die alleinige Führung der Organisation.

Als Chefstratege holt Bannon nun seine Breitbart-Seilschaften ins Weiße Haus. Umgekehrt hilft er, sein früheres Unternehmen zu einer privaten Agitations- und Propaganda-Plattform für Trump auszubauen. Mit einem globalen Netz an Standorten, das seine Marschbefehle direkt aus dem Zentrum der Macht erhält.

Je mehr sich die Leute an Stil und Vorgehen reiben, desto besser aus Bannons Sicht. Dessen Maskottchen ist der Honigdachs, der laut „Brehms Tierleben“ angriffslustig ist und sich in seinem Blutdurst festbeisst. Oder wie das bei Breitbart ausgegebene Motto sagt: „Honey Badgers don't give a shit.“

Wie weit er im Weißen Haus damit kommt, hängt von Trump ab. Läuft es schlecht, kann es für ihn wie bei seinem historischen Vorbild Cromwell enden. Als der übers Ziel hinausschoss, ließ ihn Heinrich der Achte exekutieren. Doch danach sieht bisher wenig aus. Zur Zeit sitzt Bannon wie die Spinne im Netz des Weißen Hauses.   

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